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Sehen “Luke Cage“ und mehr DVD-Tipps
Sonntag Tipps & Kritik Sehen “Luke Cage“ und mehr DVD-Tipps
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19:52 05.01.2018
Quelle: iStockphoto
Hannover


Club der Roten Bänder – Staffel 3: Nun ja, am Ende der dritten und letzten Staffel der Krankenhausserie bilden die Zuschauer dann ihren eigenen Verein, den “Club der roten Augenränder“. Alles endet erwartet traurig, wenngleich mit dem Trost, dass in der Welt von Leo (Tim Oliver Schultz), Emma (Luise Befort) und Hugo (Nick Julius Schulz) Treffen nach dem Tode möglich sind, dass Mitglieder der “Roten Bänder“-Society sich in einer Zwischenwelt sehen und sprechen können, und dass der “Club“ eine Zukunft hat.

Magischer Realismus, muckelige “Fünf Freunde“-Romantik und betrübliche Krankenhauswirklichkeit werden ein letztes Mal ganz kunstfertig miteinander verwoben. Für Leo (Tim Oliver Schulz), den Anführer des Clubs, geht es auf eine letzte Reise ins Glück, und der autistische Tini (Ivo Kortlang) kommt mit der Liebe in Berührung. Und das alles ganz ohne Kitsch.

Club der roten Bänder, Staffel 3 Quelle: Universum

Luke Cage – Staffel 1: Luke Cage liest Ralph Ellisons Roman “Invisible Man“, den National-Book-Award-Gewinner von 1953 über einen schwarzen Mann, der sich unsichtbar fühlt aufgrund seiner Hautfarbe. Es geht ihm irgendwie selbst so: Luke Cage ist ein Mann, der unsichtbar sein möchte, der nach einem “Vorfall“ Superkräfte hat, dessen Haut selbst Kugeln standhält, der aber ein dickes Paket Tragödie mit sich herumschleppt und ein kleines, stilles unbehelligtes Leben in Harlem führen möchte.

Tagsüber fegt er Haare im Salon von Pop, dem Jedi der Frisierstühle, dem Weisen des Viertels, der ihm rät rauszugehen und mit seinen Fähigkeiten Gutes anzustellen. Und abends steht er an der Bar des Clubbesitzers und Gangsters Cottonmouth, der nach einem tödlich missglückten Waffendeal auf einen Rachefeldzug geht. Genug Stoff für jede Menge neue Tragik, die den Helden schließlich aus der Unsichtbarkeit zwingt.

Serienschöpfer Cheo Hodari Coker und Regisseure wie Paul Mc Guigan erschaffen eine recht eindrucksvolle Marvel-Comicserie. Der Realismus ist ähnlich stark ausgeprägt wie der in der (noch einen Tick besseren) “Jessica Jones“-Reihe und verwoben mit einem dezenten, glühenden Comc-Flair: Bei Tage ist das Harlem dieser Serie nüchtern und heutig, nachts ist es düster und glamourös wie einst in der R-&-B-Ära. Schauspieler wie Frankie Faison (Pop), Simone Missick (Detective Misty Knight) und Mahershala Ali als sadistisch-vipernhafter Cottonmouth bringen reichlich Atmosphäre in dieses Superhelden-Crimedrama, dessen Innenräume zuweilen doch die Budgetgrenzen der Serie aufzeigen.

Aber der charismatische Mike Coulter, bekannt als Drogenbaron Lemond Bishop aus “The Good Wife“, macht die Serie als einsilbiger, verschlossener Titelheld “marvelous“. Dazu kommen ein eleganter Schnitt, ansprechende Dialoge in einem feinen Rhythmus und ein cooler Soundtrack aus Soul und Hip Hop. In diesem Harlem, wo bestechliche Politikerinnen den Slogan “black lives matter“ korrumpieren, und wo die Messlatte für Comicverfilmungen jetzt hängt, würde man am Ende der 13 Folgen gern verbleiben. Und die Zeiten von Ralph Ellisons “Invisible Man“ nähern sich dem Ende.

Luke Cage, Staffel 1 Quelle: Marvel/Disney/Netflix

Grace and Frankie, Staffel 1: Das wahre Leben ist keine Happy-go-Lucky-Show, für die Spezies Mensch ist Freundschaft ein Ausnahmeprinzip. Vor allem nach Hochzeiten nehmen jahre- und jahrzehntelange Freundschaften oft traurige Wendungen, weil der Ehemann/die Ehefrau Probleme mit Freund/Freundin oder dessen/deren Partner hat. Nicht so bei Robert (Martin Sheen) und Sol (Sam Waterston), deren Frauen Grace (Jane Fonda) und Frankie (Lily Tomlin) einander nicht aufs Fell schauen können, sich aber mit dem Unglück unverbrüchlicher Männerfreundschaft arrangieren mussten.

Wie tief das bei Sol und Robert geht, erfahren sie, als die beiden, verkünden sich scheiden lassen zu wollen, um einander heiraten zu können. Jetzt stehen die beiden Golden Girls vor den Trümmern ihrer Existenz, raufen sich zusammen, um dem Alter einen erigierten Mittelfinger zu zeigen. Etwas Besseres als den Tod, so hat mans von den Bremer Stadtmusikanten gelernt, wird schon noch zu finden sein. Es hat lange gedauert, bis diese höchst vergnügliche Netflix-Serie den Sprung in die Konserve geschafft hat, die Streamingdienste neigen immer mehr dazu, zunächst das Streaming-Potenzial ihrer Produkte auszuschöpfen, bevor es an die Vermarktung als Konserve geht.

Unbesehen vom eigenen Alter des Zuschauers ist diese Komödie über Seventysomethings, über die Phase, in der man angstvoll die nächste des betreuten Wohnens auszublenden versucht, eine der besten, die Hollywood in den letzten zehn Jahren hervorgebracht hat. Unbedingt ansehen, Grace und Frankie sind in der dramatischsten Zeit ihres Lebens, wo sie von Männern zugunsten jüngerer Frauen übersehen werden, absolute Hingucker!

Grace & Frankie Quelle: Netflix/Sony

47 Meters Down: Mit Lisa (Mandy Moore) ist das Leben langweilig. Eine Nummer-Sicher-Frau, immer alles unter Kontrolle. Findet ihr Boyfriend Stuart und gibt ihr den Laufpass. Mit ihrer Schwester Kate (Claire Holt) will sie sich mit einem Mexiko-Urlaub zerstreuen. Meer, Pool, Drinks, Gespräche, Spaß. Bei einem Abend in der Stadt lernen die beiden ein paar Jungs kennen, die Touristen im Tauchkäfig unter Wasser bringen, umgeben von Fischen, auch den ganz großen mit den nachwachsenden Zahnreihen. Genau das Richtige, um sich abzulenken, ein wenig aus sich herauszugehen, befindet Claire.

Dann ist das Boot aber nur eine rostige Wanne und der Käfig sieht aus wie der historische erste Löwenbehälter des Zirkus Krone. Mit einem Eimer Blut werden die Haie angelockt, dann geht die Sache schief, flutscht der Käfig vom ebenfalls rostigen Haken und “47 Meters Down“ sind die jungen Frauen in der klaustrophobischen Situation, die man schon aus Steven Spielbergs Klassiker “Der weiße Hai“ kennt: Sie sind Fischhäppchen für Haie, die lange nichts gefressen zu haben scheinen, und sich zu helfen wissen, während der Sauerstoff in den Flaschen weniger wird.

Das Geheimnis des Grauens: Der Hai kann überall sein, das Meer ist ein dunkles Universum, the big blue, keines der Augen, die in der Finsternis auf die jungen Frauen gerichtet sind, ist ihnen freundlich gesinnt. Regisseur Johannes Roberts verlässt sich auf den Schrecken der Tiefe, seine beiden Darstellerinnen machen das Beste aus ihren eher schmalen Charakteren, vor allem Mandy Moore.

47 Meters Down Quelle: Verleih

Terminator 2 – Judgement Day: Endzeit ist die schönste Zeit für Filmfans. Auf den düsteren ersten “Terminator“, dessen Tricktechnik noch ein wenig zu wünschen übrig ließ, folgte sieben Jahre danach ein Zweiter, dem der Nimbus des B-Movies völlig abging. “Terminator 2 – Judgement Day“ war 1991 absolut auf der Höhe der Zeit, brachte spektakuläre CGI-Effekte und war der Gipfel der Karriere Arnold Schwarzeneggers. Der kehrte zehn Handlungsjahre später als umgepolter Terminator aus der Zukunft zurück. Diesmal schickte ihn der Widerstand, er soll deren späteren Anführer John Connor als Kind vor dem Zugriff eines neuen Terminator-Modells schützen, einer Flüssigmetallkonstruktion, für die es keine Barrieren mehr gibt und die quasi unbesiegbar ist.

Die neue Ausgabe enthält drei Versionen des Films (Kinoschnitt, Director’s Cut, Extended Special Edition), die Kinoversion wurde in 4K restauriert und in 3-D konvertiert – überwacht von Regisseur James Cameron selbst, der jetzt daran denkt, sein Franchise wiederzubeleben mit einem dritten, selbst gedrehten “Terminator“-Film, dessen Zeitlinie die schwächeren Fortsetzungen seither “auslöscht“.

Terminator 2“ noch einmal in solcher Bild- und Soundbrillanz zu erleben, ist ein Vergnügen. Wer ihn noch nicht im Regal hat, erlebt einen Film, der auch 26 Jahre später noch alle Versprechen hält: Ein ungemein spannendes Science-fiction-Abenteuer, das unterschwellig Kritik übt an der ewigen, unbedachten Schöpferlaune der Spezies Mensch und dessen Effekte noch heute Eindruck schinden statt lächerlich zu wirken. Man darf gespannt sein, was Cameron mit dem alten T-800-Modell noch so vorhat.

Terminator 2 – Judgement Day Quelle: Studiocanal

In Zeiten des abnehmenden Lichts: Damit niemand sich totstellen konnte, um zu fliehen, schlug ein russischer Soldat den in Reihe gelegten deutschen Kriegsgefangenenleichen den Schädel ein. Das ist die letzte und garstigste der garstigen Geschichten, die am Abend des 90. Geburtstag des SED-Bonzen Wilhelm Powileit (Bruno Ganz) angesprochen werden. Es ist 1989 - das finale Jahr der DDR, des sozialistischendeutschen Staats hat begonnen.

Powileit äußert sich sarkastisch über die geschenkten Blumensträuße (“Bringt das Gemüse zum Friedhof“), schmiegt sich der drallen Haushälterin (Gabriela M. Schmeide) gern mal heimlich an den schweren Busen und fürchtet, von seiner verhärmten Frau Charlotte (Hildegard Schmahl), die sich längst ein anderes Leben wünscht, vergiftet zu werden. Der große Bruno Ganz spielt gewohnt souverän den hartgesottenen alten Stalinisten, der keinerlei Verständnis für die westwendischen Zeitgenossen seiner Gegenwart hat. Also versucht man seinem Powileit die soeben erfolgte Republikflucht des Enkels Sascha zu verschweigen. Was natürlich nicht gelingt.

Matti Geschonnecks “In Zeiten des abnehmenden Lichts“ nach dem Roman von Eugen Ruge ist ein nebulöses Kammerspiel voller Leichenbittermienen, in dem man gerne mehr erfahren hätte über die Hintergründe der ganzes Hass- und Verachtungsbeziehungen. Ein zartes Unbehagen beschleicht den Betrachter dennoch, man kann nachvollziehen, wie sich etwas Unbegreifliches wie ein Staatsuntergang für die anfühlen muss, die fürchten mit unterzugehen.

In Zeiten des abnehmenden Lichts Quelle: Warner/X-Verleih

The Expanse – Staffel 1: Die Zukunft ist zwar nicht schön, aber es gibt wenigstens eine, dazu Streichhölzer und Kaffee – das ist schon mal beruhigend. Der Rest nicht so: Mars (ein Militärregiment hat sich dort etabliert) und Erde (wird von den Vereinten Nationen geführt) sind im 24. Jahrhundert der Serie “The Expanse“ konkurrierende Planeten auf der Kippe zum Krieg. Beide Mächte beuten die Ressourcen des Asteroidengürtels aus, in der dortigen Menschenkolonie formiert sich der radikale Widerstand der “Gürtler“.

Zwei Helden hat “The Expanse“: Den Ermittler Joe Miller (Thomas Jane), der im “Gürtel“ eine verschwundene Frau namens Julie sucht. Und einen Astronauten namens James Holden (Steven Strait – es bestehen Ähnlichkeiten zu Jon Schnee aus “Game of Thrones“ bis hin zum Synchronsprecher). Letzterer lenkt das Raumschiff Canterbury unerlaubt einem Notruf hinterher, was eine Katastrophe zur Folge hat, dann aber beide Figuren auf die Spur einer unglaublichen Verschwörung führt.

Der relative Realismus der Serie, orientiert an Genreklassikern wie “Alien“ und “Blade Runner“, bindet den Zuschauer ebenso an den Bildschirm, wie die guten darstellerischen Leistungen. Das dunkle Fazit dieser überaus sehenswerten Science-Fiction-Serie: Wir ändern uns nie, wir bleiben beim Klassendenken und allen vermeintlich unmenschlichen, vermutlich menschlichen Verhaltensweisen, und wir kommen immer wieder durch. Aber das wussten wir ja schon.

The Expanse, Staffel 1 Quelle: Universal

Springflut – Staffel 1: Der Mord wurde nie aufgeklärt. Eine Frau ertrinkt, bis zum Hals im Sand des Strandes vergraben. Eine Polizeischülerin (Julia Ragnarsson) wird zu Übungszwecken auf den Fall angesetzt, nimmt den Auftrag nicht nur als kleine Hausaufgabe für die Semesterferien, sondern reist auf die Insel Nordkoster und wirbelt dort jede Menge giftigen Staub auf.

Die übliche Mauer des Schweigens wird gebaut, viele Blicke lassen auf Wissen schließen, mancher gar auf Schuld. Olivia Rönnings verstorbener Vater war einst bis an den Rand der Obsession an den Untersuchungen beteiligt, der damalige Chefermittler Tom Stilton (Kjell Bergqvist) ist nur schwer aufzutreiben. Er lebt auf der Straße, ist ins Visier von Jugendlichen geraten, die Obdachlose misshandeln und die Videos ins Internet stellen.

Das Drehbuch zu dieser ersten Verfilmung eines Rönning/Stilton-Romans schrieben die Autoren Rolf und Cilla Börjlind selbst. Wie so oft in skandinavischen Krimiserien sind es die Tiefenschärfe der versammelten Figuren und die Echtheit der Dialoge, die einen an die Serie binden. Mögen auch mehr Farben in den Bildern glühen als in Serien wie “Die Brücke“ oder “Das Verbrechen“, die moralische Finsternis, die hier konstatiert wird, ist ähnlich bedrückend und pessimistisch. Die Gesellschaft ist durch alle Klassen verworfen, der Mensch ist und bleibt dem Menschen ein Wolf.

Springflut, Staffel 1 Quelle: Edel

Girls –sechste Staffel: Wenn Hannah sich aus dem fremden, falschen Neopren-Anzug rauswurstet und ihre Brüste in die Surfersonne fallen, weil sie nicht wusste, dass man einen Bikini drunterzieht, schämt man sich erst fremd, und dann – wie immer – für sich selbst, seinen üblen Sexismus, den man fern von sich wähnte, und seiner geheimen Doppelstrategie, Hannah alles Gute zu wünschen und sich über jeden Reinfall zu amüsieren.

Die Vier von “Girls“ gehen unter Führung von Serienschöpferin Lena Dunham als Hannah in die sechste und letzte Runde neurotischer Versagensanhäufungen bei radikaler Egozentrik (alles was passiert, wird umgehend auf sich selbst bezogen). Hannah, Marnie, Jessa und Shoshannah leben dabei auf verschiedene Leben zu, sagen einander (Ausnahme:Marnie und Hannah) auf unterschiedlich nette Arten Lebwohl, und wir Zuschauer dürfen uns noch einmal an ihrem vergnüglich-banalen Blabla erfreuen. New York ist hier zwar auch die Stadt, die nie schläft aber nicht minder – wie die schwangere, umzugswillige Hannah in der vorletzten Episode verkündet – die Stadt, in der Leute einfach so auf die Straße defäkieren.

“Du hast mit deiner Gebärmutter keinen Vertrag unterschrieben, dass du in einen Freizeitpark kannst“, bescheidet die resolute Mutter ihrer Tochter, die inzwischen entbunden hat und mit den Nerven zu Fuß geht, in der allerletzten Folge, in der alles gut wird, jedenfalls so gut wie möglich. Pfui Deibel, werden wir diese weibliche Gegensause zu Woody Allens liebenswert schiefen Mannsbildern vermissen.

Girls, Staffel 6 Quelle: Warner/HBO

DC Universe 10th Anniversary Collection: Der Trickfilm war lange Zeit die beste Bühne für Superhelden. Er stand ihrem eigentlichen Medium, dem Comic, näher und die Posen sahen deutlich besser aus als die in den Real-Life-Filmen, wo Superman (Christopher Reeve) immer wirkte wie ein alberner Mann im blauroten Strampelanzug, der Flugfähigkeit vorgaukelt. Das hat sich geändert. Während der Konkurrent Marvel bei den computergestützten Kinofilmen derzeit die Nase eindeutig vorn hat, hat es der Konkurrent DC in Sachen der weniger beachteten Trick-Spielfilme (sie werden nur als Videos vermarktet) in den vergangenen zehn Jahren zur Meisterschaft gebracht.

In der Jubiläumsbox sind 19 Filme enthalten, in denen die DC-Trickser coole Geschichten (vornehmlich) über Batman, Superman und die Justice League erzählen. Darunter sind Klassiker wie der zweiteilige “Die Rückkehr des dunklen Ritters“, einer Story mit einem ziemlich grimmigen, späten Batman (der auf der Graphic Novel von Frank Miller gründet). Jeder der hervorragend animierten Filme ist ein größeres Vergnügen als Zack Snyders Kino-Holterdipolter “Justice League“, dessen mit Action aufgeblasene Leere den Zuschauer schon früh aus der Illusion wirft, so dass er das Gefühl hat, einem Erwachsenenfasching beizuwohnen.

Weit besser als die deutsche Version der Box ist allerdings die opulente amerikanische geraten, in der sich stolze 30 Filme befinden, darunter der düstere “Superman: Doomsday“ (nach dem Comic “Supermans Tod“ von Dan Jurgens).

DC Universe 10th Anniversary Collection Quelle: Warner/DC

Gilmore Girls – Ein neues Jahr: Mein Gott, Rory ist 32! Naja, sie sieht so jung aus, dass man ihr an deutschen Metzgertheken immer noch ein Stück Fleischwurst zum Gratisschnuckern rüberschieben würde. Indes arbeitet sie in London, ist sehr geschäftig, und kann nur für kurz im Winter von Stars Hollow vorbeischauen. Auch Lorelai ist fast zehn Jahre älter, aber noch hübsch wie in der letzten regulären Staffel unserer liebsten Seifenoper „Gilmore Girls“. Sie ist jetzt doch mit Luke zusammen, den wir sowieso die meiste Zeit über für ihren Mr. Right hielten und führt mit ihm das Dragonfly Inn. Eigentlich ist es für sich betrachtet angenehm genug, wieder mal in das muckelige Vorzeigestädtchen reinzuschauen, so dass man noch nicht einmal Handlung bräuchte.

Nach einer Weile aber reicht uns das nicht mehr, nach einer kurzen Zeit der Wiedersehensfreude erkennt man, dass sich die Neuauflage zur alten Serie verhält wie die Schimanski-“Tatorte“ zu der späteren “Schimanski“-Serie. Was einst richtig und geradeaus war, erscheint jetzt aufgesetzt und schief. Dieses Revival verdankt sich nichts anderem als dem Gefühl einiger Leute, es sei Zeit für ein Revival. Auch wenn die meisten der alten Helden wieder an Bord sind, sogar die zwischenzeitlich zum Kinostar avancierte Melissa McCarthy als Sookie, wird der Ärger über den laxen Umgang mit den geliebten Charakteren von Jahreszeit zu Jahreszeit größer (die Miniserie ist in vier 85-Minüter aufgeteilt). Und am Ende des Herbstes gibt es dann doch noch einen herben Cliffhanger, der einen auf das nächste neue Jahr gespannt machen soll.

Gilmore Girls – Ein neues Jahr Quelle: Warner

Du neben mir: Das Leiden ist selten, der Leidende ein Verdammter. Jede Sekunde vor der Tür kann für die 18-jährige Maddy den Tod bedeuten, ihr kompliziert schwaches Immunsystem wehrt keinen noch so harmlosen mikroskopisch kleinen Eindringling ab. So lebt die Tochter einer wohlhabenden Ärztin in einer keimdichten Sphäre, in einer tollen Wohnung voller Einsamkeit. In den neuen Nachbarjungen Olly verliebt sie sich dann aber via Fensterblick, er besucht sie heimlich, sie verlässt wegen ihm ihr Habitat – erst nur kurz, dann für einen Ad-hoc-Urlaub in Hawaii. Stella Meghie hat den Jugendroman “Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt“ mit vielen charmanten Einfällen verfilmt. Maddys Krankheit wird mit einer Trickfilmsequenz visualisiert, die Online-Chats der beiden werden in Maddys Architekturmodell eines Diners verlegt.

Die beiden Hauptdarsteller Amandla Stenberg (sie war die kleine Ru in “Die Tribute von Panem“) und Nick Robinson (“Kings of Summer“) sind zwar zu attraktiv, um wahr zu sein, spielen sich aber recht schnell ins Herz aller Romantiker. Junge Zuschauer werden das Risiko dieses Ausbruchs eher bejahen, Maddy zugestehen,einmal richtig Spaß haben zu dürfen und koste es das Leben. Ältere Zuschauer dürften Olly, der Maddy die Reise nicht ausgeredet hat, dagegen für ein wenig zu bedenkenlos halten. Das Ende will das Schicksal nicht wieder einen miesen Verräter sein lassen, den Zuschauer aber auch nicht mit medizinischen Wundern übers Ohr hauen. Der Ausweg ist überraschend und durchaus akzeptabel.

Du neben mir Quelle: Warner

Von Matthias Halbig

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