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11:45 22.11.2019
Organisator Klaus Dietze mit den Pokalen der von ihm organisierten Deutschen Poker-Meisterschaften. Quelle: Christian Modla
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Belgershain/Threna

Leon Tsoukernik wird von den Pokerspielern wie ein Papst verehrt. Der 46-jährige in Moskau geborene Unternehmer und Kunstsammler ist Eigentümer von Europas größtem Poker-Casino. Dieses steht nicht in Monaco, auch nicht in Zürich oder London, sondern im 735-Seelen-Ort Rozvadov, kurz hinter der deutsch-tschechischen Grenze. 2002 kaufte Tsoukernik dort ein Grundstück und ließ darauf das King’s Resort errichten.

Die Anlage mit Fünf-Sterne-Hotel, Konferenzraum, Kunstgalerie und Casino mit über 160 Pokertischen – eine Erfolgsgeschichte. Tsoukernik, der umtriebige Macher, der sonst nur Antworten gibt, hatte ausnahmsweise eine Frage: Wie gelingt es diesem Klaus Dietze im fernen Leipzig, für einen derartigen Hype zu sorgen und zwischen den Jahren immer wieder 1000 Pokerspieler an 100 Tische zu bringen, obwohl es um nicht viel mehr als die Ehre geht.

King's Casino Betreiber Leon Tsoukernik bei einem seiner Leipzig-Besuche. Quelle: Christian Modla

Er schwebte mit dem Helikopter ein, um sich in der Sachsen-Metropole selbst ein Bild zu machen. Er besuchte die von Dietze im Hotel The Westin veranstalteten Deutschen Meisterschaften und lauschte den Argumenten des Organisatoren aus dem Muldental: „Zehn bis 20 Prozent der Spieler geht es bei dem Turnier um Sachpreise, das ist richtig. Für den weitaus größeren Teil aber ist Pokern eine unterhaltsame Freizeitbeschäftigung.“

Mit vergleichsweise volkstümlichen Startgebühren von 50 Euro spricht Dietze in Leipzig den Rechtsanwalt, Kripobeamten und Medizinprofessor genauso an wie den Hartz-IV-Empfänger, Studenten und Aldi-Verkäufer. „Andernorts werden Teilnahmegebühren von 5000 Euro bis 10.000 Dollar aufgerufen, das kann sich hierzulande kaum einer leisten. Bei uns lebt der Normalverbraucher seinen Traum – fühlt sich zwei Tage fast wie in Las Vegas.“

Tsoukernik schwärmt: Das ist mein Mann!

Für Tsoukernik stand recht bald fest: Das ist mein Mann! Seitdem richtet Tsoukernik die Europameisterschaften in seinem Casino gemeinsam mit Dietze aus. Vom 17. bis 20. Januar steigt die mittlerweile sechste Auflage des Spektakels mit rund 3500 Teilnehmern. Tsoukernik und Dietze, zwei Typen, die sich zwar nicht gesucht und dennoch gefunden haben. Auch der Threnaer Dietze profitiert: „Herr Tsoukernik bietet mir das Netzwerk in alle Welt.“

Das ganze Jahr arbeitet der 75-jährige Rentner im Unruhestand an der Vorbereitung beider Events: „Es sieht eigentlich bestens aus. Zu den 12. Deutschen Meisterschaften erwarte ich am 28. und 29. Dezember in Leipzig beinahe schon traditionell ein volles Haus. Es gibt Urkunden, Medaillen, Pokale und das goldene Armband, Bracelet genannt.“ Längst sei das Pokerturnier in Leipzig ein Wirtschaftsfaktor in der sonst wenig geschäftigen Zeit zwischen Weihnachten und Silvester.

Glücksritter gegen abgezockte Profis: Die Deutschen Meisterschaften im Pokern locken über 1000 Teilnehmer nach Leipzig. Quelle: Christian Modla

Pokern ist aus der Schmuddelecke heraus

Das will Dietze in einem persönlichen Gespräch auch Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) klar machen. Am Donnerstag übersandte er dem Stadtchef ein entsprechendes Gesuch. Denn obwohl der Tausendsassa etliche Prozesse angestrengt hatte, um das oft als Glücksspiel verrufene Pokern aus der Schmuddelecke zu holen, ereilte ihn im Vorjahr ein herber Rückschlag: „Und das, obwohl wir 2014 vorm Verwaltungsgericht siegten und sogar die Tagesschau unseren Triumph vermeldete.“

Wie berichtet, wollte Dietze vor Jahren ein kleineres Turnier in Aschersleben veranstalten. Das Verwaltungsgericht in Magdeburg prüfte den Vorgang und kam zu dem Schluss, dass die Erlaubnis des Bundeskriminalamtes (BKA) fehlt. Das Ascherslebener Bürgerturnier konnte daher nicht stattfinden. Das Urteil ging auch ans Leipziger Amt, das sich der Argumentation der Sachsen-Anhalter anschloss. Daraufhin wurde Klaus Dietze der Gewerbeschein entzogen. Auf LVZ-Nachfrage ließ die Stadt Leipzig durch Sprecher David Quosdorf damals mitteilen, dass sie sich zum laufenden Verfahren nicht öffentlich äußern dürfe.

Ärger mit eingezogenem Gewerbeschein

Zuvor hatte Anwalt Thomas Jauch den Bescheid angefochten und ging bis ans Oberverwaltungsgericht (OVG) in Bautzen. Natürlich schreibe das Gesetz den Nachweis des BKA zwingend vor: „Genau das hatten wir ja schon vor gut vier Jahren gegenüber den Behörden in Leipzig betont.“ Laut Dietze saßen er und sein Anwalt an jenem 8. Juli 2015 mit Vertretern von Ordnungsamt und Glücksspielbehörde an einem Tisch: „Wir hatten darauf hingewiesen, dass der Persilschein des BKA erforderlich ist. Die Behörden sahen das damals anders. Ich sei von den Gerichten schon hinlänglich überprüft worden, hieß es.“

Urteil aus Bautzen überrascht nicht

Kommentar von Haig Latchinian

Das aktuelle Urteil des Sächsischen Oberverwaltungsgerichts in Bautzen sorgt für wenig bis gar keine Überraschung. Dass Bautzen den Widerspruch von Dietzes Anwalt abschmetterte, war klar. Und dürfte auch von den Organisatoren der Deutschen Poker-Meisterschaften nicht wirklich anders erwartet worden sein.

Denn befunden wurde einzig und allein über die an sich unstrittige Frage, wonach der Ausrichter eines solchen Turnieres zwingend einen Persilschein des Bundeskriminalamtes (BKA) benötigt. Die von Wiesbaden attestierte weiße Weste ist eine Grundvoraussetzung dafür, im Gegenzug einen Gewerbeschein zu bekommen.

Dass Dietze diese Unbedenklichkeitsbescheinigung – aus welchen Gründen auch immer – 2015 offenbar nicht beibringen musste und trotzdem einen Gewerbeschein erhielt, macht die Sache nicht richtiger. Wenn es das Gesetz so vorsieht, muss er das etwas andere Führungszeugnis beantragen – was im übrigen in der Zwischenzeit geschehen ist.

Dumm nur: Der Persilschein kommt nicht von heute auf morgen. Dietze wartet bereits sehr lange auf Antwort aus Wiesbaden. Der in Bautzen eingelegte Widerspruch war daher eher taktischer Natur. Er hatte nur ein Ziel: Zeit gewinnen. Denn während eines schwebenden Verfahrens musste Dietze nicht wirklich behördlichen Gegenwind befürchten.

Das Verfahren schwebt nun nicht mehr. So gesehen wird der Druck auf die Ausrichtung der Deutschen Meisterschaften größer. Ein unbefriedigender Zustand für die 1000 Teilnehmer aus dem ganzen Bundesgebiet, die sowohl Reise als auch Hotel bereits gebucht haben. Dramatisch die Situation auch für den Veranstalter selbst.

Die Stadt könnte ein Machtwort sprechen. Solange die Prüfung in Wiesbaden aussteht, sollte sie von Restriktionen absehen und Gnade vor Recht walten lassen, schließlich ist sie nicht ganz schuldlos an der Situation. Zudem brüstet sich Leipzig seit zehn Jahren mit dieser Veranstaltung, bei der es ja gerade nicht um Geld, sondern um die Meisterschaft geht.

Inzwischen habe er die Unterlagen nachgereicht und die Unbedenklichkeitsbescheinigung des BKA beantragt, sagt Dietze. Der Eingang in Wiesbaden sei ihm auch bestätigt worden, die Bearbeitung dauere noch an. „Leider“, ärgert sich Dietze, einstiger Elektriker, Wasserballer, Straßenbahnfahrer, habilitierter Betriebswirt und Fußball-Manager des VfB Leipzig. Obwohl Pokern inzwischen nicht mehr als reines Glücksspiel, sondern als „Spiel anderer Art“ gelistet sei, besitze er derzeit keinen Gewerbeschein und müsse um jedes Turnier bangen. Schlaflose Nächte bereite ihm nun auch noch das Urteil des OVG, das den Einspruch gegen den Einzug des Gewerbescheines dieser Tage abschmetterte.

Turnierorganisator Klaus Dietze bei seiner Begrüßung im Hotel The Westin. Quelle: Christian Modla

Die Deutschen Meisterschaften aber seien sicher, wiederholt Dietze gebetsmühlenartig: „Alles andere wäre ein Skandal – nicht zuletzt für die Stadt Leipzig selbst.“ Verfolgt wird das Gerangel auch weit über die Landesgrenzen hinaus. Denn die besten Neun des Leipziger Turniers spielen in Tschechien vor tausenden Fernsehzuschauern den Deutschen Meister aus, weitere 60 qualifizieren sich für die EM, sind zudem von der Startgebühr befreit und können im King’s Resort von Rozvadov kostenlos nächtigen.

Dietze spricht voller Hochachtung von dem gebürtigen Russen Tsoukernik, inzwischen tschechischer Staatsbürger. „Am Arsch der Welt, entschuldigen Sie den Ausdruck, im deutsch-tschechischen Grenzgebiet etablierte er eines der international angesagtesten Casinos. Es ist ein Paradies von Spielern für Spieler. Die weltbesten Pokerspieler wie Daniel Negreanu, Phil Ivey oder Hossein Ensan gehen dort ein und aus.“

Sein Partner Tsoukernik sei mit 16 als junger Opernsänger in der Mailänder Scala aufgetreten. Prominente wie Tom Cruise, Madeleine Albright oder Vaclav Havel hätten seine Dienstleistungen als Antiquitätenhändler in Anspruch genommen, erzählt Dietze: „Viermal war er inzwischen schon nach Leipzig zu unserem Turnier gekommen. Er liebt die Stadt. Ich musste immer die Landung seines Hubschraubers anmelden.“

Von Haig Latchinian

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