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Eishockey Seider vor Comeback im DEB-Team gegen Tschechien
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11:14 22.05.2019
Moritz Seider kann gegen Tschechien wieder spielen. Quelle: Monika Skolimowska
Bratislava

Brutaler hätte der Willkommensgruß im internationalen Männer-Eishockey nicht sein können. Vor einer Woche wurde der erst 18 Jahre alte Moritz Seider von Ladislav Nagy vorerst aus dem WM-Turnier genommen.

Nach dem üblen Check des 21 Jahre älteren Slowaken von hinten gegen die Bande beim deutschen 3:2-Sieg lag das deutsche Abwehrtalent benommen auf dem Eis und musste in die Kabine gefahren werden. Eine schlimme Szene. Dennoch hätte Seider am liebsten in der nächsten Partie direkt wieder gespielt - Ärzte und Trainer bremsten den Meisterspieler der Adler Mannheim aber aus. Erst am Donnerstag gibt Seider in Bratislava wohl sein Comeback - im Viertelfinale gegen Tschechien (20.15 Uhr/Sport1 und DAZN).

Es wird die nächste Bewährungsprobe für den Jungspund, der mit seinen weichen Gesichtszügen aussieht wie ein typischer Teenager und doch längst keiner mehr ist. Seider spricht Sätze wie ein gestandener Mann und spielt auch so auf dem Eis. Im Kreis der Nationalmannschaft hatte er seit dem ersten Länderspiel am 7. Mai bei der WM-Generalprobe gegen die USA keine Probleme. "Jeder wollte etwas über mich erfahren: Das hat mir gezeigt: Moritz, du wirst akzeptiert. Du kannst ganz entspannt aufspielen", sagte Seider der Deutschen Presse-Agentur.

Und das tat Seider. In den ersten vier Spielen bei der WM in der Slowakei war der Jüngste im Team auf Anhieb bester deutscher Verteidiger. "Wir sollten sein Spiel genießen. Er spielt momentan sehr stark", sagte Bundestrainer Toni Söderholm. NHL-Routinier Korbinian Holzer meinte: "Er kann noch sehr wichtig für uns werden."

Neben den ebenfalls 18-jährigen Jack Hughes (USA) und Kaapo Kakko (Finnland) ist Seider bei der WM das gefragteste Talent. Es gilt als sicher, dass er Ende Juni bei der NHL-Draft, bei der sich die Teams der nordamerikanischen Profiliga die Rechte an den weltweit größten Talenten eines Jahrgangs sichern, schon in der ersten Runde ausgewählt wird. "Das wird ein tolles Event für mich und meine Familie. Das wird ein unheimlich schönes Erlebnis", sagte Seider.

Im Gegensatz zu den meisten seiner Altersgenossen weiß Seider ganz genau, was er will und wie er es bekommt. "Man muss auch wissen, was man kann. Man darf sich nicht unter Wert verkaufen", sagte Seider. Um in der NHL direkt durchstarten zu können, würde er am liebsten "noch ein, wenn nicht sogar zwei Jahre in Deutschland oder Europa" bleiben.

Ob das NHL-Team, das ihn am Ende auswählt, das auch so sieht, bleibt abzuwarten. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass der an der Mosel geborene, aber in Erfurt aufgewachsene Seider bereits im Sommer nach Nordamerika zieht. Die Schule besucht er wohl nicht mehr, obwohl noch ein Jahr auf dem Weg zum Fach-Abitur ansteht. Um seine sportlichen Ambitionen mit den schulischen Pflichten verbinden zu können, sprach Seider extra beim Kultusministerium Baden-Württemberg vor. Mit Erfolg. Das zwölfte Schuljahr wurde in seinem Fall auf zwei Jahre ausgedehnt. Den zweiten Teil könnte er nach dem Sommer sogar aus Nordamerika absolvieren.

"Das kann alles online gemacht werden. Da bin ich ortsmäßig nicht an Mannheim gebunden", sagte Seider, als wäre es das Selbstverständlichste auf der Welt. "Die Schule ist auch super-kooperativ. Da stehen mir keine Hürden im Weg." Dass er seinen Schulabschluss aber machen will, steht für Seider fest. "Man will ja noch einen ordentlichen Beruf lernen können. Man ist ja nicht ein Leben lang Sportler. Es muss nur irgendwann mal eine blöde Verletzung kommen", sagte Seider - schon vor der bösen Attacke Nagys am vergangenen Mittwoch.

dpa

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