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Wurzen Rassegeflügelzüchter von Wurzen gründeten vor 140 Jahren Verein
Region Wurzen Rassegeflügelzüchter von Wurzen gründeten vor 140 Jahren Verein
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09:06 04.08.2019
Stolze Geflügelzüchter seit Jahrzehnten: Vereinschef Bernd Ferl (r.) und Mitglied Helfried Jacob.
Stolze Geflügelzüchter seit Jahrzehnten: Vereinschef Bernd Ferl (r.) und Mitglied Helfried Jacob. Quelle: Kai-Uwe Brandt
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Wurzen/Thallwitz

Als der Rassegeflügelzuchtverein Wurzen und Umgebung gegründet wurde, regierte Bürgermeister Karl Anton Fiedler die Stadt. Und das ist sehr lange her. Die Gemeinschaft, am 23. März 1879 von Kaufmann Friedrich August Opitz ins Leben gerufen, überdauerte das Kaiserreich, die Weimarer Republik und die Zeit des Nationalsozialismus, selbst die DDR-Ära.

Das Züchten von Rassegeflügel war eine Domäne der Städter

Heute zählt der Verein um den Thallwitzer Vorsitzenden Bernd Ferl immer noch 29 Mitglieder und will das 140. Jahr seines Bestehens am 23./24. November mit einer Muldentaler Kreisschau im Wassergut Canitz krönen. „Das Züchten von Rassegeflügel war früher keinesfalls eine Domäne von Bauern, sondern vielmehr von Städtern“, berichtet Ferl über die Anfänge, welche sich dank lückenloser Sitzungsprotokolle dokumentieren ließen und in einer Chronik mündeten.

Mit den beiden Annoncen im „Wurzener Wochenblatt und Anzeiger" machte der Rassegeflügelzuchtverein Wurzen erstmals im März 1879 von sich reden. Quelle: Kai-Uwe Brandt

Die Vereinsmitglieder sind ein verrücktes Völkchen – im positiven Sinne

Der 68-jährige Rentner steht seit 2003 dem Verein vor und begann schon als Jugendlicher schwarze Zwerg-Wyandotten, eine Hühnerrasse aus den USA, zu züchten. „Sie haben mir gefallen, und ich bin bis jetzt dabei geblieben.“ Neben den 100 Jungtieren auf seinem 2500 Quadratmeter großen Grundstück hält Ferl auch Tauben – Deutsche Modeneser. „Die meiste Zeit nimmt nicht das Füttern ein, sondern eher das Säubern der Ställe und Verschläge.“ Gut drei bis vier Stunden am Tag opfert der ehemalige Einsatzleiter bei der Remondis Eilenburg GmbH für die Pflege und Hege.

Eisfarbige Tauben mit schwarzen Binden

„Nun ja, Züchter sind im positiven Sinne ein verrücktes Völkchen“, ergänzt Vereinsmitglied Helfried Jacob. Der 77-jährige Thallwitzer, der, wie er sagt, die Leidenschaft vom Großvater erbte, machte 2008 mit der Anerkennung seiner Neuzüchtung (Deutscher Modeneser, eisfarbig mit schwarzen Binden) Furore und gehört zur Altersriege der Enthusiasten. „Von unseren 29 Mitgliedern, darunter drei Frauen, sind zehn über 60 Jahre und sechs über 50 Jahre“, fügt Ferl an. Gern würde sich die Gemeinschaft verjüngen, aber es gibt so manches Hindernis. „Neben dem Interesse braucht es nämlich vor allem ein großes Grundstück, woran es mittlerweile oft hapert.“

Die Neuzüchtung „Deutsche Modeneser, eisfarbig mit schwarzen Binden" von Helfried Jacob aus Thallwitz wurde 2008 in Leipzig anerkannt. Quelle: Repro Kai-Uwe Brandt

Züchter erhalten Rassen, die vom Aussterben bedroht sind

Der Verein selbst lebt ausschließlich von den Beiträgen, pro Person 15 Euro im Jahr, und von Spenden. Leider, so Ferl, werde es von Mal zu Mal schwerer, Ausstellungsorte zu finden und zu bezahlen. Dabei seien die Präsentationen so eine Art Werbeschild, das kleine und große Besucher lockt. Insofern zollt Ferl der Kührenerin Monika Köppe allen Respekt, da sie der Gemeinschaft seit Jahr und Tag für die „normale Vereinsschau mit circa 200 bis 250 Tieren“ die Scheune auf ihrem Hof zur Verfügung stellt. Eine Nummer größer geht es bei der Lipsia-Bundesschau auf dem Gelände der Neuen Messe in Leipzig zu – „sozusagen die zweite Liga für uns Züchter“.

Sachsen gilt als Hochburg der Züchter

Im Übrigen gilt der Freistaat Sachsen als die Hochburg der Rassegeflügelzucht schlechthin. Denn aus Görlitz stammt ihr Begründer Karl Robert Oettel (1798 – 1884) und hier formierte sich 1852 der erste Verein. Auf eine reiche Tradition können mit 140 Jahren ebenfalls die Wurzener verweisen. „Zucht ist praktizierter Tierschutz mit dem Erhalt von Rassen, die vom Aussterben bedroht sind“, sagt Ferl. Und außerdem: „Wir haben nichts zu verbergen, sondern etwas zu bieten.“

Der Taubenschlag von Bernd Ferl: Seinen Zwerghühnern und Tauben widmet der 68-Jährige täglich drei bis vier Stunden. Die meiste Zeit nimmt das Säubern der Ställe und Käfige ein. Quelle: Kai-Uwe Brandt

Wassergut Canitz unterstützt die Jubilare

Zehnmal im Jahr treffen sich die Frauen und Männer, um über aktuelle Themen zu beraten. Schon im Februar des Vorjahres stimmten sie sich über die Vorhaben im Jubiläumsjahr ab. Damals reifte der Wunsch, die Kreisschau in der Stadtsporthalle Wurzen durchzuführen. Doch die Kommunalverwaltung lehnte ab. In Bernhard Wagner fand Ferl indes einen willkommenen Mitstreiter. Denn der Geschäftsführer der Wassergut Canitz GmbH sicherte den Geflügelzüchtern die Betriebshalle in Wasewitz zu.

An der Kreisschau anlässlich des 140-jährigen Bestehens beteiligen sich dann auch Kanarien- und Kaninchenzüchter. „Es gibt also allerhand zu sehen“, hofft Ferl auf viel Publikum am 23. und 24. November.

Kontakt zum Rassegeflügelzuchtverein Wurzen und Umgebung: Vorsitzender Bernd Ferl, 04808 Thallwitz, Am Sportplatz 5, Telefon 0157 88 47 08 43

Von Kai-Uwe Brandt

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