Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Wurzen Wurzener verfolgen Guss der neuen Glocken in Neunkirchen
Region Wurzen Wurzener verfolgen Guss der neuen Glocken in Neunkirchen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:03 06.05.2019
Glockenguss in Neunkirchen: Langsam läuft die glühende Bronze in die Formen. Überwacht wird das Ganze vom Meister Albert Bachert.
Glockenguss in Neunkirchen: Langsam läuft die glühende Bronze in die Formen. Überwacht wird das Ganze vom Meister Albert Bachert. Quelle: privat
Anzeige
Wurzen

Vielleicht hat sich der eine oder andere am 26. April gewundert, als 15 Uhr die beiden Glocken des Wurzener Domes für eine Viertelstunde läuteten. „Sie begrüßten ihre neuen Geschwister“, klärte Pfarrer Alexander Wieckowski auf. Denn zur gleichen Zeit begann in Neunkirchen (Baden-Württemberg) der Guss der drei Bronzeglocken für die Stadtkirche St. Wenceslai.

Gänsehaut beim Glockenguss

25 Mitglieder der Gemeinde verfolgten den historischen Akt in der traditionsreichen Gießerei Bachert und das Gebet: „Allmächtiger Gott, segne dieses flüssige Metall, dass für den Guss der Glocken bestimmt ist. Leite seine feurigen Ströme und schenke unseren Mühen Erfolg. Gib, dass die neuen Glocken deinen Namen verherrlichen.“ Wie Wieckowski sagte, schauten die Teilnehmer aus Wurzen fasziniert in den riesigen schwarzen Kessel, wo die Bronze brodelte, und vor allem auf Meister Albert Bachert, der mit seinen Männern auf dem Sandhaufen stand, unter dem sich die Gussformen befanden. Das glühende Metall floss zischend und sprühend über Kanäle in die Öffnungen. Jener Moment, so Wieckowski, trieb so manchem Zuschauer die Tränen in die Augen und ließ allen die Gänsehaut über den Rücken laufen. Danach stimmte Helga Neustadt vom Vorstand der Kirchgemeinde St. Wenceslai den Dankchoral „Großer Gott, wir loben dich“ an.

So manchem der 25 Gemeindemitglieder, die am Glockenguss in Neunkirchen teilnahmen, lief bei dem historischen Akt die Gänsehaut über den Rücken. Quelle: privat

Übrigens wurden am 26. April nicht nur die Wurzener Glocken gegossen. So weilten an diesem Freitagnachmittag ebenfalls Vertreter der katholischen Kirchgemeinde der Wallfahrtsbasilika Vierzehnheiligen in Staffelstein und der syrisch-orthodoxen Gemeinde von Bietigheim-Bissingen in Neunkirchen, um den Guss ihrer Glocken mitzuerleben. Im Anschluss lud Christiane Bachert, die Frau des Meisters, alle Gäste zu einer Führung durch die Gießerei ein.

Festgottesdienst zur Glockenweihe im Dom St. Marien

Bis jedoch das neue Geläut mit einem Gesamtgewicht von 2265 Kilogramm erstmals in Wurzen zu hören sein wird, dauert es noch einige Wochen. Wieckowski zufolge findet die Glockenweihe am Sonnabend, 29. Juni, im Dom St. Marien statt und wird auf dem Marktplatz gefeiert. „Los geht es 14 Uhr mit einem Festgottesdienst im Dom, wo wir die Glocken empfangen.“ Vom Domplatz aus werden sie schließlich per Lkw zum Markt transportiert und hier gegen 15 Uhr gesegnet sowie angeschlagen. Danach kommt das Trio zur Wenceslaikirche. „Die neuen Glocken stehen dann zunächst im Garten und sind für jedermann zugänglich. In und um die Kirche gibt es ein fröhliches Treiben.“

Klangpremiere findet zum Weltfriedenstag statt

Der Turmaufzug sei für den 5. Juli geplant und die Klangpremiere der Glocken im Moll-Dreiklang e’-g’-h’ am 1. September zum Weltfriedenstag. Im Zusammenspiel mit den beiden Domglocken in den Tönen d’ und fis kann dann an bestimmten Tagen ein gemeinsames Fünferglockengeläut erklingen.

Zuletzt verwies Pfarrer Wieckowski noch darauf, dass die alten Glocken der Stadtkirche St. Wenceslai keineswegs aus dem Blickfeld verschwinden. Denn die Klangkörper aus Eisenhartguss, die 1919 der Inhaber des Drahtseilwerkes Wurzen Wilhelm Kaniß (1847 – 1927) stiftete, will der ehemalige Unternehmer Matthias Hühn in Zukunft für alle sichtbar auf seinem Betriebsgelände in der Dresdener Straße 64 aufstellen.

Von Kai-Uwe Brandt