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Region Wurzen Wurzen: Malermeister arbeitet historisches Friedhofsgitter auf
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10:16 22.05.2019
Dankbare Hilfe: Pfarrer Alexander Wieckowski (l.) und Friedhofsverwalter Paul Schütz (r.) freuen sich über das ehrenamtliche Engagement von Malermeister Jürgen Kühnicke (2.v.l.), dem Praktikant Maik Muschner zur Seite stand. Quelle: Kai-Uwe Brandt
Wurzen

Als Malermeister Jürgen Kühnicke zur Friedhofsführung im Vorjahr das geschmiedete Gitter der ehemaligen Familiengrabstätte Eckhardt sah, wurde ihm klar, hier muss schnellstens etwas geschehen. Denn die Zeit hatte der imposanten Einfriedung ihren rostigen Stempel aufgedrückt. Zudem stammt die filigrane Handwerksarbeit aus der allseits bekannten Wurzener Kunstschmiede Dämmich und wurde 1911 von Arthur Dämmich (1883 – 1963) gefertigt. Es war sein Meisterstück.

„Ich lernte Herrn Dämmich übrigens noch persönlich kennen“, erzählt Kühnicke, während er mit dem Praktikanten Maik Muschner das Tor und den Zaun auf Vordermann bringt. Außerdem arbeitete Kühnickes Vater Walter in der Firma und übernahm nach dem Tod des Firmenchefs die fachliche Leitung an der Seite der Witwe Johanna.

Auf dem Friedhof gibt es 85 historische, schmiedeeiserne Gitter

„Wir freuen uns jedenfalls sehr, dass sich Malermeister Kühnicke bereit erklärt hat, das Gitter ehrenamtlich zu restaurieren“, sagt Pfarrer Alexander Wieckowski im Beisein von Friedhofsverwalter Paul Schütz.

Detailreiche Verzierung: Das schmiedeeiserne Gitter mit dem Tor und den beiden Säulen fertigte Arthur Dämmich 1911 als Meisterstück an. Quelle: Kai-Uwe Brandt

Allein 85 der historischen, schmiedeeisernen Gitter gibt es auf dem sieben Hektar großen Gelände des Friedhofes an der Dresdener Straße. Sie alle zu erhalten, würde ein Vermögen kosten, so Schütz. Daher sucht die Verwaltung sogenannte Grabpaten, die sich eine Stätte auswählen können und entsprechend pflegen und sanieren.

Das Tor zur Grabstätte enthält Symbole der Freimaurer

Für den Zaun rings um die Gruft von Familie Eckhardt investierte Kühnicke einige Vormittage. Erst entrosten, dann grundieren und zweimal streichen. „Sandstrahlen geht schon deswegen nicht, weil bei dem Verfahren die Stäbe und das Dekor zerstört werden.“ Wie reich an Zierrat das kleine Tor und die beiden Eingangssäulen sind, zeigt sich erst auf dem zweiten Blick. „Gut zu erkennen, sind hier unter anderem Freimaurer-Symbole und der Schriftzug Dämmich“, erklärt Pfarrer Wieckowski, der auch dieses Jahr wieder zu einer Exkursion über den Friedhof einlädt.

Familie Eckhardt ist nachweislich seit 1640 in Wurzen ansässig

Eckhardts ließen sich, wie manch Wurzener Bürger damals, in einer gemauerten Gruft beisetzen, die von etwa 60 Zentimeter Erde bedeckt ist. Vor allem Wohlhabende wählten jene Form der Bestattung, weshalb Schütz zufolge noch gut 40 bis 50 Grüfte existieren. „Insbesondere an der Außenmauer“, ergänzt Wieckowski.

Gut zu erkennen, aber nur auf den zweiten Blick ist der Name des Kunstschlossers Arthur Dämmich. Quelle: Kai-Uwe Brandt

Die Familie Eckhardt, nachweislich seit 1640 in Wurzen ansässig, besaß das Stadtgut zwischen dem Jacobsplatz und der Straße des Friedens, dessen Abriss im August 1992 erfolgte. Heute stehen hier Wohn- und Geschäftshäuser sowie die Sparkassenfiliale. Ältere Wurzener wissen sogar noch, dass die Dr.-Külz-Straße bis 1945 „Eckhardtstraße“ hieß.

Der letzte Nachfahre gründete 1876 in Mark Schönstädt, Bahnhof Dornreichenbach, eine Handelsfirma für Getreide, Futter- und Düngemittel sowie Kohlen. 1951, sechs Jahre nach dem Tod von Ernst Eckhardt, übernahm der Neffe und Prokurist Felix Momber das Geschäft von der hinterbliebenen Ehefrau. Mombers Mutter Anna war die Schwester seines Onkels und heiratete 1913 den Elektrokaufmann Fritz Momber.

Zum Schluss verrät Paul Schütz, dass sich auch anderenorts auf dem größten Friedhof des Landkreises mit 1800 Grabstellen und circa 3500 Liegepätzen etwas tut. „Wir haben nicht nur den Nashornkäfer aus der Dr.-Rudolf-Friedrichs-Straße hier angesiedelt, sondern mittlerweile eine Blumenwiese sowie ein Bienenvolk auf unserem Areal.“

Von Kai-Uwe Brandt

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