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News Chaos nach Hoffenheim-Spiel: RB-Leipzig-Fans stecken fest
Sportbuzzer RB Leipzig News Chaos nach Hoffenheim-Spiel: RB-Leipzig-Fans stecken fest
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17:50 30.01.2017
Samstag, 17.32 Uhr: In der Red-Bull-Arena kommt es oberhalb des Gästeblocks zum Massengedränge unter den RB-Fans. Quelle: Robert Nößler
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Leipzig

Dicht an dicht stehen hunderte Fans eingequetscht zwischen Imbissbuden und Toiletten. Sie drängen in Richtung Ausgang, doch vorwärts geht es nur zentimeterweise. Fast eine Viertelstunde lang haben am Samstag viele Besucher des Bundesliga-Topspiels RB Leipzig gegen die TSG Hoffenheim in einem Massengedränge festgesteckt, darunter auch Familien mit Kindern. Der einzige Ausgang war komplett verstopft, wie LVZ.de etwa 15 Minuten nach Schlusspfiff mit einem Foto dokumentierte.

Zu dem Stau gegen 17.30 Uhr kam es im Sektor C in einem Bereich des Oberrangs, der normalerweise für die Gästefans vorgesehen ist. Da an die TSG Hoffenheim jedoch statt der verfügbaren 4000 Tickets nur 1200 Karten verkauft wurden, öffnete RB die Blöcke 50 bis 53 für seine Heimfans. Der Zugang und Ausgang dieses Bereichs der Gegengerade war vom Unterrang nur über eine einzige schmale Treppe möglich – genau hier staute sich der Zuschauerstrom.

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700 zusätzliche Fans führten zu Problem

Wieso kommt es zu so einem Mega-Stau? Und was wäre im Fall einer Panik passiert? LVZ.de fragte bei RB nach. Durch die zusätzliche Freigabe der Tickets hätten sich rund 700 Heimzuschauer im betroffenen Oberrang von Sektor C befunden, hieß es am Montag. Da diese das Stadion aber nicht über den Gästeblock verlassen durften – Stichwort Fantrennung – drängten sie mit tausenden anderen Fans nach draußen. Dadurch sei es zu einer „erhöhten Wartezeit“ gekommen, wie RB das Gedränge umschrieb. Nur im Falle einer Notlage wäre auch die zweite Treppe an der Nordseite zum Gästeblock geöffnet worden, so der Verein.

39.633 Zuschauer kamen offiziell gegen Hoffenheim in die Red-Bull-Arena. Viele Plätze beim Topspiel waren jedoch aufgrund daheimgebliebener Dauerkartenbesitzer leer. Quelle: Robert Nößler

Das Stadion war am Samstag mit 39.633 Besuchern nicht ausverkauft, erst zum zweiten Mal in dieser Saison nach dem Augsburg-Spiel. Viele Plätze waren zudem durch daheimgebliebene Dauerkartenbesitzer leer, die Situation also entspannter als bei anderen Topspielen. Bei weiteren Heimpartien in der Rückrunde mit wenig Gästefan-Potenzial – Wolfsburg, Darmstadt oder Ingolstadt – könnte es erneut zu solchen Situationen im Oberrang kommen. RB will den Fall vom Samstag daher nun analysieren. Als mögliche Lösung werde darüber nachgedacht, die Fans im Block nach Abpfiff warten zu lassen, so dass kein Gedränge entsteht, hieß es.

Immer wieder Staus an Eingängen, Imbissen und Toiletten

Schlangen und lange Wartezeiten bei RB-Heimspielen sind nach den Erfahrungen vieler Fans nichts Neues. Ob an Toiletten, Imbissständen oder Einlässen – überall kommt es zu teils erheblichen Staus. Vom Anstehen bis zu 20 Minuten vor den Männertoiletten im Sektor C wird berichtet, nicht nur in der Halbzeitpause. Vor den Stadioneingängen war auch am Samstag wieder zu beobachten, wie sich eine halbe Stunde vor Spielbeginn große Menschentrauben bildeten. Erneut verpassten zahlreiche Fans den Anstoß, da sie nicht rechtzeitig ins Stadion kamen.

Samstag, 15.20 Uhr: Stau am Einlass zum Sektor C. Fast alle, die hier noch anstehen, werden den Anpfiff verpassen. Quelle: Robert Nößler

RB weist darauf hin, dass die Einlasskontrollen seit geraumer Zeit aufgrund der „allgemeinen Gefährdungslage“ intensiviert worden seien. Es wird daher fast schon gebetsmühlenartig empfohlen, mehr Zeit einzuplanen und frühzeitig anzureisen. Zusätzliches Sicherheitspersonal steht offenbar nicht zur Debatte. Am Samstag hätten nach Vereinsangaben noch zusätzliche Staus auf der A 38 und A 9 dazu geführt, dass viele Zuschauer später als sonst am Stadion eintrafen, heißt es. Zu Verzögerungen führt regelmäßig auch der Scan der ausgedruckten Tickets an Drehkreuzen. Nur teilweise sind Mitarbeiter mit Handscannern im Einsatz. Auch hier werde permanent ausgewertet, wie man den Stadionbesuch für die Fans optimieren könne. „Es ist unsere erste Bundesliga-Saison. Da schauen wir von Spiel zu Spiel, was noch verbessert werden kann“, erklärte ein Sprecher.

Auch mit Blick auf den geplanten Stadionausbau auf 55.000 Zuschauer – der in der Fanszene grundsätzlich auf ein positives Echo stößt – fragen sich viele Anhänger, wie die Besucherströme in Zukunft bewältigt werden. Zusätzliche Brücken vom Oberrang zur Stadion-Außenseite könnten eine Lösung sein. Offiziell will sich bei RB mit Verweis auf die noch laufende Bauvoranfrage im Rathaus zu solchen Planspielen niemand äußern.

Nach offiziellen Angaben sollen derzeit zehn Minuten ausreichen, um das gesamte Stadion mit rund 42.500 Besuchern zu evakuieren. Angesichts der Bilder vom Samstag darf das in der Praxis zumindest angezweifelt werden.

Von Robert Nößler