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Wurzen Studenten entwickeln Ideen für Brandiser Bibliothek
Region Wurzen Studenten entwickeln Ideen für Brandiser Bibliothek
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11:08 16.11.2019
Professor Scherzer-Heidenberger (hinten) erklärte, was Bibliothek heute leisten sollte. Quelle: Ines Alekowa
Brandis

Wie könnte die neue Bibliothek im ehemaligen Brandiser Ratskeller aussehen? Diese Frage hatte die Stadtverwaltung an Studenten der Leipziger Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) weitergegeben. Die von diesen, in Zusammenarbeit der Fakultäten Informatik und Medien sowie Architektur und Sozialwissenschaften entworfenen sechs Modelle wurden am Donnerstagabend in einem Workshop im Rathausfoyer vorgestellt, zu dem interessierte Bürger eingeladen waren.

Aktuell erfährt der Ratskeller eine Fundamentsicherung. „Die soll zum Jahresende abgeschlossen sein, ab dem Frühjahr wollen wir in die Kernsanierung gehen“, informierte Bürgermeister Arno Jesse (SPD) zum aktuellen Stand. Ziel ist es, im Erdgeschoss „eine kleine, aber feine Bibliothek“ und im ersten Obergeschoss einen Veranstaltungssaal einzurichten. Angepeilte Fertigstellung: 2021. Es sei also genau der richtige Zeitpunkt, über die Gestaltung der Bibliothek nachzudenken, befand er. Die Vorschläge der Studenten sieht Jesse in einer Zeit sich ändernder Mediennutzung, in der auch Bibliotheken neue Wege gehen müssen, als „guten Input, um uns selbst zu finden“.

Noch ist die neue Bibliothek nur ein Modell... Quelle: privat

Elektronische Medien verdrängen Bücher-Batterien

Es war eine Zusammenarbeit zum gegenseitigen Vorteil. Die Begegnung mit der Realität beschrieb Andrea Nikolaizig, Professorin für Bibliotheks- und Informationswissenschaft, als eine für die Studenten lehrreiche Erfahrung, „dass nicht alles geht, was man sich als Bibliothekar vorstellt. Der Raum gibt den Rahmen vor“. Und der ist im alten Ratskeller mit einer umgekehrt L-förmigen Fläche von 150 Quadratmetern, in deren Winkel tragende Wände zudem 21 Quadratmeter abgrenzen, nicht gerade üppig bemessen.

Und trotzdem sei er ausreichend, meinte Ronald Scherzer-Heidenberger, Professor für Regionalplanung und Städtebau. „Die Zeit, da in Batterien von Regalen Buch an Buch stand, Bibliotheken Speicher für Wissen waren, ist vorbei.“ Heute gehe es darum, „einen Ort der Begegnung zu schaffen, wo viel geboten wird, Aufbewahrung und Veranstaltungen zusammengeführt werden“, kurz um „Aufenthaltsqualität“.

Brandis verfügt derzeit über 12300 Medien

Allen sechs Modellen auf Basis einer Gemeinwesenanalyse ist deshalb der Versuch gemein, „die Bibliothek als attraktiven Aufenthaltsort zu entwickeln“, so Nikolaizig. Und zwar für alle Brandiser – Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Die lockere Raumgestaltung überwiegt, Regale sind auch mal nur mannshoch, Sitzgruppen laden zum Verweilen ein .... Die Studenten gingen dafür nicht vom aktuellen Bestand der Bibliothek aus, den Bibliothekarin Ulrike Richter, die die Ausleihe in den Modulen am Gymnasium leitet, auf 12300 Medien beziffert, sondern davon, was der Raum zulässt. Eine solche Herangehensweise, räumte Nikolaizig ein, erfordere allerdings die permanente Aktualisierung des Bestandes und Nutzung von E-Medien. Letztere, so Richter, sollen in Brandis 2020 eingeführt werden.

24-Stunden-Zugang zur Bibliothek

„Alle Modelle“, betonte die Professorin, „berücksichtigen die Veränderung der Arbeits- und Lernwelt.“ Das führte auch zu der Überlegung, einen automatisierten 24-Stunden-Zugang zu gewährleisten, der zum Beispiel Pendlern die Möglichkeit eröffnet, die Bibliothek auch abends oder am Wochenende zu nutzen. In Bielefeld gebe es dafür ein gelungenes Beispiel. Und im Kleinformat auch in Brandis selbst, verwies Stadtrat Markus Bergforth auf die gut besuchte und bisher intakt gebliebene Bücherzelle gegenüber vom Rathaus. „Es wäre eine tolle Sache“, befand Besucherin Ina Exner. Des Weiteren soll die neue Bibliothek Platz für Gruppenarbeit bieten. Die werde schon in der Grundschule gefordert, so Nikolaizig. „Einen Platz für gemeinsames Arbeiten aber findet man nirgendwo.“

Brandiser können Modelle online einsehen und kommentieren

Die studentischen Vorschläge sollen nun aufbereitet und auf der Internetseite der Stadt im Beteiligungsportal eingestellt werden, sodass die Brandiser die Möglichkeit erhalten, sie zu kommentieren. „Damit, so Jesse, haben wir bei der Haushaltdiskussion bereits gute Erfahrungen gemacht.“

Von Ines Alekowa

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