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Wurzen Politiker zum Anfassen in der Oberschule Brandis
Region Wurzen Politiker zum Anfassen in der Oberschule Brandis
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00:19 04.02.2018
Politiker im Interview: Bürgermeister Arno Jesse stellte sich den Fragen der 9 a. Quelle: Foto:
Brandis

„So sehnsüchtig wird die Stundenklingel nicht immer erwartet“, schmunzelte Gemeinschaftskundelehrerin Simone Moßler. Denn am Mittwoch gab es in der Brandiser Oberschule für zwei neunte Klassen eine besondere Unterrichtsstunde – mit Politikern zum Anfassen. Bürgermeister Arno Jesse (SPD) und Stadtrat Hans Ross (Bürgerverein Brandis) hatten sich bereit erklärt, sich von den Schülern kräftig löchern zu lassen. „Im Lehrplan steht gerade das Thema Kommunalpolitik, und da bot es sich an, Experten einzuladen, die Fragen zur Gemeinde aus erster Hand beantworten können“, erklärte Gemeinschaftskundelehrer David Goltz, der die Veranstaltung zusammen mit seiner Kollegin initiiert hatte. Die Schüler erwiesen sich als gut darauf vorbereitet, eine ganze Reihe von Fragen hatten sie bereits im Unterricht zuvor formuliert, sogar der Moderator kam aus ihrer Mitte. „Ich verspreche mir davon, dass die Schüler Politiker einmal hautnah erleben und nicht nur etwas über ihre Aufgaben erfahren, sondern auch, in welchen Zwängen sie gefangen sind, wenn sie für die Gemeinde etwas Gutes bewirken wollen“, so Moßler. „Vor allem aber, dass Politik nicht etwas ist, das weit weg passiert, sondern alle angeht.“

„Ich freue mich, dass wir das Original da haben“, begrüßte Florian Ehring in der 9 a den Bürgermeister. Und dann ging es gleich zur Sache. „Wie schaffen Sie es, Privatleben und Amt unter einen Hut zu bringen“, wollte Lucia wissen. Und Jesse gab bereitwillig Einblick in einen Job, der nicht nach acht Stunden endet, sondern auch viele Abendtermine beinhaltet. „Und da muss ich tatsächlich auch einen Plan mit meiner Familie machen, um gemeinsame Unternehmungen nicht dem Zufall zu überlassen.“ Die Schüler erfuhren, dass Jesse, schon immer politisch interessiert, mit seinem Zuzug nach Brandis 2002 in die SPD eintrat – „denn ich wollte mich hier gesellschaftlich engagieren“ – und „als Pragmatiker“ Koalitionsverhandlungen seiner Partei in Berlin gutheißt, wenn sie zu einem vernünftigen Ergebnis führen, „denn die Wähler haben der SPD nicht ihre Stimme gegeben, damit sie sich mit sich selbst beschäftigt“.

Neben Fragen zu schwierigen Entscheidungen oder Projekten in 2018 brachten die jungen Leute auch Dinge zur Sprache, die sie besonders betreffen. So wollte Pascal wissen, wann die kaputte BMX-Rampe im Sport- und Freizeitpark Lange Stücken in Ordnung gebracht wird, ein Problem, das Jesse bis dahin gar nicht präsent war. „Wenn wir schon solche Strecken haben, sollten sie auch nutzbar sein“, erklärte er – und an diesem Beispiel auch gleich das Prozedere, wenn an einem Objekt mehr als eine kleine Reparatur fällig wird. Dann müsse der Stadtrat in der Haushaltdebatte über die Maßnahme und ihre Wichtigkeit abstimmen, „denn wir haben nicht unendlich viel Geld“. Einen anderen Schüler wiederum interessierte, wo es offenes WLAN geben wird und erfuhr, dass Jesse es sich nach dem Markt auch im Stadtpark wünscht, der Denkmalschutz aber Signalstelen nicht zulasse.

Drei Zimmer weiter erklärte Hans Ross in der 9 b derweil die Zusammensetzung des Stadtrates und Aufgaben der Ausschüsse und warb intensiv dafür, einmal eine Sitzung mitzuerleben. „Jede beginnt mit einer Bürgerfragestunde, dort kann man, was einem am Herzen liegt, vorbringen.“ Schon einiges Erstaunen rief Ross’ Antwort auf Jonas’ Frage nach der Bezahlung der Arbeit als Stadtrat hervor. Denn die sei ehrenamtlich und werde nur mit einer Aufwandsentschädigung vergütet.

Aus der Veranstaltung nahmen übrigens beide Gesprächspartner einen Erkenntnisgewinn mit. Es habe nicht nur Spaß gemacht, sich mit den jungen Leuten zu unterhalten, meinte Jesse im Anschluss. „Ich habe auch erfahren, was sie bewegt – und vielleicht auch die Eltern, die vielleicht hinter der ein oder anderen Frage standen. Und es hat mich durchaus positiv erstaunt, wie sehr sie sich dafür interessieren, was in der Stadt passiert.“

Von Ines Alekowa

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