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Wurzen Vision zeigt Polenzer Ex-Gemeindeamt als kulturelles Zentrum
Region Wurzen Vision zeigt Polenzer Ex-Gemeindeamt als kulturelles Zentrum
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00:20 08.01.2018
Das ehemalige Gemeindeamt in Polenz – gleich daneben befindet sich der Spielplatz – bedarf dringend der Sanierung.
Das ehemalige Gemeindeamt in Polenz – gleich daneben befindet sich der Spielplatz – bedarf dringend der Sanierung. Quelle: Foto:
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Brandis/Polenz

Aufs Siegertreppchen beim Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ hatte es Polenz 2017 im ersten Anlauf bekanntlich nicht geschafft. „Aber es war eine gute Erfahrung“, sagt Ortschaftsratsvorsitzender Andreas Böhme. „Vor allem aber haben wir unsere Vorstellungen von der Zukunft des ehemaligen Gemeindeamtes konkretisiert“, hebt er hervor. Der Ortschaftsrat sieht das 1936 als Schule entstandene Gebäude An der Rodelbahn, das auch schon zu Wohnzwecken diente, bis zur Eingemeindung nach Brandis 1991 Gemeindeamt und dann für kurze Zeit Kindergarten war, als Heimstatt für Vereine, die Gestalter des Dorflebens. Doch dafür muss es dringend saniert werden. „Zusammen mit dem gut frequentierten Spielplatz – die Geräte wollten wir eigentlich vergangenes Jahr modernisieren – und der Kegelbahn könnte ein richtiges kulturelles Dorfzentrum entstehen“, schaut Böhme in die Zukunft.

Inzwischen habe es ein Gespräch mit dem Brandiser Bürgermeister Arno Jesse gegeben mit dem Ergebnis, dass eine Machbarkeitsstudie in Angriff genommen wird, die den Sinn einer Förderung des Vorhabens über das Leader-Programm belegen soll. Aber auch die Studie, mit der das Planungsbüro Knoblich beauftragt ist, kostet erst einmal Geld. Der Ortschaftsrat hat beschlossen, seine ihm jährlich zur Unterstützung örtlicher Projekte zur Verfügung stehenden Mittel von je 2000 Euro aus 2017 und 2018 dazu zu verwenden, die Stadtverwaltung schieße weitere 4000 Euro zu. Bis Ende Februar, so Böhme, soll die Studie vorliegen. „Unsere Idee fließen natürlich mit ein“, betont er. Zurzeit hat der Heimatverein im Gemeindehaus sein Domizil, proben Männer- und Frauenchor. Im Versammlungsraum tagt der Ortsrat, der Raum kann auch für Feiern angemietet werden. Erst am dritten Advent hatten sich die Polenzer, wie seit Jahren Tradition, nach dem Liedersingen in der Kirche zum gemeinsamen Kaffeetrinken im Gemeindehaus getroffen. Perspektivisch kann sich Böhme Buchlesungen, Kabarettaufführungen, eine Büchertauschstelle vorstellen. „Aber uns ist klar, dass sich das Gebäude ohne Einnahmen nicht trägt“, sagt er. Denkbar wären die Bereitstellung von Räumlichkeiten für medizinische oder physiotherapeutische Zwecke – insbesondere mit Blick auf die älter werdende Bevölkerung in dem 550-Seelen-Dorf –, Volkshochschulkurse, Ausbau der oberen Etage zu Wohnraum, kurz die Umfunktionierung in ein multiples Haus.

Die Zeit für eine Entscheidung drängt. Wie sehr, zeigt ein Blick zum kaputten Dach und in den Keller, wo sich der Jugendclub befindet. Ende 2016 hatten sich nach einem halben Jahr Leerstand durch Generationswechsel hier wieder Jugendliche getroffen. „Deren Eltern haben sogar den Club auf Vordermann gebracht“, erzählt Böhme. Schon da gab es Schimmel in den Räumen, aber auch die Hoffnung, das Problem mit einem Lüfter lösen zu können. Als jedoch die Stadtverwaltung, um finanzielle Unterstützung für ein paar neue Möbel angefragt, den Club besichtigte, zog sie sofort die Notbremse. Er wurde geschlossen. „Aber der Jugendclub gehört unbedingt zum Dorfgemeinschaftshaus dazu“, stellt Böhme klar. Die Lage mit einem separaten Eingang sei ideal. „Die Jugendlichen hatten einen Schlüssel, Alkohol- und Rauchverbot waren geregelt. Aber mit der Zeit, die vergeht, bricht eine ganze Generation an Nutzern weg“, sagt er.

Böhme hofft deshalb inständig, dass es das Gemeindehaus ins Leader-Programm schafft. „Die Stadt allein kann die Sanierungskosten nicht stemmen, aber über Leader wäre es lösbar. Wenn das nicht klappen sollte, ist unser kulturelles Leben im Dorf am Ende, und Polenz wird zum Schlafdorf.“

Von Ines Alekowa