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Genuss & Leben London zeigt Geschmack
Sonntag Genuss & Leben London zeigt Geschmack
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00:30 11.02.2017
Mehr als Fish and Chips: die britische Küche. Quelle: iStockphoto
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London.

Berge von frischem, farbenfrohem Essen fallen als Erstes ins Auge. Die Präsentation erinnert unweigerlich an Märkte in Jerusalem, Beirut oder Marrakesch, wo aufwendig aufgetürmte Waren die Kunden zum Staunen verleiten. Doch hier ist man nicht in einem fernöstlichen Suk, sondern in einem der Londoner Lokale des Israelis Yotam Ottolenghi.

Gebratener Kürbis, angerichtet mit Rosenkohl und Pistazien. Leuchtender Rotkohl, Karotten und Rote Bete, verfeinert mit Pekannuss, Ingwer, Orangen und getrockneten Preiselbeeren. Auf großen Platten erstreckt sich ein Farbenmeer vor dem Weiß des Delis im Stadtteil Islington. Ottolenghi gehört zur Riege der Kochstars und das sowohl im Königreich als auch in ganz Europa. Seine Fans schwärmen von seiner Küche als „gesund, frisch, anders“.

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In Ländern wie Deutschland wird er für seine Kochbücher gefeiert. „Die Menschen kannten diese Art von Essen hier in Europa nicht“, erklärte Ottolenghi einmal. „Und plötzlich hat sich eine neue Welt für sie eröffnet mit einer Reihe von Zutaten, die ihnen unbekannt waren.“ Kardamom, Koriander, Zatar: Der Geschmack des östlichen Mittelmeerraums hat an Ansehen und Anerkennung gewonnen.

Das kosmopolitische London bedient Geschmäcker aus aller Welt, das Angebot scheint unendlich. Während dagegen die britische Küche lange Zeit dahinsiechte, änderte sich auch das Ende der Achtzigerjahre langsam, aber stetig. Sterneköche wie der in England arbeitende Franzose Michel Roux sorgten für Aufsehen, viele weitere sollten folgen. Dann startete der Pionier der gesunden Küche, Jamie Oliver, seinen Feldzug gegen fettige Fish and Chips und schwer verdauliche Pies hin zu einfachen Gerichten mit frischen Zutaten und Kräutern. Damit hat der Fernsehstar alte Vorurteile beiseitegewischt und der kulinarischen Wüste Großbritannien wieder Leben eingehaucht. Oliver, der es zu einer Weltmarke gebracht hat, meinte einmal: „Mein Wunsch ist es, eine starke, nachhaltige Bewegung zu schaffen, um jedes Kind über Essen aufzuklären, Familien wieder zum Kochen zu inspirieren und Menschen im Kampf gegen Fettleibigkeit zu bestärken.“

Mittelmeerküche mit einem Hauch von Orient. Quelle: GETTY IMAGES

Die Revolution setzte an vielen Ecken an. Und weil der Ruf der britischen Küche über Jahrzehnte so schlecht war, gab es reichlich Luft nach oben. Spitzenköche wie Heston Blumenthal oder Gordon Ramsay bereichern nicht nur die Restaurantszene auf der Insel, sondern haben auch den britischen Hobbyköchen gezeigt, dass es auf qualitativ hochwertige Produkte und Kombinationsfreude ankommt. Und zugleich bei Foodies aus der ganzen Welt Werbung für das Königreich gemacht. Nigella Lawson, die „Göttin der Häuslichkeit“, überzeugte mit ihren Büchern und Fernsehshows die Briten, dass diese dank selbst gemachten Muffins und sinnlichen Desserts ein scheinbar perfektes Familienleben kreieren können.

Dabei gehört sie bereits zum Küchen-Establishment. Eine neue Generation hat übernommen. Bloggerinnen und Kochbuchautorinnen wie Ella Woodward, Jasmine und Melissa Hemsley oder Amelia Freer werben für ausgewogene Ernährung und einen gesunden Lebensstil. Der Erfolg ihrer Rezepte ist immens. Als die „queens of greens“ (Königinnen des Grünzeugs) adelte sie etwa der „Guardian“. Und schon lange drängen sich in London Saftbars und vegetarische Lokale in die Fast-Food-Szene.

Doch nicht nur, dass inner- und außerhalb der Metropole die internationale Küche so lebendig ist wie nie zuvor. Selbst die britischste aller britischen Institutionen, der Pub, hat seit den Neunzigerjahren eine Kehrtwende eingeleitet. Der Boom der Gastropubs, wo zwar traditionell, aber anspruchsvoll gekocht wird, hält unvermindert an. Manche dieser gar nicht mehr so schlichten Gaststätten wurde gar schon vom Guide Michelin ausgezeichnet.

Amateure und Sterneköche, Blogger und Kochbuchautoren – sie haben eine leise Revolution des Kulinarischen ausgelöst, die unaufhaltsam scheint. Großbritanniens Küche ist fantasievoll und vielfältig geworden. Da kann in Ausnahmefällen dann sogar die berühmt-berüchtigte Minzsoße schmecken.

Von Katrin Pribyl

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