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Wurzen Würdigung der „Retter von Wurzen“ nimmt erstes Etappenziel
Region Wurzen Würdigung der „Retter von Wurzen“ nimmt erstes Etappenziel
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14:46 19.04.2019
Der 24. April 1945 war für Wurzen die Stunde Null nach zwölfjähriger faschistischer Barbarei. An diesem Tag rettete unter anderem der damalige Oberbürgermeister Armin Graebert die Stadt vor Tod und Zerstörung, indem er sie kampflos an die Amerikaner übergab. Mit ihren Jeeps rollten die Infanteristen unter Befehl Major Victor Conleys durch die Wenceslaigasse. Quelle: Archiv
Wurzen

Das erste Etappenziel haben die Initiatoren nun endlich erreicht: Nach jahrelanger Diskussion um die Würdigung der Verdienste der „Retter von Wurzen“ votierte die Mehrheit der Mitglieder des Kulturausschusses für den Antrag der CDU-Fraktion. Sollte am 30. April der gesamte Stadtrat zu seiner Sitzung ebenfalls dem Entwurf zustimmen, werden Wurzens ehemaliger Oberbürgermeister Armin Graebert, der Sozialdemokrat Otto Schunke sowie der Tischler Kurt Krause „bei den nächsten Straßenneu- beziehungsweise -umbenennungen“ in der Kernstadt berücksichtigt – und zwar in dieser Reihenfolge.

Wurzen drohte die Zerstörung durch Artilleriebeschuss

Dr. Armin Graebert, Wurzener OB war an der kampflosen Übergabe Wurzens an die Amerikaner beteiligt. Quelle: Wulf Skaun

Zunächst aber schilderte CDU-Fraktionschef Matthias Rieder dem Gremium in einer fundierten Rede, die sich ausschließlich auf Fakten berief und ideologische Streitpunkte unterließ, den historischen Hintergrund des Vorschlages aus den Reihen der Christdemokraten. Graebert, Schunke und Krause sowie die beiden Pfarrer Franz Wörner und Carl Magirius gelten seit der kampflosen Übergabe der Stadt an die Amerikaner am 24. April 1945 als die fünf Retter Wurzens. Noch am Vorabend jenes Tages befand sich Wurzen in größter Gefahr, durch Artilleriebeschuss und Bombardierung zerstört zu werden.

„Während Pfarrer Wörner und Pfarrer Magirius bereits durch die Benennung zweier Straßen geehrt wurden, erfolgte diese für Graebert, Schunke und Krause nicht“, so Rieder. Doch Namen seien Bekenntnisse und Erinnerungen, fügte der 43-jährige Rechtsanwalt an.

Kritiker reiben sich an nationalsozialistischer Vergangenheit

Bislang rieben sich die Kritiker der Idee an der Vergangenheit des Stadtoberhauptes Graebert, der im Februar 1947 im sowjetischen Speziallager Jamlitz bei Brandenburg verstarb. Der Kommunalpolitiker wurde 1898 in Berlin geboren, studierte Rechtswissenschaften und promovierte 1926. 1935 trat er in die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) ein. Bevor Graebert im Juli 1939 das Amt in Wurzen übernahm, wirkte er als Kämmerer in Weimar.

Armin Graebert wurde 1995 vollständig rehabilitiert

Dr. Armin Graebert, Wurzener OB war an der kampflosen Übergabe Wurzens an die Amerikaner beteiligt. Quelle: Wulf Skaun

Was selbst Rieder bei Akteneinsicht überraschte: Sogar der „Antifaschistische-Demokratische Block Wurzen“ unter Führung der SED wandte sich aus Unwissenheit über den Tod Graeberts noch am 29. April 1948 an die sowjetische Militäradministration, um seine Entlassung zu erreichen.

Graebert hat zur Vermeidung unsinniger Menschenverluste beigetragen, während die Naziführer es vorzogen, die Flucht zu ergreifen.“ Nicht zuletzt verwies Rieder darauf, dass Wurzens Verwaltungschef 1995 seitens der russischen Behörden vollständig rehabilitiert wurde. „Die bundesdeutsche Justiz zog im Jahre 1996 nach und sprach den Oberbürgermeister umfassend von allen Vorwürfen frei.“ Insofern bat der CDU-Fraktionschef darum, in der anschließenden Debatte „seine NSDAP-Mitgliedschaft nicht als Totschlagargument zu benutzen“.

Stadtrat Kretzschmar (Linke) stimmt den gegen CDU-Antrag

Ohne Widerspruch blieb der aktuelle Antrag allerdings nicht. Unter anderem verwies Jens Kretzschmar von der Linkspartei auf die „gesellschaftspolitische Verantwortung“ der Entscheidung. Er schlug daher vor, statt der drei Personen lediglich das Ereignis am 24. April 1945 per Straßennamen zu honorieren. Andreas Fricke von der Fraktion Bürger für Wurzen (BfW) haderte gleichfalls mit der Biografie Graeberts und wünschte deswegen eine andere Reihenfolge der Straßenbenennung. Sorgen um mögliche Schlagzeilen, wie „Wurzen ehrt NSDAP-Oberbürgermeister“ machte sich Stefan Winkelmann, sachkundiger Einwohner des Ausschusses.

Letztlich musste Oberbürgermeister Jörg Röglin (SPD) über die Anträge der Linken und der BfW-Fraktion abstimmen lassen. Beide setzten sich nicht durch. Nur die beiden Einreicher, Kretzschmar und Fricke, hoben die Hand beim Ja. Die Bitte der CDU hingegen einte schließlich bis auf Jens Kretzschmar alle Mandatsträger, sodass die Beschlussvorlage jetzt für ein abschließendes Urteil auf die Tagesordnung des Stadtrates für den 30. April kommt.

Von Kai-Uwe Brandt

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