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Wurzen Wildes Parken: Wurzen macht Markt mit Poller dicht
Region Wurzen Wildes Parken: Wurzen macht Markt mit Poller dicht
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18:33 11.07.2019
Aus und vorbei: Mit Pollern hat die Stadtverwaltung jetzt den wilden Parkern auf dem Wurzener Marktplatz klare Grenzen gesetzt. Quelle: Kai-Uwe Brandt
Wurzen

Sechs Monate nach dem Mehrheitsbeschluss des Stadtrates hat die Verwaltung jetzt einen Teil des neuen Parkkonzeptes umgesetzt. Mittlerweile begrenzen Poller den Marktplatz und verhindern so das wilde Parken auf dem zentralen Altstadtpflaster. Allerdings stoßen die frisch gesetzten Aluguss-Absperrpfosten auf geteiltes Echo bei den Einwohnern – vor allem im sozialen Netzwerk.

Wurzen plant zunächst Gebührenpflicht

Bereits im August 2016 kündigte das Stadthaus erstmals an, in Zukunft auf Kurzzeitparken und Gebührenpflicht im Stadtzentrum zu setzen. Das neue Regelwerk würde „manche Gewohnheit auf den Kopf stellen, denn so leger wie bislang dürfte es dann nicht mehr möglich sein, sein Kfz in der Innenstadt abzustellen“, hieß es damals.

Verspieltes Recht auf Mitsprache

Kommentar von Kai-Uwe Brandt

Wer zu spät kommt, den bestrafen eben manchmal die Tatsachen. Und Tatsachen schuf jetzt die Wurzener Stadtverwaltung mit einem klaren Bekenntnis eines autofreien Marktplatzes.

Doch kaum versperren die frisch einbetonierten Aluguss-Poller allen gewohnheitstreuen Wildparkern die Zufahrt zum gepflasterten Karree, beginnt die Diskussion über Sinn und Unsinn der Aktion.

Dabei setzte die Kommune lediglich um, was vor gut drei Jahren in etwas schärferer Form angekündigt und vor sechs Monaten als abgespeckte Variante vom Parlament verabschiedet wurde – das neue Parkkonzept. Während dieser Zeit hätten alle heutigen Kritiker genügend Möglichkeiten finden können, Einfluss zu üben. Ihnen standen sämtliche Informationen der Experten des IVAS-Ingenieurbüros für Verkehrsanlagen und -systeme offen. Es gab Veranstaltungen für jedermann und sogar eine Online-Umfrage über reichlich vier Wochen.

Das Echo darauf tendierte aber teils in Richtung freudloser Gleichgültigkeit. Gerade einmal 270 Personen beteiligten sich an der Beantwortung des umfangreichen Fragenkataloges. Wer so sein Recht auf Mitsprache verspielt, darf sich im Nachgang nicht über die Folgen echauffieren.

Zumal ein Marktplatz nun wahrlich keine Abstellfläche für notorische StVO-Sünder ist und Falschparker ebenso wenig mobile Wirtschaftsförderer sind, die zur Belebung der Innenstadt beitragen.

Denn insbesondere sonntags, wenn sowieso kein Geschäft geöffnet hat, reihte sich bislang Blechkarosse an Blechkarosse auf dem Marktplatz. Und ganz abgesehen davon litt Wurzen schon an einer wachsenden Anzahl verwaister Läden, als die Kundschaft noch direkt vor der Tür halten durfte. Alles beim Alten zu belassen und zu hoffen, dass sich dennoch etwas zum Guten ändert, ist jedenfalls der falsche Weg.

k.brandt@lvz.de

Die Reaktionen darauf schwankten zwischen Lob und harscher Kritik. Insbesondere Händler befürchteten das Wegbleiben der Kundschaft. Zweifel am Erfolg hegte ebenfalls mancher Volksvertreter in den parlamentarischen Gremien. Daher setzten die Mitglieder des Technischen Ausschusses auf professionelle Hilfe von außen. Den Auftrag erhielt das IVAS-Ingenieurbüro für Verkehrsanlagen und -systeme aus Dresden.

Freie Sicht über Wurzens Marktplatz: Bislang nutzten viele Autofahrer den zentralen Platz als Abstellfläche. Doch damit ist jetzt Schluss. Quelle: Kai-Uwe Brandt

Wenig Resonanz auf Umfrage der Stadtverwaltung

Die Experten begannen sogleich mit der Arbeit, sammelten eine Fülle von Daten, wie unter anderem zur Auslastung der Parkplätze oder der Verweildauer. Über die Untersuchungsergebnisse informierte die Verwaltung schließlich im April des Vorjahres auf ihrer Internetseite und rief außerdem zu einer Umfrage auf, deren Meinungsbild ins Gesamtpaket einfließen sollte. Die Beteiligung daran fiel mau aus – lediglich 561 klickten den Katalog an und nur 270 Personen davon nutzten das digitale Forum, um Einfluss zu nehmen. Übrigens bemängelten nach der Auswertung der Umfrage 80 Prozent der Teilnehmer das wilde Parken auf dem Marktplatz. Bei Veranstaltungen, die die Verwaltung organisierte, sowie den öffentlichen Ausschusssitzungen zum Thema Parkkonzept blieb die Masse der jetzigen Kritiker lieber zu Hause. Und: Einer persönlichen Einladung der Stadt eigens für Händler folgten lediglich zwei.

Stadtrat verabschiedet abgespecktes Parkkonzept

Weshalb letztlich die Verwaltung im Januar den Ratsfraktionen eine abgespeckte Variante der IVAS-Studie für das neue Parkregime in Wurzen vorlegte, begründete Oberbürgermeister Jörg Röglin mit Kompromissen, die Teil der Demokratie seien. Wer eine hitzige Debatte im Parlament um das „wenig ambitionierte Projekt“ (Zitat Röglin) erwartete, sah sich enttäuscht. Von den 22 anwesenden Volksvertretern votierten nur Kay Ritter und Joachim Spröh (beide CDU) gegen das neue Parkkonzept. Wolf-Rüdiger Jacoby (CDU) und Axel Fleck (SPD) enthielten sich der Stimme.

Heftige Kritik im Netz: Schwachsinn geht nach hinten los

So saß es vor den Pollern aus: Besonders an den Wochenenden parkten die Autos auf dem Marktplatz kreuz und quer. Quelle: Kai-Uwe Brandt

Zweifel an Belebung der Wurzener Innenstadt

Doch kaum schaffte Wurzen vor wenigen Tagen mit den Pollern Tatsachen, keimt die Diskussion im Netz wieder auf. Dabei gehen die Meinungen weit auseinander – von der „Schwachsinn wird nach hinten losgehen“ über „einfach nicht durchdacht“ bis zu „Wo ist das Problem, mal ein paar Meter zu laufen“. Zumeist werden Zweifel laut, dass das Parkverbot zur einer Belebung der Innenstadt beiträgt, da sich der Markt heute als „leblose Steinwüste“ zeige.

Mancher wünscht sich gar eine Bürgerinitiative, „um noch etwas zu erreichen“ und andere strenge Kontrollen durch das Ordnungsamt. Einigen ist der autofreie Markt zu kurz gedacht. Denn Ziel sollte es sein, so eine Facebook-Schreiberin, die Innenstadt stärker zu frequentieren. Die Poller hätten sein können, aber im Gegenzug hätte es einen zusätzlichen Gewinn für alle geben müssen.

Von Kai-Uwe Brandt

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