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Sport Regional Der emotionale Abschied von Taloubet Z in Leipzig
Sportbuzzer Sport Regional Der emotionale Abschied von Taloubet Z in Leipzig
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10:07 22.01.2018
Auf dem Weg zum letzten gemeinsamen Triumph: Christian Ahlmann und sein „Millionen-Hengst“ Taloubet verzaubern das Leipziger Publikum.  Quelle: Christian Modla
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Leipzig

Das Geschehen ist Hollywood-reif, ein echtes Helden-Epos aus der Traumfabrik. Alle Zutaten passen: Die rührende Geschichte – der letzte Ritt des Wunderpferdes Taloubet. Die Dramatik – der Kolumbianer Carlos Lopez spielt die Rolle des bösen Buben und reitet wirklich wie der Teufel. Er führt! Doch Ahlmann und sein Taloubet als letzte (!) Starter im Stechen meistern so heldenhaft wie spektakulär jedes Hindernis, sind im Ziel zwei Zehntelskunden schneller als Lopez. Ahlmann blickt auf die Uhr, realisiert, dass sich sein Traum, ja der Traum Tausender erfüllt. Er ballt die Faust, wirft seine Kappe ins Publikum. Die rappelvolle Halle kocht, 9000 toben.

Auf dem Abreiteplatz spielen sich jetzt unbeschreibliche Szenen ab. Wildfremde Menschen fallen sich um den Hals. Gestandene Männer weinen, Frauen erst recht. Ahlmanns Lebenspartnerin Judy-Ann Melchior ist außer sich vor Glück und nahe an einem Heulkrampf. Bundestrainer Otto Becker bekommt feuchte Augen und bringt nicht mehr als „Ich bin sprachlos“ heraus. Die ganze Halle scheint zu weinen. Hollywood eben.

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„Was für ein geiler Tag“

Die stimmungsvolle Siegerehrung absolvieren die Sieger fast routiniert – haben sie ja oft genug erlebt. Es ist ja auch ihr vierter Sieg in einem Weltcup-Springen in Leipzig! Der Jubel ist ohrenbetäubend. Dann müssen beide nochmal raus – offizielle Verabschiedung. Das Pferd, das für seine Besitzer über 2 Millionen Euro gewann, trägt eine Decke mit dem Aufschrift „Thank you Talou“. Wieder Rührung, wieder Spektakel, wieder Tränen.

Auf dem Pferd sitzend nimmt der Reiter das Mikro in die Hand. „Was für ein geiler Tag“, sagt er. „Es waren unglaublich schöne Jahre mit Taloubet. Kein Angebot war zu hoch, ihn gehen zu lassen.“ Er bedankt sich bei seiner Judy-Ann, bei seinem Team, den Pflegern und auch bei Volker Wulff. „Weil er es ermöglicht hat, dass wir uns bei unserem Lieblingsturnier und vor unserem Lieblingspublikum verabschieden konnten.“ Da muss Wulff schlucken.

Ahlmanns Schlussworte: „Lieber Taloubet. Genieße deine Rente. Du bist und bleibst unser Hero.“ Auf der letzten Ehrenrunde geht der Reiter an der Seite des Pferdes zu Fuß. Emotionen im Quadrat. Kann man sich nicht ausdenken.

Eine halbe Stunde später ist Pressekonferenz, Ahlmann wirkt noch immer entrückt. „Mehr ist nicht möglich. Ich bin mehr als glücklich.“ Sparkassen-Chef Harald Langenfeld sagt: „Das waren die emotionalsten Momente in den elf Jahren, seitdem ich das Turnier besuche.“ Turnierchef Volker Wulff scheitert an der Suche nach Superlativen: „Unglaublich, emotional, alles stimmt. Aber das kann man nicht in Worte fassen.“

Ministerpräsident unterstützt Bemühung um Weltcup-Finale

Bei all dem Taloubet-Hype geraten andere Ereignisse zur Nebensache. Der Sieg des sympathischen Schweizers Jerome Voutaz bei den Fahrern zum Beispiel. Oder der Triumph von Christian Ahlmann am Samstag, wo er auf dem Pferd seiner Partnerin, der 13-jährigen Stute Ailina, das Championat von Leipzig gewann. Oder auch die Proteste von fünf trommelnden Tierschützern am Rande der Veranstaltung. Dem Run auf das Spektakel konnten die nichts anhaben. Die Veranstalter vermelden wieder Rekorde, 72.900 Besucher strömten diesmal an den vier Turniertagen auf die Messe. 1000 mehr als im Rekordjahr 2017. Ein Ende der Fahnenstange ist nicht in Sicht. Volker Wulff denkt schon an sechsstellige Zahlen.

Könnte bald Wirklichkeit werden. Michael Kretschmer besuchte am Sonntag die Partner Pferd und war offensichtlich begeistert. „Wir sollten alle Kräfte bündeln, um so schnell wie möglich das Weltcup-Finale wieder nach Leipzig zu holen. Ich werde von meiner Seite aus das Notwendige dafür tun“, lässt sich der Ministerpräsident zitieren. Stoff für das nächste Märchen. Messe-Hausherr Martin Buhl-Wagner bekommt bei diesen Aussichten strahlende Augen, denkt aber erstmal ans Naheliegende: „Ich schaue mit Freude auf die Partner Pferd 2019.“ Die findet vom 17. bis 20. Januar statt und wird, wir vermuten mal, wieder Hollywood-reife Geschichten bringen.

Uwe Köster