Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
News „Ich verdopple meine Torausbeute“: Yussuf Poulsen im Interview
Sportbuzzer RB Leipzig News „Ich verdopple meine Torausbeute“: Yussuf Poulsen im Interview
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:41 07.01.2017
Sonne, Strand und Palmen: Yussuf Poulsen will unter traumhaften Bedingungen ein kompletterer Fußballer werden.
Sonne, Strand und Palmen: Yussuf Poulsen will unter traumhaften Bedingungen ein kompletterer Fußballer werden. Quelle: Picture Point
Anzeige
Lagos

Terrasse des RB-Teamhotels. Die Sonne scheint, der Kaffee geht auf den Deckel des Bundesliga-Zweiten. Date mit einem Dänen. DEM Dänen der Rasenballer. Yussuf Poulsen. Der 22-Jährige ist seit 2013 bei RB. In den ersten Wochen stoppte Poulsen den Ball weiter als er ihn heute schießen kann. Aus dem unfertig-wilden Athleten ist ein richtig guter Fußballspieler geworden. Einer, der eine Liebesbeziehung mit dem Ball eingegangen ist. Geblieben ist seine Dynamik und sein Mut in den Zweikämpfen. Auch sein unverstellter Blick auf die Dinge des Lebens. Gespräch mit dem einfachen Torschützen über eine, ja, sensationelle Relation aus Chancen und Toren, Ballan- und Mitnahme und Gute-Nacht-Geschichten mit Bett-Nachbar Davie Selke (21). Am Samstag, 16.30 Uhr, testen die Rasenballer in Albufeira gegen Ajax Amsterdam.

Training, Eistonne, Autogramme: Das sind die Bilder vom dritten Tag des Trainingslagers von RB Leipzig in Portugal. Bilder: Imago

16 Bundesligaspiele, 1204 Minuten im Einsatz, Siegtor beim 2:1 gegen Augsburg, eine Vorlage zu Emil Forsbergs 1:0 in Wolfsburg. Was sagen diese Zahlen über Ihre Vorrunde?

Dass ich immer gespielt habe, ein Tor geschossen und eins vorgelegt habe. Drei Chancen, ein Tor, meine Quote ist also ziemlich gut.

In 61 Zweitligaspielen haben sie 18 Tore gemacht, in 36 Drittligaspielen zehn. Es geht bergab.

Ich habe jetzt eine andere Position, sichere oder verlängere Bälle, komme selten zum Abschluss. Das kommt meinen Kollegen zugute. Timo, Sabi, Emil. Jeder bei uns macht seinen Job, ich mache meinen. So funktioniert eine Mannschaft. Ich bin glücklich über unser erstes halbes Jahr in der Bundesliga und liefere Ihnen jetzt mal eine Überschrift fürs Interview: In der Rückrunde verdopple ich meine Torausbeute! (jetzt lacht er, der Gute, er lacht oft).

Ralph Hasenhüttl war als Fußballer ein Vollstrecker, kannte eigene Zubringerdienste nur vom Hörensagen. Schätzt er die Ihren trotzdem?

Ja, er ist zufrieden mit mir. Herr Hasenhüttl ist jetzt übrigens Trainer.

Es gibt Zahlen, die Ihre sozialistische Ader belegen. Sie legen pro Spiel satte 30 Sprints hin, sind durchschnittlich 11,2 Kilometer unterwegs. Sie hält weder Ochs noch Esel auf.

Es ist mein Spiel, viel und schnell unterwegs zu sein.

Sie legen sich nur noch 1,5 mal pro Spiel mit dem Schiri an.

Das wird auch erfasst?

Natürlich nicht. Sie flippen deutlich seltener als früher aus. Weil kein Schiri der Welt eine Entscheidung nach Gezeter zurücknimmt?

Könnte sein. In der Bundesliga ist es aber auch gesünder als drunter zu spielen. Da springt dir nicht alle paar Minuten einer in den Rücken.

Anne Grimm (links) und Guido Schäfer im Interview mit dem Dänen-Blitz im Dress der Leipziger – Yussuf Poulsen. Quelle: Picture Point

In der Bundesliga spielen alle Teams im Wortsinn mit, bekommt man mehr Räume und weniger auf die Socken. Kommen deshalb die Fähigkeiten von Emil Forsberg und Naby Keita so gut zum Tragen?

Ja, absolut. Emil und Naby können am Ball alles. Und das zeigen sie in der Bundesliga.

Als Sie 2013 kamen, konnten sie am Ball weniger als alles, waren Ballan- und Wegnahme eins. Jetzt beherrschen Sie die Kunst der Ballan- und Mitnahme. Sie haben schnell und viel gelernt.

Das musste ich. Ralf Rangnick und Alexander Zorniger haben mir Vertrauen geschenkt, aber auch gesagt: Yussuf, Du brauchst mehr Waffen als Schnelligkeit und Sprungkraft. Ich arbeite jeden Tag hart daran, ein besserer, kompletter und unberechenbarer Fußballer zu werden. Ich bin auf einem guten Niveau, aber längst noch nicht top. Top sind beispielsweise die Bayern-Spieler.

Ihr Freund Davie Selke hat doppelt so viel Tore wie Sie geschossen, aber nur 178 Minuten gespielt. Wie oft ist seine Situation Thema in Eurer Suite?

Nicht ständig, ab und zu. Vor einem Jahr war die Situation umgekehrt. Da hat er mich aufgebaut. Jetzt helfe ich ihm, wenn er Hilfe braucht. Davie wird seine Einsätze bekommen, da bin ich mir sicher. Wir brauchen ihn. Am liebsten wäre mir, wenn wir beide auf dem Platz stehen würden.

Mehr News aus Lagos

Forsberg bleibt, Testspielgegner sagt ab

Entwarnung bei Timo Werner

Wie ist es, als Promi durch Leipzig zu spazieren?

Gut ist es. Die Menschen sind sehr freundlich und angenehm. Im Restaurant werde ich erst dann nach einem Autogramm oder Selfie gefragt, wenn die Teller vom Tisch sind.

Sie kosteten 2013 etwas über eine Million Euro, sind jetzt an die 30 Millionen wert. Wann sieht man Sie im Schlaraffenland Premier League?

Irgendwann vielleicht. In drei, fünf oder zehn Jahren. Mein Herz ist in Leipzig. Ein fantastischer Club in einer tollen Stadt.

Interview: Guido Schäfer und Anne Grimm