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Städtereise Leipzig Von Yoko Ono bis zu Impressionisten: Was das Bildermuseum 2019 vorhat
Reisereporter Städtereise Leipzig Von Yoko Ono bis zu Impressionisten: Was das Bildermuseum 2019 vorhat
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18:33 30.01.2019
Die Künstlerinnen des „MalerinnenNetzWerks Berlin-Leipzig“ zeigen ab Februar ihre Arbeiten in Leipzig. Quelle: Enrico Meyer
Leipzig

Mangelnde Umtriebigkeit kann man Alfred Weidinger sicher nicht vorwerfen. Gerade hat der Direktor des Museums der bildenden Künste in Leipzig eine acht Meter lange Barkasse an der Ostsee organisiert. Nun will er das Boot persönlich hertransportieren. „Dafür muss ich allerdings erst mal ein Auto finden, denn das wiegt mehr als zwei Tonnen. Die Gesetze sind in Deutschland etwas strenger als in Österreich“, sagt der 57-Jährige. In Polen hat er 25 Stahlhelme aus dem Zweiten Weltkrieg besorgt. Die Anschaffung nennt Weidinger, ohne ins Detail zu gehen, „eine wilde Geschichte“. Ist der Mann auf Abwege geraten? Nur auf sachdienliche: Der Österreicher steckt mitten in den Vorbereitungen für die Ausstellung „Peace is Power“ von Yoko Ono. Mehrfach wurde sie bereits verschoben. Nun soll sie vom 4. April bis zum 7. Juli stattfinden. „Der Termin ist fix“, sagt der Direktor. Auch falls sie nicht wie geplant zur Eröffnung kommen könne, bleibe es dabei.

Fast täglich kommuniziert er in diesen Wochen per WhatsApp mit der 85-jährigen in New York lebenden Künstlerin. Mit seinem Team setzt er die Ausstellung nach ihren genauen Vorstellungen zusammen. „Wir bekommen einige Unikate aus New York, es ist auch ein Container aus Peking mit sehr großen Originalwerken unterwegs – aber viele Sachen machen wir hier.“ Für die Arbeit „Ex It“ baute eine Leipziger Tischlerei 100 Särge, aus denen dann Bäumchen wachsen sollen. Eine Thüringer Porzellanmanufaktur hat mehrere 100 Tassen angefertigt. Große chinesische Vasen für eine Performance wurden bei Ebay ersteigert. „So sind wir dabei, Werk für Werk zu entwickeln“, sagt Weidinger.

„Eigentlich ist Yoko Ono eine Schriftstellerin“

Groß sei der Anteil der Arbeiten, bei denen die Besucher mit einbezogen werden. Fast das gesamte dritte Obergeschoss im Museum soll bespielt werden, dazu zwei Terrassen, alle drei Höfe, auch der Stadtraum ist Teil der Ausstellung mit den „Word Pieces“, die bereits auf hunderten CityLight-Stelen zu sehen waren. Yoko Onos Werk sei sehr poetisch, meint Weidinger. „Eigentlich ist sie eine Schriftstellerin, ihr ganzes Werk ist wie eine Aphorismensammlung.“

Die Ausstellung der New Yorkerin, die eben nicht nur die Witwe von John Lennon ist und die Frau, die die Beatles auseinandergebracht hat (eine Legende, die Paul McCartney vor einigen Jahren endgültig abräumte), dürfte in diesem Jahr die größte überregionale Ausstrahlung haben. Aber sicher ist das nicht, auch weil der Museumsdirektor sein Programm nicht vollends festlegen will. Man brauche eine gewisse Flexibilität, etwa wenn es kurzfristig die Gelegenheit gebe, eine interessante Ausstellung für wenig Geld zu bekommen. So bleiben Bewegungen möglich, sind einige Vorhaben noch nicht genau terminiert. Wie „Link in Bio“, das Nachfolgeprojekt zur mit bundesweiter Aufmerksamkeit verfolgten Schau „Virtual Normality. Netzkünstlerinnen 2.0“, wieder kuratiert von Anika Meier. Gezeigt werden soll anhand von über 50 Arbeiten, wie sich Produktion und Rezeption von Kunst in Zeiten sozialer Medien verändert haben.

MalerinnenNetzwerk: Verstärker mit starkem Hall

Fest im Plan fixiert ist „Voix“, eine Ausstellung mit den 28 Künstlerinnen des „MalerinnenNetzWerks Berlin-Leipzig“ (20. Februar bis 7. April), die die Position jeder einzelnen Künstlerin in den Fokus nehmen soll. Alle haben sie sich dem Medium Malerei verschrieben, zu sehen im kompletten Untergeschoss sind aber auch Zeichnung, Installation, Skulptur, Objekte und räumliche Interventionen. 2015 war das Netzwerk gegründet worden, als Plattform für zeitgenössische Malerei mit dem Ziel, die Sichtbarkeit von Künstlerinnen und den Austausch untereinander zu fördern. Ein Verstärker mit starkem Hall 2019 im Museum.

„Point of No Return“ (19. Juli bis 3. November) ist die Schau zur Wende vor 30 Jahren, sie soll aber weiter zurück greifen und tief gehen: „Es geht um Risse in der Mauer, die schon da waren, als von der Wende noch nichts zu spüren war“, erklärt Weidinger. „Und dann kam sie, und wir fragen, wie sich das im Schaffen der Künstler auswirkte. „Das ist ein Aufschrei, da ist viel Schmerz in dieser Ausstellung. Viele Künstler zeigen in der Schau Werke, die sie noch nie ausgestellt haben, weil sie selbst ein Problem damit hatten.“ Vertreten sind unter anderem Roland Borchers, Hartwig Ebersbach, Moritz Götze, Hans-Hendrik Grimmling, Oskar Manigk, Wolfgang Mattheuer, Via Lewandowsky, Wolfgang Peuker, Neo Rauch, Einar Schleef, Cornelia Schleime, Werner Tübke, Norbert Wagenbrett und Doris Ziegler.

Impressionismus in Leipzig

Nach verschiedenen weiteren Einzelausstellungen sind ab Mitte November der Leipziger Bauhauskünstler Karl Hermann Trinkaus und der Maler Michael Riedel zu sehen. Eröffnet wird außerdem eine Schau über den Impressionismus in Leipzig – „Corinth, Liebermann, Slevogt“. Erstmals rekonstruiert werden dafür historische Ausstellungen dieser Künstler in der aufstrebenden Messestadt. Umfassend veranschaulicht werden soll Leipzigs Aufbruch in die Moderne. Wenig später ist dann die Ausstellung des neuen LVZ-Kunstpreisträgers zu sehen. Er oder sie muss allerdings noch ermittelt werden.

Gut 122 000 Besucher kamen 2018 ins Museum, so viele wie im Jahr zuvor, obwohl mit Yoko Ono eine voraussichtlich besucherstarke Ausstellung verschoben werden musste. Weidinger: „Ich bin damit sehr zufrieden. Wir haben umgestellt, neue Formate ausprobiert, konnten auch den Ertrag für die Stadt Leipzig steigern.“

Was vielleicht nicht nur aus finanzieller Perspektive so gesehen werden darf.

Von Jürgen Kleindienst

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