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Wurzen Stadtpark Wurzen: Kopf von Albert Kuntz erhält Schutzwachsschicht
Region Wurzen Stadtpark Wurzen: Kopf von Albert Kuntz erhält Schutzwachsschicht
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15:30 28.12.2016
Ehrenhain im Stadtpark: Derzeit wird die Büste des Widerstandskämpfers Albert Kuntz restauriert. Das Freundschaftsdenkmal dahinter zeigt ebenfalls Schäden und soll demnächst saniert werden.
Ehrenhain im Stadtpark: Derzeit wird die Büste des Widerstandskämpfers Albert Kuntz restauriert. Das Freundschaftsdenkmal dahinter zeigt ebenfalls Schäden und soll demnächst saniert werden. Quelle: Foto:
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Wurzen

Voraussichtlich im Januar kommt die Büste des Widerstandskämpfers und KPD-Politikers Albert Kuntz (geboren 1896 in Bennewitz – gestorben 1945 im Konzentrationslager Dora bei Nordhausen) zurück auf den Sockel im Ehrenhain des Wurzener Stadtparkes. Bereits Anfang Dezember hatte die Stadtverwaltung das Denkmal demontieren lassen, um es wieder auf Vordermann zu bringen.

Wie der Metallbildnermeister und staatlich geprüfte Restaurator Thomas Müller sagte, sei jetzt gerade die Reinigung abgeschlossen. Die nächsten Schritte müssten daher erst mit der Unteren Denkmalschutzbehörde in Grimma abgesprochen werden. Das Amt gab vor Wochen auch das Startsignal zur Auffrischung der Bronzeguss-Büste. Den Auftrag erhielt die Firma Metalldrückerei Müller aus Wurzen, welche der 37-jährige Thomas Müller in dritter Generation weiterführt. Um den Kopf mit mikrokristallinem Schutzwachs zu konservieren, entfernte er mehrere Farbanstriche bis zur eigentlichen Patinaschicht. Die selbe Methode wandte der Fachmann bereits Mitte des Jahres bei der Skulptur des Denkmals für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges auf dem Alten Friedhof an.

Laut Kathrin Höhme, Sachbearbeiterin für Grünflächen und Gewässer im Stadthaus, diene das aktuelle Vorhaben vor allem der weiteren Gestaltung des 16 Hektar großen Stadtparks. Immerhin forderte das Landesamt für Denkmalpflege schon 2009 von Wurzen eine Bestandsaufnahme des vor 137 Jahren angelegten Areals. Die kommunale Haushaltslage verhinderte jedoch bis zur Strafandrohung aus Dresden im Herbst 2014 eine Inventur. Mittlerweile fand Höhme im eigenen Sachgebietsbudget eine Lösung (die LVZ berichtete).

Ebenfalls sichtbare Verschleißerscheinungen weist neben dem Kopf von Albert Kuntz, den der Leipziger Künstler Dieter Dietze (1937 – 2000) schuf und der einst im ATSV-Stadion (vormals Albert-Kuntz-Stadion) thronte, das zweite Mahnmal im steinernen Halbrund auf. Jene Plastik des sowjetischen Offiziers und eines deutschen Arbeiters befand sich seit 1954 bis zur Einweihung des Ehrenhains am 6. Oktober 1974 auf der Grünanlage vorm Stadthaus-Südflügel. Und zwar genau an der Stelle, wo bis 1943 die zu Rüstungszwecken eingeschmolzene Büste des Wurzener Apothekers und Ehrenbürgers Hermann Ilgen den Vorplatz zierte. Der Bildhauer Wolfgang Eckart (1919 – 1999) fertigte im Auftrag der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft in seinem Waldsteinberger Atelier die Gipsvorlage an. Hierfür standen ein Soldat vom Flugplatz Polenz und ein Brandiser Einwohner Modell.

Wegen des Mangels an Buntmetall benutzte der volkseigene Betrieb Maschinenfabrik und Eisengießerei Wurzen dazumal lediglich Grauguss als Ummantelungsmaterial. An der Haut nagt indes der Rost – insbesondere an den Nahtstellen und eben nicht zum ersten Mal. Deshalb erledigte schon einmal der Böhlitzer Schmiedemeister Rudolf Pöge die anstehende Reparatur. Wann die nächste Sanierung fällig wird, ist noch ungewiss. „Ich habe jedenfalls mein Angebot abgegeben“, kündigte Restaurator Thomas Müller an.

Von Kai-Uwe Brandt