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Wurzen Wurzener Unternehmen Wutra begeht 130-jähriges Firmenjubiläum
Region Wurzen Wurzener Unternehmen Wutra begeht 130-jähriges Firmenjubiläum
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18:11 25.06.2019
Der Firmensitz im Mittelstandszentrum Wurzen: Die Emde Industrie-Technik Wutra verlegt im Mai 2000 die Produktion auf das Gelände Industriestraße 4 – 6. Zuvor befand sich das Unternehmen in der Dresdener Straße. Quelle: Kai-Uwe Brandt
Wurzen

Das vorerst letzte Kapitel der langen Firmengeschichte schlugen Karl-Heinz Fraatz, Jens Karnahl und Jörg Hoffmann auf. Vor einem Jahr erwarben sie per Kaufvertrag den Wurzener Betriebsteil der Emde Industrie-Technik GmbH, nachdem die Gesellschaft ins Schlingern geriet und retteten so das Unternehmen vor dem drohenden Aus. Kurz darauf erhielt der Betrieb seinen früheren Namen zurück – Wutra (Wurzener Transportanlagen). Am 1. Juli begeht der Hersteller von Becherwerken, Trogketten- und Schneckenförderern sowie Zellenradschleusen sein 130-jähriges Bestehen.

Familienfest für Mitarbeiter, Freunde und Interessierte

Aus Anlass des außergewöhnlichen Jubiläums lädt die Wutra Fördertechnik GmbH am 29. Juni von 10 bis 15 Uhr zu einem Fest für Mitarbeiter und Familie, für Freunde, Bekannte sowie Interessierte auf das Firmengelände in der Industriestraße 4 bis 6 ein. Tags zuvor wird es außerdem einen Festakt mit geladenen Gästen aus Politik und Wirtschaft geben. Sie können sich dann ein Bild von der Vergangenheit bis zur Gegenwart machen. Immerhin ist die Historie des am 1. Juli 1889 von Klempner Gustav Ferdinand Lieder (1861 – 1946) und seinem Kompagnon Emil Ludwig in der Altstadt 34 gegründeten Unternehmens reich an Ereignissen.

In Jahr nach Gründung musste die Firma schon umziehen

„Solide Handwerkskunst und ingenieurtechnischer Verstand ... brachten schnell wirtschaftlichen Erfolg“, schreibt Jürgen Schmidt, Vorsitzender des Wurzener Geschichts- und Altstadtvereins, im Vorwort der eigens zum Geburtstag erstellten Chronik. Die Werkstatt, in dem Lieder mit drei Gesellen noch selbst Elevatorbecher (Förderbecher) herstellte, existiert nicht mehr. Heute befindet sich an jener Stelle der Kundenparkplatz der Firma Fenster Wagner. Bereits 1890 mussten Lieder und Ludwig umziehen. In der Marienstraße 3 errichteten sie eine eigene Fabrikanlage. Doch auch diese Räume wurden bald zu eng, denn 1896 fertigen circa 40 Arbeiter schon 187 000 Elevatorenbecher und 5000 Schnecken, die zum Teil in den Export nach Belgien, Holland, Skandinavien, Russland und Italien sowie Chile gingen.

Firmengründer Gustav Ferdinand Lieder (1861 – 1946) Quelle: Repro: Kai-Uwe Brandt

Der Betrieb wuchs weiter, sodass Lieder 1914 an der Dresdener Straße 64 ein neues und größeres Werk mit Gleißanschluss bauen ließ. Vier Jahre später trat der Gründer sein Lebenswerk an den Sohn Karl Lieder ab. „Beim einzigen Bombenangriff am 7. Oktober 1944 auf Wurzen fiel ein Sprengkörper auf das Firmengelände, wobei Karl Lieder, der sich im Freien befand und sich um die Unterbringung seiner Mitarbeiter sorgte, tödlich verletzt wurde“, zitiert Schmidt aus den Annalen des Unternehmens.

1948 erfolgte die Umbenennung in VEB Wutra-Werk

Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges besetzte die Rote Armee das Werk und ließ es demontieren. 1947 erfolgte auf Befehl der Sowjetischen Militäradministration (SMAD) die Rückgabe der beschlagnahmten Unternehmen in Sachsen und am 7. Juli 1948 dann die Umbenennung in VEB Wutrawerk. Nach 1990 privatisierte sich zuerst das volkseigene Kombinat Takraft, zu dem die Wutra gehörte. Zwei Jahre später löste sich die Aktiengesellschaft aber auf. Wurzen fiel wieder an die Treuhandgesellschaft zurück. Zwar versuchten die beiden Söhne von Karl Lieder das Werk zu kaufen. Ihre Bemühungen scheiterten jedoch an der lediglich zweiwöchigen Frist für einen Finanzierungsvorschlag. Deshalb wurde die Wutra für 1,6 Millionen D-Mark an vier Gesellschafter aus Beckum übertragen.

Der Einbruch des Absatzmarktes, insbesondere in der Landwirtschaft, sowie wachsende Außenstände brachten die GmbH letztlich an den Rand des Ruins. Die logische Folge: Im Januar 2000 meldete der Betrieb Insolvenz an. Die Rettung nahte Wochen später mit der Emde Industrietechnik GmbH. Das Familienunternehmen für Schüttguttechnik aus Nassau an der Lahn startete im Mai 2000 die Produktion mit dem Ortswechsel von der Dresdener Straße ins Mittelstandszentrum.

Anlässlich des 130-jährigen Firmenjubiläums legten der geschäftsführende Gesellschafter Jörg Hoffmann, der Vorsitzende des Geschichtsvereins und Autor der Chronik Jürgen Schmidt, die kaufmännische Geschäftsführerin Katrin Weist und Vertriebsleiter Thorsten Schmidt (v.l.) einen Kranz am Grab des Firmengründers nieder. Quelle: Kai-Uwe Brandt

Unternehmen beschäftigt derzeit 93 Mitarbeiter und sieben Azubis

Dank des Eigentümerwechsels im Vorjahr geht die Geschichte der Marke Wutra nun weiter. Laut der kaufmännischen Geschäftsführerin Katrin Weist sei das Ziel in Zukunft, den derzeit 93 Beschäftigten und sieben Azubis sichere Perspektiven zu bieten sowie einen stabilen Umsatz von 12 Millionen Euro zu erarbeiten. Ferner, so der geschäftsführende Gesellschafter Jörg Hoffmann, gelte es, sich noch besser aufzustellen, das Produktportfolio zu erweitern und Nachwuchs zu gewinnen. Hoffmann lernte Anfang der 80er-Jahre in der Wutra Schlosser, studierte Maschinenbau und Fördertechnik in Magdeburg. Nach der Wende arbeitete er als Konstrukteur in den Altbundesländern bis 2000. „Danach übernahm ich bei Emde die Konstruktionsleitung und wurde 2005 Betriebsleiter in Wurzen.“

Wutra errichtete 1992 die Brücke über die Dehnitzer Lache

Im Übrigen, so Schmidt, hinterließ die Wutra auch Spuren in der Heimatstadt – „weniger mit Fördertechnik, dafür mit Stahlbau.“ So erhielt der Bismarckturm auf dem Wachtelberg Anfang der 80er-Jahre eine neue Wendeltreppe sowie die ehemalige Staatsbank in der Bahnhofstraße, Ecke Beethovenstraße, eine Vergitterung für die Fenster. „Außerdem errichtete die Wutra 1992 die Brücke über die Dehnitzer Lache. Sie wurde im Juli 1992 eingeweiht.“

130 Jahre FördertechnikFamilienfest für Mitarbeiter, Bekannte und Interessierte am 29. Juni von 10 bis 15 Uhr auf dem Firmengelände der Wutra Fördertechnik GmbH in Wurzen, Industriestraße 4 – 6

Von Kai-Uwe Brandt

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