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Sportbuzzer RB Leipzig News Rangers-Fans ziehen vom Markt zum Stadion - Schotten begrabschen Bordpersonal
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21:29 15.01.2017
Glasgow-Fans in der Jahnallee.
Glasgow-Fans in der Jahnallee. Quelle: Dirk Knofe
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Leipzig

Schnee, Kälte, weite Anreise: Diese schottischen Fans kann nichts bremsen. Schon seit Freitag beleben die Anhänger des Glasgower Vereins Rangers F.C. das Bild in der Innenstadt. Beim Wintergrillen auf dem Markt waren sie am Sonnabend dabei, teils nur im leichten T-Shirt bekleidet. Am Abend fielen die Schlachtenbummler in die Kneipen und Klubs im Barfußgässchen ein. Dabei hatten sie stets ein Bier in der Hand und ein stimmgewaltiges Lied auf den Lippen.

Die Leipziger Polizei beobachtete das Treiben, musste aber nicht eingreifen. „Alles lief bisher friedlich ab. Und wenn doch einmal ein Glas zu Bruch ging, dann wurde das ersetzt“, sagte am Sonntag ein Sprecher aus dem Führungs- und Lagezentrum.

Schottische Fans im Barfußgässchen. Quelle: Schäfer

Auch am Sonntagnachmittag stimmten die Rangers-Fans laut johlend und grölend erste von allen Fassaden widerhallende Fangesänge an, als ein aus Glasgow mitgereister Polizist die Meute über Lautsprecher auf den Marsch gen Stadion vorbereitet. „Wir sind einfach nicht gerne von unserem Team getrennt“ lacht der 18-jährige Jack Semple, der wie 8.000 andere extra für das Testspiel aus Glasgow anreiste. Verrückt finde er das ganz und gar nicht. „Das ist doch total normal.“ Er befürchte aber, dass die Rangers gegen Leipzig nicht viel ausrichten können. „Ich hoffe auf ein Tor, aber am Ende spielt das Ergebnis keine Rolle.“

Jack Semple (18, rechts) und sein Kumpel Jamie Kerr (24) auf dem Leipziger Markt. Quelle: Knofe

Auch dem 34-jährigen Chris Watson und seinem in einen dicken Fanschal eingemummten 10-jährigen Sohn Chris ist das Ergebnis gar nicht so wichtig. „Leipzig hat wirklich eine sehr gute Mannschaft. Wir hoffen heute einfach auf ein gutes und unterhaltendes Spiel“, meint der Vater aus Glasgow. Die beiden haben ein paar harte Fan-Jahre hinter sich. Nach der Insolvenz der Betreibergesellschaft landeten die Rangers in der Saison 2012/13 in der vierten Liga und mussten sich wieder Klasse für Klasse nach oben Kämpfen. „Wir waren für so lange Zeit von der Spitze verschwunden und versuchen uns dort jetzt wieder einen Platz zu ergattern. Aber als richtige Fans sind wir alle verrückt genug, das mitzumachen und dafür auch nach Leipzig zu kommen – obwohl es nur ein Testmatch ist.“

Chris Watson (34) und seinem Sohn Chris (10) gefällt es in Leipzig. Quelle: Knofe

Ob die schottischen Fans wirklich verrückt sind, muss jeder für sich entscheiden. Klar ist jedoch: Allesamt stehen mit Herzblut hinter ihrer Mannschaft – und das auch bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und Schnee. Lautstark brüllt der Zug immer wieder „We are the people“ - eine Zeile aus einer Fan-Hymne - der Kälte entgegen. Die Rangers Ultras halten ihre riesige schwarze Flagge in den Wind, während trommelnde Rhythmusgeber den Marsch über das Hallische Tor auf den Ring führen.

Rangers-Fans ziehen durch Leipzig

Davon lässt sich auch Lauren Young mitreißen. „Wir sind einfach verrückt nach den Rangers und lieben sie – obwohl wir wahrscheinlich ganz übel vernichtet werden“, bekommt die 20-Jährige gerade so noch über die Lippen, bevor sie Arm in Arm mit ihren Freunden das nächste Loblied anstimmt.

Das Ziel der von der Fanvereinigung Union Bears organisierten Aktion war: Sie wollten den bisher größten Gästeblock in dieser Saison bei den Roten Bullen stellen. Borussia Dortmund war Anfang der Spielzeit von rund 6000 Fans angefeuert worden. In der Jahnalle stoppte der Zug kurz und zündete auch Bengalos.

Leipzigs schottischer Spieler Oliver Burke ist von dem Auflauf aus seinem Heimatland wenig verwundet. „Ich kenne die schottischen Fans und bin nicht überrascht. Es ist toll, sie zu sehen“, ließ er auf der Vereinshomepage der Rangers ausrichten.

Einen lockeren Dialog pflegten die Schotten auch mit der Bundespolizei über Twitter. Auf das herzliche Willkommen der Beamten reagierte einer der Gäste so: „Wir sind große Jungs, aber neigen dazu, betrunken zu sein. Haben Sie ein Auge darauf.“ Antwort der Bundespolizei: „Wir beobachten Euch, genießt das Spiel!“

Unschön: Betrunkene Fans des schottischen Fußballclubs Glasgow Rangers haben auf einem Flug nach Berlin das Kabinenpersonal begrapscht und beleidigt. Die Fußballanhänger waren auf dem Weg zum Testspiel der Rangers gegen RB Leipzig. Drei Crew-Mitglieder hätten nach der Landung der Maschine am Samstag Anzeige erstattet, teilte die Polizei am Sonntag mit. Die Polizei ermitteln nun gegen drei Passagiere wegen Beleidigung und Nötigung auf sexueller Basis. Sie wurden nach Feststellung ihrer Identität auf freien Fuß gesetzt.

Auch im Stadion waren einige Gästefans ungehemmt. Ein Schotte versuchte sich in einem Handstand auf dem Geländer und stürzte dabei ab. Er hatte Glück und verletzte sich laut RB nur leicht.

Ansonsten blieb es nach dem Spiel zwischen den Rangers und RB friedlich. Laut dem Führungs- und Lagezentrum der Polizei kam es zu keinen besonderen Vorkommnissen.

André Pitz/Matthias Roth