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Wurzen Steinarbeiterhaus Hohburg zeigt Alltagsgegenstände aus der DDR
Region Wurzen Steinarbeiterhaus Hohburg zeigt Alltagsgegenstände aus der DDR
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10:03 16.02.2019
Museumsleiter Matthias Müller hat seinen Spaß an der typischen Brotbüchse aus Aluminium. Sie durfte auch im originalen Spind der Steinarbeiter von Hohburg nicht fehlen. Der Schrank mit den Aktfotos wurde schon im Zeitgeschichtlichen Forum in Leipzig gezeigt. Quelle: Thomas Kube
Hohburg

 Der nackte Fels muss die Arbeiter im Steinbruch betört haben. Wie sonst sind die Aktfotos im Spind zu erklären. Offenbar konnten die Männer nicht nur zupacken, sondern hatten auch ein Händchen für die großen Gefühle. Wer weiß das besser als Matthias Müller. Bevor damals die Baggerwerkstatt im Zinkenberg weggerissen wurde, konnte der Museumsleiter zusammen mit Andreas Syre zumindest einen Spind retten – nicht irgendeinen: den Spind!

Spind mit Aktfotos bekommt Ehrenplatz in Sonderschau

Der Spind aus den Hohburger Bergen. Er brachte es zu einiger Berühmtheit. Er schaffte es sogar in die Ausstellung des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig „Schamlos? Sexualmoral im Wandel“. Logisch, dass ihm Museumsleiter Müller in seiner aktuellen Schau über DDR-Alltagsgegenstände einen Ehrenplatz einräumt. Der Spind und sein Eigenleben: Bemmbüchse und Sturzhelm, Linda-Neutral und Karo, Aktentasche und eben Aktfotos.

Die Ausstellungsstücke der Schau im Steinarbeiterhaus Hohburg spiegeln viele Facetten des DDR-Alltags wider. Sie reichen von Tassen über den Campingstuhl bis zum Kinderspielzeug.

Räkelten sich Models im Westen auf Seite 1, fand man Mädels im Osten auf Innenseiten der Spinde. Die rationierten Fotos von monatlich einer Nackten für die Republik stammten aus der Zeitschrift Magazin. Der Altenhainer Heimatfreund Gerd Misselwitz vermachte dem Steinarbeiterhaus sämtliche Ausgaben der Jahre 1954 bis 1990. In den Nummern darf ausdrücklich geblättert werden.

DDR-Magazin macht Reportage in Hohburg

Das Magazin und das Steinarbeiterhaus – Liebe auf den ersten Blick. „Schaubossieren, hieß 1982 unsere erste öffentliche Veranstaltung“, erinnert sich der heute 61-jährige Museumsleiter Müller. Im Garten habe sich alles ums maßgerechte Zuhauen von Pflastersteinen gedreht. Das Magazin berichtete und titelte: „Bossierliches aus Hohburg“. Der Artikel auf drei Seiten ist selbstverständlich für die Nachwelt erhalten.

Genau wie das Magazin ging 1954 auch die Heimatzeitschrift Rundblick an den Start. Für seine Verdienste um die Traditionspflege bekam der ehrenamtliche Chefredakteur Manfred Müller, Rundblick-Müller und Vater des Museumsleiters, vom damaligen Betriebsdirektor des Colditzer Porzellanwerks, Günter Gottlebe, ein wertvolles Mokkaservice überreicht. Die Tässchen mit Oldtimermotiven aus sogenanntem Exportüberhang sind Hingucker der Sonderschau.

Das Steinarbeiterhaus

Die 65. Sonderschau „In diesem Jahr wäre sie 70 geworden ... Alltagsgegenstände aus der DDR“ ist von Sonntag, 17. Februar, bis 31. Oktober, montags bis donnerstags, 9 bis 16 Uhr, und sonntags von 13 bis 16 Uhr geöffnet. Gruppen ist der Eintritt jederzeit nach Anmeldung unter Tel. 034263/41344 möglich. Das Steinarbeiterhaus Hohburg ist Bestandteil des Geoparks Porphyrland und wird betrieben durch den Förderverein Steinarbeiterhaus. Das Haus neben der Kirche ist 1802 als Kleinbauerngut errichtet worden. 100 Jahre später wurde es von Steinarbeitern bewohnt, die in den Brüchen der Hohburger Berge tätig waren. 1980 ist die letzte Bewohnerin ausgezogen. Danach richteten engagierte Heimatfreunde mit Hilfe der örtlichen Steinindustrie ein Museum ein. Dieses wurde 1985, am Weltmuseumstag, am 18. Mai, feierlich eröffnet. Seither gibt es eine Dauerausstellung zur damaligen Arbeit und Lebensweise der Steinarbeiter. Darüber hinaus entstand im Freigelände eine vielbeachtete Schau mit fünf rekonstruierten Gebäuden und 15 Großmaschinen. Der Knüller ist eine Steinbrecheranlage, die zu jeder Führung angeworfen wird. Eine Sonderausstellung wurde wegen ihrer besonderen Beliebtheit zur Dauerausstellung: Der Tante-Emma-Gemischtwarenladen, der auf dem Dachboden zu sehen ist. Die jährliche Adventsausstellung ist längst ein Muss in der Region. Im Obstgarten fanden zahlreiche Konzerte statt – Folk, Country, Dixieland. In diesem Jahr sind weitere geplant. Von 1985 bis jetzt statteten dem Museum und seinen Veranstaltungen 167 600 Gäste einen Besuch ab.

Mehr als 200 Exponate bei Sonderschau

Betrachtet werden können mehr als 200 Exponate, fast alles Schenkungen und 25 Leihgaben, etwa von Herbert Körpert und André Petzschler. Ein einziges Ausstellungsstück hat das Museum extra für die Präsentation angekauft: eine originale Wurzener Keksdose. „So wie Halberstadt für Würstchen steht und Burg für Knäckebrot, war und ist unser Wurzen für seine Kekse bekannt“, sagt Matthias Müller, der für kleines Geld auf dem Flohmarkt fündig wurde. In einer anderen Blechbüchse befinden sich unzählig viele DDR-Sportabzeichen. „Die ersten 500 Besucher bekommen eines, in Gold!“, lacht der Hausherr.

Leihgaben: Andre Petzschel hat dafür einen Staubsauger und Herbert Körpert sein Tisch-Röhrenradio Ilmenau 480 zur Verfügung gestellt. Quelle: Thomas Kube

Fay, Undine und Imnu-Kaffee – der Duft der DDR

Ein Regal voller Artikel aus DDR-Zeiten. Quelle: Thomas Kube

Kannen und Pötte aus dem Geithainer Emaillierwerk, eloxierte Eisbecher mit Plastefuß, flotte Lotte und Schnellkochtopf gehören genauso zur Ausstellung wie Campingstühle, Puppenwagen und Bohnermaschine, aber auch Messemännchen, Sandmann und „Negerpuppe“. Von Fewa über Imi bis Spee ist Waschmittel dabei. Dazu Seife wie Nautik oder Ballett für 95 Pfennige nebst Undine für zehn Mark! Der Luxus pur aus dem Delikat hieß nicht mehr Seife, sondern Savon de Toilette.

Pädagogisch wertvoll: das Buch Struwwelpeter. Es durfte in keinem Kindergarten fehlen. Ebenso wenig wie das Bild an der Wand: „Am Strand“ von Walter Womacka aus dem Jahre 1962. Museumsleiter Matthias Müller, der bei Familie Strauch ein Exemplar abstauben konnte, schwärmt von dem unschuldigen Paar am Ostseestrand: „Das Motiv wurde drei Millionen Mal reproduziert und 12 Millionen Mal als Briefmarke gedruckt. Deshalb ist es in unserer Ausstellung.“

Versandhauskataloge von Centrum und Konsument

Müller steuerte ein Buch aus seiner Kindheit bei: Fix und Fax ist das lustige Mäuseabenteuer überschrieben – die Antwort der DDR auf Mickey Mouse, aber ausdrücklich kein Comic. Für Aufsehen sorgen auch Hefte mit Waren und dafür zu berappenden etwas anderen Mäusen: Centrum und Konsument brachten Versandhauskataloge heraus. Ihr jähes Ende wurde 1976 mit fortan flächendeckenden Einkaufsmöglichkeiten begründet. Dabei war klar: Es lag an Lieferschwierigkeiten.

Sagenhafte 18 Kilo wiegt das RFT-Koffertonbandgerät Smaragd, Baujahr 1962. Fünf Tasten, zwei Steuerknöpfe, zwei Spulen, dazu ein magisches Auge, das wie der namensgebende Edelstein grün leuchtet. Aus dem Jahr 1959 ist eine Schmalfilmkamera aus dem Hause Pentacon zu bestaunen. Mit Ledertasche kostete das gute Stück, das an einen Geheimdienst-Thriller erinnert, sündhaft teuere 491 Mark.

Musik von Krug und Fischer zur Eröffnung

Zur Eröffnung der Schau legt das Steinarbeiterhaus bekannte Schallplatten mit Musik von Vroni Fischer und Manne Krug auf. Wer den Ausstellungsraum betritt, sollte unbedingt hinter den Kanonenofen schauen. Dort steht fast ein wenig versteckt ein gerahmtes Plakat mit einer bemerkenswerten Losung, die da lautet: Ganz Deutschland wird zu einer einigen, unteilbaren Republik erklärt.

Der Ausspruch stammt nicht von der Allianz für Deutschland kurz vor der letzten Volkskammerwahl. Weit gefehlt: „Es ist ein Zitat von Karl Marx, weshalb auch sein Konterfei abgebildet ist“, verrät Matthias Müller. Die uralte Sichtwerbung der Nationalen Front hatte er in der Schlosserei des Steinbruchs Frauenberg entdeckt. „An Mauerfall war da noch nicht zu denken. Deshalb hatten es die Arbeiter im Nebenraum hinterm Ofen versteckt.“ Ja, ja, die Steinarbeiter. Die hatten eben schon immer ein Faible für nackte Tatsachen.

Von Haig Latchinian

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