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Gesamtes deutsches Box-Nationalteam mit Corona infiziert

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13:37 13.09.2020
Das komplette deutsche Amateurbox-Nationalteam hat sich mit dem Coronavirus infiziert. Quelle: Andreas Lander/Zentralbild/dpa
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Längenfeld

Die Zahl der mit dem Coronavirus infizierten deutschen Boxer und Betreuer ist alarmierend, die Betroffenen bleiben aber besonnen.

Das nahezu komplette Nationalteam mit 16 Boxern sowie sieben Trainern und Betreuern hat sich während des Trainingslagers im österreichischen Längenfeld angesteckt. "Glücklicherweise gibt es keinen ernsten Fall. Einige hatten leichte Symptome wie Halsschmerzen, andere gar nichts", sagte Sportdirektor Michael Müller. Ein Sportler soll nach dem positiven Test Tage später negativ getestet worden sein.

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Die Sportler sind seit mehreren Tagen in ihren Zimmern isoliert. Nach Ablauf der Isolationsfrist von den in Tirol geltenden zehn bis 14 Tagen können sie in die Heimat zurückreisen. Da sich Tests und Auswertungen über mehrere Tage erstreckt haben, erfolgt die Heimreise bis zum kommenden Wochenende gestaffelt in Gruppen.

Die leichten Symptome bei den betroffenen Boxern wie Halsschmerzen und Geschmacksverlust sollen nach kurzer Zeit abgeklungen sei. Husten oder Fieber hatte keiner. In ihren Zimmern halten sich die Sportler mit leichten Übungen fit. "Sie dürfen nicht vor die Tür. Die Übungen erfolgen unter Video-Anleitung, auch Mentaltrainer sind mit ihnen in Kontakt", sagte Leistungssportreferent Martin Volke, der auch im Trainingslager war, aber vorzeitig zurückgereist ist. Die Sportler müssen täglich Fragebögen zu ihrem Gesundheitszustand ausfüllen.

Boxer und Verantwortliche wehren sich gegen Vorwürfe, sie hätten sorglos gehandelt. "Das Sicherheitskonzept hätte besser nicht sein können", sagte Müller. Zwei Testreihen vor Anreise nach Österreich waren negativ. Während des Trainingslagers waren weitere PCR-Tests erneut ohne positives Ergebnis. Zwei Trainingswissenschaftler haben täglich das Blut der Sportler untersucht und die Trainingsbelastung gesteuert. Es wurde täglich Fieber und Sauerstoffsättigung des Bluts gemessen. In den Diagnostikreihen seien laut Volke keine Auffälligkeiten festgestellt worden. "Es lief alles professionell, auch vom Hotel", sagte Volke.

Sportdirektor Müller, der ebenfalls früher aus dem Trainingslager zurückgereist war und dessen anschließender PCR-Test in der Heimat negativ ausfiel, betonte: "Wir haben einen eigenen Hoteltrakt, einen eigenen Essenraum, einen eigenen Seiteneingang. Die Boxer haben ausschließlich miteinander trainiert." Das Hotelpersonal in der Fünf-Sterne-Herberge soll zweimal pro Woche auf mögliche Infektionen getestet worden sein.

Das Gesundheitsamt Tirol betreut das Team und verfolgt mögliche Kontaktketten. Spezialisten untersuchen, wie sich die Mannschaft infiziert haben könnte. Im selben Hotel hatte drei Wochen zuvor Fußball-Bundesligist Schalke 04 sein Trainingslager aufgeschlagen. Auch da gab es einen Corona-Fall. Die Boxer bereiten sich derzeit auf den internationalen Cologne Cup in Köln (14. bis 18. Oktober) vor. Das intensive Training darauf kann erst nach eingehender Untersuchung der Sportler in den heimatlichen Olympia- und Bundesstützpunkten wieder aufgenommen werden. Dort entscheiden die Ärzte, wann den Boxern wieder Höchstbelastungen zugemutet werden können.

© dpa-infocom, dpa:200912-99-532707/4

dpa