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Wurzen U18-Wahl: Jugendliche im Landkreis Leipzig geben sich selbst eine Stimme
Region Wurzen U18-Wahl: Jugendliche im Landkreis Leipzig geben sich selbst eine Stimme
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21:38 27.07.2019
Cathleen Martin-Pfefferkorn und Kristin Cseresznye (mit Blumen /v.l.) sind die ehrenamtlichen Beauftragten für die Kinder- und Jugendbeteiligung in Colditz. Quelle: Haig Latchinian
Colditz

 In Colditz reden alle über die bevorstehenden Landtagswahlen – auch die, die (noch) keine Stimme im Parlament haben: die Kinder und Jugendlichen. Weil in Sachsen erst ab 18 gewählt werden darf, macht der Nachwuchs jetzt mobil und richtet seine eigene Wahl aus – die U18-Wahl.

Wenn Selina Hänsel, Leonie Nagel und Emily Pfefferkorn über ihre baldige erste Wahl reden, strahlen sie beinahe mit der Sonne um die Wette. Die Mädchen wollen sich einmischen – wenn auch nicht gleich in die große, so doch wenigstens in die kleine Politik, auf lokaler Ebene und, was die Wahl betrifft, vorerst symbolisch.

Jugendinitiative will weiter wachsen

Sie gehören zu den gut 20 jungen Colditzern, die sich jeden Freitag treffen. Dabei hecken sie Ideen aus, wie sie im Ort noch bekannter werden können: Am 14. September veranstalten sie ein Open-Air-Kino an der Promenade: „Ziemlich beste Freunde“ – bei freiem Eintritt! Jennifer Wagner will dazu mit ihrer Mädchenband „Mixup“ spielen.

Aktuell haben junge Leute in ganz Sachsen, unter anderem in Borna und Bad Lausick, über 140 Wahllokale angemeldet. Noch bis zum 23. August können dort Gleichaltrige ihre Stimme abgeben. Die Ergebnisse werden nach Dresden übermittelt, wo sie noch vor der Landtagswahl der Erwachsenen zentral veröffentlicht werden.

Kinder- und Jugendring wirbt für die Wahl

Initiiert wird die U18-Wahl vom Kinder- und Jugendring (KJR) Sachsen. Dessen regionaler Ableger betreut den Urnengang für den Landkreis Leipzig. „Um ein möglichst repräsentatives Bild zu bekommen, suchen wir weitere Teilnehmer und Unterstützer“, sagt Andreas Rauhut von der KJR-Geschäftsstelle in Bad Lausick.

Alles, was man brauche, seien Räume, Urnen, Stimmzettel (eine Vorlage existiert bereits) und Wahlkabinen. Außerdem gehöre die Auszählung dazu. Jugendtreffs, Schulen, Sommercamps – überall könnten Wahllokale eingerichtet werden. Auf den Stimmzetteln seien die gleichen Parteien aufgeführt wie zur Landtagswahl der Erwachsenen, so Rauhut, der in diesem Zusammenhang das Wahlrecht ab 16 fordert.

Borna als Vorzeigeprojekt

Wie gut die Einbeziehung der jungen Leute schon jetzt funktioniere, zeige das Beispiel Borna, sagt Marcus Stöver vom Flexiblen Jugendmanagement: „Im dortigen Stadtrat werden Kinder und Jugendliche bereits seit Jahren zu kommunalpolitischen Themen gehört. Sie können auch eigene Anträge stellen.“ Seit 2018 ist die Beteiligung der Jugend auch in der Sächsischen Gemeindeordnung verankert.

Die Kids hätten im Vorfeld der Landtagswahl die für sie wichtigsten 15 Fragen zusammen gestellt. Die entstandenen Wahlprüfsteine seien im Büro des Jugendringes in Bad Lausick als Plakat erhältlich, sagt Rauhut. Ausdrücklich lobt er die Initiative in der Nachbarstadt Colditz. Deren Bürgermeister Robert Zillmann (parteilos), selbst Familienvater, sicherte den jungen Leuten bereits seine Hilfe zu.

Kinder- und Jugendparlament ist das Ziel

Die sogenannte Kinder- und Jugendbeteiligung sei ihm wichtig: „Mittelfristig soll es in Colditz ein Kinder- und Jugendparlament geben, das demokratisch legitimiert Rederecht im Stadtrat hat. Natürlich vor allem zu Themen, die junge Leute bewegen“, so Zillmann. Die U18-Wahl sei dafür eine erste Fingerübung.

Die Stadt ist nicht knausrig, stattet die Mädchen und Jungen mit Laptop, Beamer, Scanner sowie Drucker aus. Zudem mietete sie für die Arbeit der Gruppe Am Kirchberg 4 entsprechende Räume an. Dort könnte auch das Wahllokal eingerichtet werden, sinniert das Stadtoberhaupt. Das letzte Wort hätten natürlich die Jugendlichen selbst.

Anerkennung für ehrenamtliches Engagement

Auf der konstituierenden Sitzung des Stadtrates gab es Blumen für Cathleen Martin-Pfefferkorn und Kristin Cseresznye. Die beiden jungen Frauen wurden zu ehrenamtlichen Beauftragten der Kinder- und Jugendbeteiligung berufen. 5000 Euro stehen ihnen im Jahr 2019 zur Verfügung. Etwa für Projekte wie das Open-Air-Kino.

Hänsel, Nagel und Pfefferkorn berichten über ihre aktuellen Vorhaben – mit einer Begeisterung, als gelte es, die Welt zu retten: „Am 15. September gibt es einen Familienfilm in der Jugendherberge. Am 28. September schwärmen wir aus und sammeln Müll. Thomas Tänzer spielt dazu Live-Musik.“

Themenabend zu Spielplätzen geplant

Am 30. August lädt die Jugendinitiative zum Themenabend „Spielplatzlust vs. Spielplatzfrust“ ein. Auch wenn die Zeit drängt und gerade Ferien sind, soll bis zum 23. August auch die U18-Wahl über die Bühne gegangen sein. Das haben sich die jungen Leute in Colditz jedenfalls fest vorgenommen. So fest, als herrsche Wahlpflicht.

Von Haig Latchinian

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