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14:47 12.09.2019
Die deutsche Box-Staffel bei der WM in Russland. Quelle: Karim Faudil/DBV
Jekaterinburg

Ammar Abduljabbar, Nelvie Tiafack, Salah Ibrahim, Sharafa Raman, Andrej Mersljakov, Ibragim Bazuev, Wladislaw Baryshnik. Diese Sportler treten derzeit bei der Weltmeisterschaft der Amateurboxer in Jekaterinburg für Deutschland an.

Acht DBV-Boxer steigen in den Ring, alle haben einen Migrationshintergrund. Selbst der, von dem man es laut Namen nicht erwartet: Der Gifhorner Weltergewichtler Nick Bier ist in Chemnitz geboren. Seine Eltern sind Russland-Deutsche und in die Heimat ihrer Vorfahren übergesiedelt.

"Der Bundeskader besteht zu 90 Prozent aus eingewanderten Sportlern", sagt Leistungssportreferent Martin Volke. Der Hamburger Abduljabbar kommt aus dem Irak, der Eichstätter Raman aus Nigeria, der Backnanger Baryshnik aus Kasachstan, der Kölner Tiafack aus Kamerun, die Eltern des Münsteraners Ibrahim sind aus Eritrea, der Amberger Mersljakov und der Kölner Bazuev sind gebürtige Russen. "Für uns Boxer ist Integration Alltag. Wir reden nicht drüber, wir leben sie", betont Jürgen Kyas, Präsident des Deutschen Boxsport-Verbandes (DBV).

Andere Sportverbände profitieren ebenfalls vom ausländischen Zufluss. Plakativstes Beispiel ist die Fußball-Nationalmannschaft, die einst mit Mesut Özil, Sami Khedira, Miroslav Klose oder Lukas Podolski die bekanntesten Vertreter mit Migrationshintergrund in ihren Reihen hatte. Im Boxen ist es aber deutlich ausgeprägter. "Wir sind unter allen Sportverbänden Deutschlands der Spitzenreiter. In dieser Masse gibt es das in keiner anderen Sportart", sagt Kyas stolz.

Sporthilfe, DOSB und Bundesinnenministerium registrieren das mit Wohlwollen. Kinder und Jugendliche von Migranten finden in den Vereinen nicht nur eine sportliche Heimat, sie werden in der beruflichen Ausbildung unterstützt, kommen so in der Gesellschaft an. "Wir kriegen oft zu hören: "Ihr leistet tolle Arbeit."", sagt Kyas.

Der Zulauf von männlichen Migranten in Boxvereinen ist erheblich. "In anderen Ländern ist Kampfsport extrem populär", sagt Volke. Zudem kommen viele Eingewanderte aus schwierigen Verhältnissen, manchmal war das Faustrecht Überlebensstrategie. "Es ist eine Art positive Profilierungssucht. Im Boxen lässt sich das besser als im Teamsport verwirklichen", erklärt Kyas.

Warum aber nimmt der Anteil der in Deutschland geborenen Sportler im Boxring deutlich ab? "Das Boxtraining ist eines der intensivsten im Sport überhaupt. Da gibt es nur noch wenige, die den Willen haben, sich zu quälen", sagt Kyas und erzählt eine Anekdote: "Als Felix Magath Trainer beim VfL Wolfsburg war, kam er mit seiner Mannschaft für eine Trainingseinheit zum Boxclub Gifhorn. Nach einer halben Stunde lagen die Fußballer in der Ecke. Für die Boxer war es erst die Aufwärmphase. Magath war sauer auf seine Jungs."

dpa

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