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Sport Regional Eine der schwersten Bobbahnen der Welt in Sachsen wird umgebaut
Sportbuzzer Sport Regional Eine der schwersten Bobbahnen der Welt in Sachsen wird umgebaut
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11:39 04.12.2017
Die Bob- und Rodelbahn im sächsischen Altenberg soll umgebaut werden. (Archivfoto) Quelle: dpa
Altenberg

Die „lange Kühle“ ist gefährlich. Diese Erfahrung machten beim Rodel-Weltcup am vergangenen Wochenende drei Damen aus Lettland und Russland, die auf der Bahn im Altenberger Kohlgrund teilweise spektakulär unfreiwillig Bekanntschaft mit dem Eis machten. Ihnen war wie vielen Bob-, Rodel- und Skeletonpiloten in der Vergangenheit die Kurvenkombination 11, 12 und 13 zum Verhängnis geworden. Einmal mehr zeigte sich, dass eine Entschärfung dieser Passage nötig ist.

Die 30 Jahre alte Bahn ist in den vergangenen Jahren immer schneller geworden. Technik und Aerodynamik haben sich weiterentwickelt. „Der Rodel ist heute sechs Sekunden schneller als vor 25 Jahren“, sagt Matthias Benesch, Geschäftsführer der Wintersport Altenberg GmbH. Auch die Bobs rasen mit immer höheren Geschwindigkeiten herunter. „Wir sind mittlerweile an der Grenze, was auch in einer Risikosportart zu vertreten ist“, betont Benesch, einst selbst erfolgreicher Bobpilot. Und so fordern die internationalen Verbände FIL und IBSF einen Umbau im unteren Hochgeschwindigkeitsbereich.

Denn es fahren in Altenberg nicht nur Spitzenathleten wie Rodel-Olympiasiegerin Natalie Geisenberger, die am Sonntag einen Bahnrekord aufstellte. Einige Länder haben ihre Sportler, die dieses Können nicht besitzen, deshalb gar nicht erst an den Start geschickt.

Ein Umbau noch vor der Bob- und Skeleton-WM 2020 soll bewegen, dass neben Topathleten auch Sportler aus anderen Ländern, in denen diese Sportarten eine untergeordnete Rolle spielen, sicher ins Ziel kommen. Auch Rodel-Bundestrainer Norbert Loch und Österreichs Rodel-Chef René Friedl befürworten das Vorhaben. „Gerade auch beim Bobsport ist ein Risiko gegeben. Natürlich ist es eine Rennsportart, aber man muss dafür sorgen, dass nichts Schlimmeres passiert. Und deshalb bin ich dafür“, sagt Loch. Und Friedl ergänzt: „Vor allem die Einfahrten 11 und 13 sind sehr schwierig. Vielleicht können dann auch die Doppelsitzer von oben starten.“

Das Bauprojekt ist mit 2,6 Millionen Euro veranschlagt. Ein Modell liegt bereits vor. Zustimmung gibt es von den internationalen und nationalen Verbänden. Im Februar 2019 soll der Abbruch beginnen, Anfang April der Neuaufbau und im September die Vereisung erfolgen. So zumindest ist der Plan. Ob dieser so umgesetzt werden kann, hängt von mehreren Faktoren ab.

Als Erstes muss der Bund seine Finanzierung mit immerhin 50 Prozent zusagen. Doch aufgrund der derzeitigen Situation mit nur einer geschäftsführenden Regierung wird das nicht passieren. „Das ist im Moment eine Situation, die mich beunruhigt“, sagt Benesch. Der Freistaat Sachsen mit 30 Prozent Fördermittelzugabe und auch der Landkreis als Träger der Bahn haben ihre prinzipielle Zustimmung bereits gegeben. „Doch ernsthaft darüber nachdenken werden sie natürlich erst, wenn die Zusage vom Bund kommt“, bemerkt Benesch. „Ich bin immer Optimist, aber man muss auch realistisch sein: Das ist nicht wenig Geld. Von daher hoffen wir mal das Beste.“

Von Uta Büttner