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News RB-Profi Halstenberg sorgt mit Selfies vor Holocaust-Denkmal für Wirbel
Sportbuzzer RB Leipzig News RB-Profi Halstenberg sorgt mit Selfies vor Holocaust-Denkmal für Wirbel
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21:19 16.02.2016
RB-Spieler Marcel Halstenberg stellte Fotos und ein Video von seinem Besuch im Holcoaust-Denkmal ins Netz. Quelle: Instagram / Spiegel Online
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Leipzig/Berlin

„Ich glaube, Herr Halstenberg hat verstanden, dass da was schiefgelaufen ist“, sagt Jenifer Stolz. „Unpassend“ und „irritierend“ nennt die Sprecherin der Denkmal-Stiftung in Berlin das, was Marcel Halstenberg auf dem Instagram-Profil seiner Freundin veröffentlichte und damit im Netz für heftige Diskussionen sorgte. Inzwischen ist alles gelöscht worden, aber im deutschen Blätterwald rauscht es mächtig. Was ist passiert?

Vergangene Woche besuchte der derzeit verletzte Verteidiger mit seiner Freundin Franziska das Holocaust-Denkmal unweit des Brandenburger Tors in Berlin. "Halste" schoss ein Selfie, auf dem er in die Kamera grinst. Zwischen den Beton-Stelen, die an die ermordeten Juden Europas erinnern, spielte der 24-Jährige mit seiner Freundin auch Fangen und drehte davon ein Handy-Video. Beschriftet wurde der Clip beim sozialen Netzwerk Instragram mit dem Hashtag „#laufschlampelauf!“.

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Zunächst griff der Fußball-Blog „Die Falsche Neun“ den Fehltritt des ehemaligen St.-Pauli-Spielers auf. Am Montagabend berichtete auch Spiegel Online. Da waren die irritierenden Schnappschüsse bereits entfernt. Halstenberg entschuldigte sich. „Ich bin ganz ehrlich: das dortige Verhalten und die beiden Postings auf dem Account meiner Freundin waren unpassend und ein Fehler. Wir haben das erkannt und gelöscht.“

Marcel Halstenberg: "Das Verhalten und die beiden Postings auf dem Account meiner Freundin waren unpassend und ein Fehler." Quelle: Gepa

RB sieht Sache als "erledigt" an

„Für uns ist die Sache damit erledigt“, sagte RB-Sprecher Benjamin Ippoliti am Dienstag gegenüber LVZ.de. Hinter den Kulissen wurden beim Fußball-Zweitligisten bereits klärende Gespräche geführt. Offiziell bewerten will Ippoliti die Postings nicht. Es klingt jedoch durch: Halstenberg hat eine Grenze überschritten – und ist damit offenbar in breiter Gesellschaft.

Am Denkmal seien fragwürdige Fotos und Videos von Besuchern ein „zunehmendes Problem“, erklärte Sprecherin Stolz. „Uns hat in diesem konkreten Fall besonders der unpassende und irritierende Hashtag verstört. Da hört unser Verständnis auf.“ Durch Instagram und die dort verbreitete Verschlagwortung komme es immer häufiger vor, dass sich Nutzer öffentlichkeitswirksam – und mit fragwürdiger Beschriftung – in Szene setzen. So werde dann von einem „geilen Tag“ berichtet, von „super Wetter“ oder dem „Spaß meines Lebens“, zitierte Stolz. Recherchen des Vice-Magazins hatten bereits entsprechend verstörende Urlaubs-Erinnerungen im Netz zutage gefördert.

"Selbstregulierende Funktion" des Internets

Mit Erinnerungs-Fotos, auch Selfies, betont die Denkmal-Sprecherin, habe man kein Problem, solange diese dem Ort angemessen seien. Wer beim Fangenspielen zwischen den Stelen oder beim Springen über die Betonblöcke erwischt wird, den weise das Sicherheitspersonal in der Regel jedoch auf sein Fehlverhalten hin. Denn beides ist laut Besucherordnung verboten.

„Bei unangemessenen Fotos hat das Netz inzwischen auch eine selbstregulierende Funktion entwickelt“, beobachtet Stolz. Wer Bilder mit fragwürdigem Motiv online stellt oder unangebrachte Kommentare postet, wird von anderen darauf hingewiesen und überdenkt in der Regel sein Verhalten. So wie auch Halstenberg. Seine Freundin hatte schon am Sonntagabend reagiert und bei Instagram geschrieben: „Es tut uns leid wenn wir missverstanden worden sind.“ Auch dieses Posting ist mittlerweile verschwunden.

Von Robert Nößler