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Wurzen Wolfsfeuer in Trebsen: Droht Schäfer Ordnungsstrafe?
Region Wurzen Wolfsfeuer in Trebsen: Droht Schäfer Ordnungsstrafe?
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14:52 15.05.2019
Weidetierhalter, Forstleute, Jäger und Landwirte aus der Region kamen zum Kirschberg, um das Feuer zu erleben. Quelle: privat
Trebsen

 Mit einem Lagerfeuer wollten Schäfer dieser Tage auf ihre angespannte Situation aufmerksam machen. Da sich der Wolf zur ernsten Gefahr für ihre Herden entwickelt habe, setzten sie im Rahmen einer europaweiten Aktion auf dem Trebsener Kirschberg ein Zeichen. Initiator Henry Seifert, der die Streuobstwiese gepachtet hat, spricht im Nachhinein von einem nur kleinen, bestenfalls symbolischen Feuer.

Dennoch konnte man es von der nahe gelegenen Bundesstraße aus sehen. Nachdem das Feuer entzündet war, ging in der Rettungsleitstelle ein Notruf ein. Wenig später wurden die Trebsener Feuerwehrleute prompt über Sirene und Pieper alarmiert. Wehrleiter Daniel Rudolph: „Es hieß, ein Feld brenne. Also rückten wir mit einem Dutzend Kameraden und drei Autos aus.“

Wegen des schwer zugänglichen Geländes im Grünen entschied sich Rudolph, ein Vorauskommando auf die letzten Meter zu schicken: „Ich bin zum Kirschberg gelaufen, um zu sehen, was anliegt. Auf die Frage, wer das Feuer gelegt hat, bekam ich keine Antwort. Daher informierte ich die Polizei. Nur die kann die Personalien feststellen.“ Der Stadt seien Kosten entstanden, irgend jemand müsse sie schließlich tragen, so Rudolph.

Eine Argumentation, der sich Bürgermeister Stefan Müller (CDU) anschließt: „Das Lagerfeuer wurde im Vorfeld nicht angezeigt. In der Stadtverwaltung lag uns keinerlei offizielle Information vor, daher war das Feuer auch nicht genehmigt.“ Man könne nicht einfach Feuer machen und bei Eintreffen der ohnehin ehrenamtlich tätigen Kameraden sagen, es sei nichts. „Gleiches Recht für alle!“

Kommune muss über Feuer offiziell informiert werden

Brigitte Laux, Sprecherin vom Landratsamt, verweist auf das sächsische Gesetz über Brandschutz, Rettungsdienst und Katastrophenschutz. Im Paragraf 23 heiße es, dass die Gemeinde rechtzeitig zu informieren sei. Insbesondere bei Veranstaltungen, bei denen ein erhöhtes Brandrisiko bestehe oder gar Menschen gefährdet werden könnten.

Als nach etwa einer Stunde die Polizei eingetroffen sei, hätten sich die Anwesenden ein Lachen nicht ganz verkneifen können, sagt Schäfer Seifert: „Das Lagerfeuer hinterließ gerade mal einen zwei Meter großen schwarzen Fleck auf der Wiese und brannte bei Regen in einer ein Meter tiefen Grube.“ Man habe die Personalausweise vorgezeigt, sich jedoch auf das Zeugnis- und Aussageverweigerungsrecht berufen, so der Schäfer.

Seine Kollegen hätten das getan, was vorgeschrieben sei, sagt Leipzigs Polizeisprecher Uwe Voigt. In einem Ordnungswidrigkeitsverfahren sei dies ein ganz normaler Gang der Dinge. Indes ist sich Schäfer Seifert keiner Schuld bewusst: Erstens habe ein großer Artikel über die bevorstehende Aktion in der Zeitung gestanden. Zweitens könne man ihn nicht dafür haftbar machen, dass ein Gefahrenverdacht abgeklärt wurde.

35 Tierhalter bei Protestfeuer in Trebsen

„Wenn ich etwa im Gerichtsgebäude auf Waffenbesitz abgetastet werde, die Beamten aber nichts finden, kann man mir doch auch nicht die Leibesvisitation in Rechnung stellen“, argumentiert der Schäfer. Ihn ärgert, dass der eigentliche Zweck des Feuers nun völlig in den Hintergrund gerate: „Dabei war das Treffen ein voller Erfolg. 35 Tierhalter, Jäger, Forstleute und Landwirte aus der ganzen Region waren gekommen.“

Ob in Roitzsch, Voigtshain, Püchau und vor gut einem Monat auch in Trebsen – gerissene Tiere erregen im Muldental die Gemüter. Bei allen vier Angriffen könne nicht ausgeschlossen werden, dass ein Wolf der Übeltäter war, heißt es dazu aus dem Landratsamt. Während Schäfer ein strikteres Vorgehen gegen Wölfe bis hin zum Abschuss fordern, mahnen Artenschützer eine Versachlichung der Diskussion an.

Von Haig Latchinian

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