Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Wurzen Volkshochschule Muldental weckt mit weit über 500 Kursen die Lust auf mehr
Region Wurzen Volkshochschule Muldental weckt mit weit über 500 Kursen die Lust auf mehr
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:18 26.02.2018
Start ins Frühjahrssemester: Die Volkshochschule Muldental lockt mit weit über 500 Kursen und einem musikalischen Auftakt im Wurzener Dom St. Marien.
Start ins Frühjahrssemester: Die Volkshochschule Muldental lockt mit weit über 500 Kursen und einem musikalischen Auftakt im Wurzener Dom St. Marien. Quelle: Kai-Uwe Brandt
Anzeige
Wurzen

Wer Neugierde wecken will, sollte nicht mit Reizen geizen. Wohl deshalb setzt die Volkshochschule (VHS) Muldental zum Start des Frühjahrssemesters mit ihrer aktuellen Plakataktion mehr als auf den flüchtigen Blickkontakt. Für viel Aufsehen sorgen daher die XXL-Werbesprüche am Straßenrand, wie „Der Unterarm ist genauso lang wie der Fuß“, „Es gibt kein Wort, das sich auf Silber reimt“ oder „Der Atlantik ist salziger als der Pazifik“. Und eine Zeile darunter: „Sonst nur nützliches Wissen – Volkshochschule“.

Allein mit 580 Kursen aller Couleur und einem Auftakt im einzigartigen Ambiente des Wurzener Doms St. Marien wartet diesmal die Bildungsstätte auf. Zu Gast beim Live-Konzert unterm Dach des Gotteshauses und bei freiem Eintritt ist am Sonnabend ab 19 Uhr die Band „Farfarello“ um Teufelsgeiger Mani Neumann und Gitarrist Ulli Brand. „Alle sind hierzu herzlich eingeladen“, freut sich Thomas Friedrich, Direktor der Weiterbildungsakademie des Landkreises Leipzig (WALL) auf die polyphone Reise von Folk, über Rock und Pop bis Klassik.

Der kommunale Eigenbetrieb WALL wurde zum 1. Januar 2012 gegründet und eint die beiden Volkshochschulen Muldental und Leipziger Land, das Schullandheim in Bennewitz sowie das Berufsqualifikationszentrum mit den Beratungsstellen in Borna, Grimma, Markkleeberg und Wurzen. Insofern weiß Friedrich bestens über die Details des Frühjahrssemesters Bescheid. Neu sei zum Beispiel im Fachbereich Sprachen der Kurs Kroatisch. Den Lehrstoff nahm die VHS ins Programm auf, weil Kroatien mehr denn je als Urlaubsland lockt, so der 63-Jährige. Das Echo ließ nicht lange auf sich warten. Für die Offerte im März gibt es bereits jetzt fünf Anmeldungen.

„Was jedoch die wenigsten wissen“, fügt der WALL-Direktor an, „ist, dass die beide Volkshochschulen circa 90 Prozent aller Flüchtlinge des Landkreises in Deutsch unterrichten.“ Im Durchschnitt 400 Personen. Friedrich zufolge beinhalte das Landessprachenprogramm einerseits gute Ansätze, benötige andererseits dringend eine Nachbesserung. Denn allein durch die vielen Abbrecher entstünde den Volkshochschulen wirtschaftlicher Schaden. Deswegen appelliert er an eine Residenzpflicht. „Wir haben außerdem die Erfahrung gemacht, dass es hochmotivierte und interessierte Teilnehmer gibt, aber auch, dass etwa die Hälfte Analphabeten sind.“ Friedrich zufolge sei es für Flüchtlinge wichtig, die deutsche Sprache zu erlernen, „ansonsten scheitert Integration“.

In den Fokus beim Thema Sprachen nimmt die VHS dieses Jahr natürlich wieder Schüler, bietet ihnen Telc-Zertifikate bis Level C 1 an und zwar kostenlos dank des Sponsors Sparkasse Muldental. Die Qual der Wahl dürfte ebenso das Motto bei den anderen Sparten sein. Zum taufrischen Angebot mit Aha-Effekt zählt unter anderem ein Grundkurs in Bienenhaltung oder Drechseln. Zudem verlagert die VHS Muldental mehr Gesundheitskurse in den Vormittag und nutzt künftig die Wochenenden für Mal- und Zeichnen-Workshops. Zugleich setzt die VHS im Programm auf Bewährtes, wie die Kunstvortragsreihe, die landeskundlichen Veranstaltungen oder die Studienreisen. Friedrich selbst baute nach der Wende die fernen Stippvisiten auf. Im März steht unter anderem Sizilien auf dem Plan. „Alle Touren haben einen Bildungsanspruch und werden von Mitarbeitern begleitet.“

Die Volkshochschule Muldental mit Hauptverwaltung in Wurzen und Geschäftsstelle in Grimma ist die älteste VHS der 16 Bildungsstätten gleicher Art im Freistaat Sachsen und wurde 1910 gegründet. Der Ursprung liegt in Grimma beim Arbeiter-Bildungs-Verein für Grimma und Umgebung. Erst 1945 folgte Wurzen unter dem Namen „Franz-Mehring-Volkshochschule“. Am 1. Juli 1993 – also noch vor der Kreisreform 1994 – führte Thomas Friedrich als damaliger Leiter der VHS Wurzen die beiden Einrichtungen zusammen.

Heute nutzen im Schnitt pro Jahr etwa 12 000 Kunden die Frühjahrs- und Herbstprogramme. „Übrigens glauben viele, dass vornehmlich Senioren auf unser Angebot zurückgreifen. Ganz im Gegenteil. Das Spektrum der Altersstruktur reicht sozusagen von sieben bis 85 Jahre, was unsere Arbeit sehr spannend macht“, sagt Friedrich zum Schluss.

Eröffnung des Frühjahrssemesters der VHS Muldental am Sonnabend ab 19 Uhr, Einlass 18.30 Uhr, mit Live-Konzert der Band „Farfarello“ im Dom St. Marien; Eintritt frei!

Von Kai-Uwe Brandt