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Städtereise Leipzig Fassritt, Faust und Zecherchor: Chronik über 500 Jahre Auerbachs Keller
Reisereporter Städtereise Leipzig Fassritt, Faust und Zecherchor: Chronik über 500 Jahre Auerbachs Keller
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17:55 08.01.2019
Die Chronik wurde von Bernhard und Christine Rothenberger in Auftrag gegeben, von Bernd Weinkauf geschrieben und an den heutigen Wirt René Stoffregen übergeben (von links). Quelle: André Kempner
Leipzig

Nu isse da“, verkündet der Leipziger Autor und Chronist Bernd Weinkauf (75) stolz: Nach vier Jahren Arbeit, ein Jahr länger als geplant, stellte er am Dienstag im historischen Fasskeller die 180 Seiten starke „Chronik von Auerbachs Keller“ vor. Ab sofort kann sie im Lokal selbst, im Buchhandel sowie im Onlinevertrieb erworben werden.

Traditionslokal hat endlich eine Aufarbeitung seiner langen und reichen Geschichte

Aus Ehrfurcht vor der Geschichte

In Auftrag gegeben wurde das Projekt von den vorletzten Wirten Bernhard und Christine Rothenberger. Aus Ehrfurcht vor der Geschichte des Lokals, an der sie selbst zwölf Jahre mitgewirkt haben – bis sie es vor einem Jahr an den neuen Wirt René Stoffregen (46) übergaben. „Es sollte ein wissenschaftlich verlässliches Werk werden, das auch in hundert Jahren noch gültig ist“, sagt Kellerwirt a.D. Bernhard Rothenberger (58). Weinkauf wurde beauftragt, weil er verliebt ist in Auerbachs Keller, weil Goethe sein Steckenpferd ist und weil er vorher schon die Gästebücher ausgewertet hatte. Dass sein neues Buch zugleich „vergnüglich und lesbar ist“, dass Weinkauf „menschlich und liebevoll“ geschrieben hat, betont Markus Unger vom Sax-Verlag.

Archivmaterial und Zeitzeugen

„Suchen und sammeln, was an furchtbar verstreuten Materialien da war“, so beschreibt der Verfasser die mühevolle Detailarbeit. Anfangs hat er sich ein bisschen davor gegraut, weil er zu nichts anderem mehr kommen würde. Im Stadtarchiv und Staatsarchiv, im Universitätsarchiv, in der Deutschen Bücherei und bei privaten Sammlern wurde er fündig. Weinkauf konnte beispielsweise den Enkel des Kofferfabrikanten Anton Mädler befragen, der das Messehaus von 1912 bis 1914 errichten ließ. Oder den Sohn des Gastwirts-Ehepaares Lotte und Alfred Langöhrig, das von 1928 bis 1949 den Keller bewirtschaftete. Ein Zeitzeuge der jüngeren Geschichte ist Fasskellermeister Volker Maaß, der als 20-Jähriger in Auerbachs Keller anfing und heute mit seinen mittlerweile 67 Jahren noch immer 10 bis 15 Fasszeremonien im Monat durchführt. Oder Wirt Ulrich Reinhardt, der nach der Pleite des Kellers 1995 – damals sogar der New York Times einen Bericht wert – den Neustart wagte.

Falscher Faust enttarnt

„Aus Auerbachs Keller ist nie ein Italiener geworden“ erwähnt Weinkauf schmunzelnd. Obwohl zahlreiche italienische Kaufleute und Weinkellerbetreiber in Leipzig ein und aus gingen. Sie kommen in seinen Kapiteln genauso vor wie frühe und spätere Wirte, Fausts Fassritt oder die Verbindung Goethes zu Auerbachs Keller. Weinkauf schreibt über Musiker und den Zecherchor, Gemälde und andere Kunstwerke oder Souvenirs aus dem „Keller“. Er deckt auf, wer wirklich auf einer der ältesten Postkarten „Original aus Auerbachs Keller“ abgebildet ist – nicht Faust, wie auf der Karte steht, sondern Theologe und Universitäts-Rektor Georg Weinrich. Im Goethe-Haus in Weimar fand der Autor eine Handzeichnung von Goethe mit zwei Männern beim Fechten. „Sie stammt aus der Zeit, als Goethe wegen illegalen Fechtens Hausverbot in Auerbachs Keller hatte“, zieht er die Parallele.

Bernd Weinkauf: Chronik von Auerbachs Keller, Sax-Verlag, 180 Seiten, 19,90 Euro

Von Kerstin Decker

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