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Corona-Folgen wirbeln Handball-Liga weiter durcheinander

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15:45 15.11.2020
Uwe Gensheimer verteidigte mit den Rhein-Neckar Löwen die Tabellenführung der Handball-Bundesliga. Quelle: Uwe Anspach/dpa
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Frankfurt/Main

Begleitet von großen Sorgen um die Liga und kontroversen WM-Diskussionen haben die Rhein-Neckar Löwen ihre Pole Position im Titelkampf der Handball-Bundesliga behauptet.

Mit dem 26:18-Sieg gegen den TBV Lemgo Lippe festigten die Mannheimer am 8. Spieltag, der von etlichen Spielabsagen betroffen war, die Tabellenführung vor dem THW Kiel. Der Rekordmeister gewann am Sonntag beim Bergischen HC mit 32:27 (15:15).

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Angesichts der sich zuspitzenden Corona-Lage tritt der Sport jedoch zunehmend in den Hintergrund. "Es wird mehr geredet als Handball gespielt", stellte THW-Trainer Filip Jicha fest. "Wir können nicht wegdiskutieren, dass wir uns mitten in der Pandemie befinden."

Mit den Füchsen Berlin, der MT Melsungen und GWD Minden befinden sich derzeit drei komplette Teams in Quarantäne. Bereits 13 Bundesligaspiele mussten in der noch jungen Saison wegen Corona verschoben werden. "Das bringt das Gebäude nicht zum Einstürzen, ins Wackeln aber schon", beschrieb HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann die angespannte Situation.

"Bei den Vereinen ist momentan mächtig Druck auf dem Kessel", sagte Berlins Sportvorstand Stefan Kretzschmar am Sky-Mikrofon. Er respektiere alle Ängste, Nöte und Sorgen, die Spieler, Trainer oder Verantwortliche derzeit hätten. Zugleich appellierte der Ex-Nationalspieler: "Diese Liga muss zu Ende gespielt werden!" Die Geisterspiele reißen zwar große Lücken in den Etats, bei einem kompletten Lockdown wären die Vereine aber in ihrer Existenz bedroht.

Aus diesem Grund wird in der Branche immer lauter über einen Boykott der Weltmeisterschaft im Januar in Ägypten nachgedacht. Denn der Spielbetrieb in der Bundesliga wurde erst durcheinandergewirbelt, nachdem vier deutsche Nationalspieler im Anschluss an die Länderspielwoche positiv getestet wurden. "Bis dahin hat das Hygienekonzept der Liga sehr gut funktioniert", sagte Berlins Geschäftsführer Bob Hanning, der zugleich Vizepräsident des Deutschen Handballbundes und damit einem stetigen Interessenskonflikt ausgesetzt ist.

"Die Liga ist wichtiger als die WM", betonte Stuttgarts Trainer und Geschäftsführer Jürgen Schweikhardt. Erlangens Aufsichtsratsvorsitzender Carsten Bissel teilt diese Ansicht und erwägt daher, keine Nationalspieler für die XXL-Endrunde mit 32 Mannschaften abzustellen. "Aus dem Bauch heraus denke ich, dass wir in einer solchen Situation nicht dazu verpflichtet werden können", sagte er der "Süddeutschen Zeitung" (Samstag) und betonte: "Wenn man Hunderte von Spielern in ein solches Abenteuer schickt, wird ein Großteil infiziert zurückkommen. Das hat mit Sorgfaltspflicht für Spieler nichts zu tun. Der Zeitpunkt ist Irrsinn."

Für den Verband ist eine WM-Absage laut Vorstandschef Mark Schober derzeit "kein Thema". DHB-Kapitän Uwe Gensheimer, der gegen Lemgo mit fünf Toren bester Löwen-Werfer war, betonte: "Für den Handball hat solch ein Großturnier einen immens hohen Stellenwert. Da haben wir einfach die größte Strahlkraft mit der Nationalmannschaft, um unsere Sportart zu präsentieren. Das hilft uns enorm. Wir brauchen dieses Turnier unbedingt."

Neben der Werbung für den Handball geht es auch um viel TV-Geld. "Für unseren Sport ist die Nationalmannschaft elementar wichtig, weil sie Millionen Zuschauer vor die Fernseher zieht", betonte DHB-Vize Hanning in der ARD. Er hält die Austragung des Turniers in einer Blase für "viel sicherer, als in Europa herumzureisen". Doch es gibt auch viele kritische Stimmen wie von Nationalspieler Hendrik Pekeler, der sich zuletzt offen gegen die EM-Qualifikationsspiele ausgesprochen hatte.

Liga-Boss Uwe Schwenker fordert daher vom DHB, die Spieler bei der Entscheidung einzubeziehen. "Wir können nicht über Köpfe hinweg entscheiden. Die Gesundheit ist das oberste Gut", sagte er der "Bild am Sonntag". Zwar weiß auch Schwenker um die Strahlkraft der WM. Aber: "Wir haben eine Fürsorgepflicht den Spielern gegenüber. Wir müssen das Thema diskutieren, es muss im November erneut auf den Plan kommen."

© dpa-infocom, dpa:201115-99-339546/4

dpa