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Chronik 70.000 Menschen demonstrieren gewaltfrei auf dem Ring
Thema Specials 30 Jahre Friedliche Revolution Chronik 70.000 Menschen demonstrieren gewaltfrei auf dem Ring
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18:33 07.09.2019
70.000 Menschen demonstrierten friedlich in der Leipzig und marschierten über den Innenstadtring, hier an der "Blechbüchse" vorbei. Quelle: Uwe Pullwitt

Es ist der erste Montag nach dem 40. Jahrestag der DDR. In Erwartung der Montagsdemonstration nimmt die politische ­Spannung in der Stadt zu. Etwa 1000 Einsatzkräfte der Schutz- und Bereitschaftspolizei, der VP-Schule Aschersleben sowie der Kampfgruppen werden in der ­Innenstadt zusammengezogen.

Am Vormittag veröffentlichen drei kirchliche Arbeitskreise einen Aufruf zur Gewaltlosigkeit. Gewandhauskapellmeister Kurt Masur gelingt es, die SED-Bezirkssekretäre Kurt Meyer, Jochen Pommert und Roland Wötzel ebenfalls zu einem gemeinsamen Appell zu bewegen. Beteiligt sind auch der Kabarettist Bernd-Lutz Lange und der Theologe Peter Zimmermann. Im Aufruf der „Leipziger Sechs“, ver­lesen von Masur selbst und per Stadtfunk verbreitet, heißt es: „Wir alle brauchen freien Meinungsaustausch.“ Man ­wolle sich gemeinsam für den Dialog einsetzen und bitte dringend um Besonnenheit.

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30 Jahre Friedliche Revolution

Die SED-Stadtleitung beordert am frühen Nachmittag einige Hundert Parteimitglieder in die Nikolaikirche, damit die Kirche bereits voll besetzt ist, wenn die Teilnehmer des Friedensgebetes eintreffen. Pfarrer Christian Führer öffnet die Aufgänge zu den Emporen deshalb erst am Beginn des Friedensgebetes.

Demonstranten auf dem Augustusplatz, im Hintergrund die Leipziger Oper. Quelle: Martin Naumann

Friedensgebete finden an diesem Montag in der Nikolai-, Michaelis- sowie in der Reformierten Kirche statt und erstmals auch in der Thomaskirche. Anschließend versammeln sich mehr und mehr Menschen auf dem Karl-Marx-Platz (heute wieder Augustusplatz). Volkspolizei und Stasi sehen sich ­ 70 000 Bürgerinnen und Bürgern gegenüber, die „Wir sind das Volk“ und „Keine Gewalt!“ rufen. Die Menge setzt sich auf dem Leipziger Stadtring in Bewegung.

„Wir bitten Sie dringend um Besonnenheit, damit der friedliche Dialog möglich wird.“ 

Kurt Masur, Gewandhauskapellmeister, im Aufruf der „Leipziger Sechs“

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