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News Ohne Behinderungen ins Stadion - RB bekommt gute Noten
Sportbuzzer RB Leipzig News Ohne Behinderungen ins Stadion - RB bekommt gute Noten
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09:51 31.01.2017
Maurice Schönefeld ist blind - und lässt sich im Stadion das Spielgeschehen schildern. Quelle: PicturePoint
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Leipzig

Etwa 90 Minuten vor der Partie schlüpft Maurice Schönefeld in sein RB-Trikot. Winterfest eingemummelt geht es kurz darauf per Bimmel zum Stadion. So wie das wohl so ziemlich jeder Otto-Normalo-Fan von RB Leipzig macht. Ist ja auch alles ziemlich „easy“ – der Weg ins Stadion bis hin zum eigenen Sitzplatz, alles deutlich sichtbar ausgeschildert. Seit der Saison 2014/15 ist der 41-Jährige so gut wie bei jedem Heimspiel dabei. „Gegen Paris Saint Germain“, erinnert sich der gelernte Koch und Hotelfachmann das erste Mal, „vorher war das nicht möglich.“

Nicht möglich, weil Schönefeld blind ist. Ein Hirntumor verursachte das vor 18 Jahren. Deswegen braucht der Fan im Stadion etwas mehr Unterstützung als Otto Normal. Eine Beschreibung des Spielgeschehens. Die wurde das erste Mal gefunkt, als sich RB für die 2. Liga fit schoss – in der Vorbereitungspartie gegen „Ibrakadabra“ & PSG.

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Zwei „Friends“, wie die guten RB-Helferlein genannt werden, bereiten das Gesehene für Sehbehinderte auf in einer Vollreportage. So wie im Radio? Nein, ausführlicher. Passformen werden benannt, die Aktionen auf dem Feld verortet, Choreografien, Farben und Habitus beschrieben. Kino im Kopf mit Meterangaben. 20 Personen können in Leipzig in den Genuss des Angebotes kommen.

Egal ob blind-, körperlich oder geistig eingeschränkt – barrierefreie Zugänge und Plätze sind in Fußball-Deutschland von der Bundesliga bis zur 3. Liga Pflicht. Seit 2006 gibt es zudem von der DFL einen speziellen Reiseführer für behinderte Fans. Vor drei Jahren wurde dieser digitalisiert und kontinuierlich erweitert.

20 Helfer kümmern sich um die Fans

In Kooperation der Aktion Mensch und der Bundesliga-Stiftung wurde der Reiseführer um einem Hörservice und einer Erklärung in „leichter Sprache“ für geistig Behinderte erweitert. Zudem bietet er Infos über die Stadt, den Verein, die Anreise zum und die Plätze im Stadion. Getestet wurde der von Jürgen Döringer aus Sinsheim. „In der Bundesliga habe ich keine Probleme“, sagte der 50-Jährige und betonte: „Barrierefreiheit ist Auslegungssache.“ Manche Rampen seien für Einige zu steil – in Dortmund etwa. Unkompliziert geholfen werde überall. In Leipzig war alles okay.

„Im europäischen Vergleich können wir selbstbewusst sagen, dass wir sehr, sehr gut sind“, erklärte Bundesliga-Stiftungsvorstand Stefan Kieler, „wir bieten in Deutschland über 3600 Plätze an.“ In der Red-Bull-Arena sind es gut 300 Plätze. Im Oberrang des Sektors A, der über den Lift des Sportforums erreicht wird und im Unterrang der Gegengerade. „Die Nachfrage ist größer als das Angebot“, sagte Axel Ackermann, Behinderten-Fanbeauftragter von RB. „Seit vergangener Saison haben wir eine Warteliste“, fügte er an.

20 Helfer kümmern sich um die Fans, von Gebärdensprache für Hörgeschädigte über den Hol- und Bringeservice und die Audiodeskription bis hin zum Stadionheft in Brailleschrift. „Das ist einmalig in Leipzig“, lobt Maurice Schönefeld.

Unter www.barierefrei-ins-stadion.de gibt es für Menschen mit Behinderung sowie deren Begleiter hilfreiche Anreisetipps und Infos.

Alexander Bley