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Wurzen Porträts von Gerhard Weber in der Stadtgalerie Wurzen
Region Wurzen Porträts von Gerhard Weber in der Stadtgalerie Wurzen
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09:36 22.11.2018
Raymund Töpfer, Gerhard Weber und Ingrid Leps im Gespräch. Auch Ingrid Leps wurde von Weber porträtiert.
Raymund Töpfer, Gerhard Weber und Ingrid Leps im Gespräch. Auch Ingrid Leps wurde von Weber porträtiert. Quelle: Bert Endruszeit
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Wurzen

Bitte recht freundlich! Das sind genau die Worte, die man von Gerhard Weber niemals hören wird. „Dieses Salami-Lächeln, diese ganze Selfie-Welle, da kann einem schon mal schlecht werden“, sagte der Grimmaer Fotograf, dem die Städtische Galerie Wurzen jetzt eine Ausstellung mit eindrucksvollen Porträts widmete.

„Freuen sie sich, regen sie sich auf, vielleicht schimpfen sie ja sogar.“

Zur Eröffnung am Sonnabend im Alten Rathaus reichten die Stühle nicht aus, Weber ist längst eine Institution, seine Bilder faszinieren immer wieder. „Schauen sie sich die Bilder an, freuen sie sich, regen sie sich auf, vielleicht schimpfen sie ja sogar. Denn wenn man zu einem Bild nichts sagen kann, dann ist es uninteressant“, so der 1940 in Berlin-Kreuzberg geborene Weber.

Die schwarz-weiß Fotografien von Gerhard Weber zeigen Menschen in besonderen Momenten

Selten lache auf seinen Bildern jemand, doch das sei auch nicht nötig. Freundliche Menschen erkenne man auch wenn sie nicht lachen und böse Menschen auch wenn sie freundlich blicken, so Weber. Mit seinen noch bis zum 16. Dezember unter dem Motto „Der andere Blick des Fotografen“ zu sehenden Porträts kommt Weber den Menschen buchstäblich ganz nah und erfasst Situationen, die sich oft nur in Bruchteilen von Sekunden bieten. Als der Grimmaer Oberbürgermeister Matthias Berger seine Aufnahme sah, sei er fast vom Hocker gefallen, berichtete Weber. „Doch so sieht man nun mal aus, wenn man gerade einen mehrere Kilometer langen Lauf absolviert hat.“

Fotoausstellung zu 30 Jahre Wende geplant

Gerhard Weber sei eine Größe, auf die man in Wurzen nicht verzichten könne, so Raymund Töpfer vom Wurzener Museum. „Er präsentiert außergewöhnliche Bilderwelten.“ Ähnlich eindrucksvoll werde ganz sicher eine Fotoausstellung sein, die an gleicher Stelle im kommenden Jahr zum Thema 30 Jahre Wende geplant sei.

Realistische Fotografie mit großer Tiefe

Mit Ingrid Leps hielt eine Frau die Laudatio, die von Weber auch selbst schon porträtiert wurde. „Näher heran geht wirklich nicht“, meinte sie mit Blick auf die fast ohne jegliche Distanz aufgenommenen Fotos. „Es ist eine Nähe die überrascht, ja fast überrumpelt.“ Gerhard Weber nutze mit schlafwandlerischer Sicherheit den entscheidenden Moment. Die Porträtierten würden sich ihm unbewusst öffnen, so gelinge ihm eine realistische Fotografie mit großer Tiefe.

Die nahezu altmeisterlichen Schwarz-Weiß-Aufnahmen wurden von Weber ganz modern mit der Digitalkamera in Farbe aufgenommen. Ihren ganz spezifischen Ausdruck gewinnen sie dann erst am Computer. „Gerhard Weber hat zwei bis drei Jahre wie ein Weltmeister am Computer geübt, bis ihn die Ergebnisse überzeugten“, erklärte Leps die Arbeitsweise des Fotografen. So habe er beispielsweise auch die Körnung alter Orwo-Filme überzeugend nachempfunden.

Von Bert Endruszeit