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Themen Programm im Überblick: Das passiert heute rund um das Lichtfest in Leipzig
Thema Specials 30 Jahre Friedliche Revolution Themen Programm im Überblick: Das passiert heute rund um das Lichtfest in Leipzig
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10:48 09.10.2019
So könnte es am Mittwochabend an der „Runden Ecke " aussehen: Plakate mit Aufschriften wie „Keine Gewalt!" und Menschen, die sich freuen, dass die Friedliche Revolution vor 30 Jahren geglückt ist. Diese Aufnahme entstand vor wenigen Tagen bei einer Probe für den Lichtraum an der „Runden Ecke“. Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

Mit einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm wird in Leipzig am Mittwoch an die große Montagsdemonstration vom 9. Oktober 1989 erinnert. Wegen des 30. Jahrestages der Friedlichen Revolution ist ab 16 Uhr der Innenstadtring für den Individualverkehr komplett gesperrt. Aufgrund der Aufbauarbeiten kann es schon ab 13 Uhr zu Beeinträchtigungen und Sperrungen kommen. Außerdem werden zwischen 16.30 und 1 Uhr alle Straßenbahnlinien sowie die Buslinien 72, 73 und 89 im Bereich der Innenstadt umgeleitet.

Besucher erreichen die City aber über die Haltestellen Johannisplatz, Hofmeistersstraße, Wilhelm-Liebknecht-Platz, Lortzingstraße, Westplatz, Härtelstraße und Wilhelm-Leuschner-Platz/Peterssteinweg. Die S-Bahn verkehrt derweil regulär. Aufgrund der erwarteten Besucherströme wird aber vor allem der Wilhelm-Leuschner-Platz als Ausstieg empfohlen. (Hier gibt es alle Verkehrseinschränkungen im Überblick)

Wer es bis in die City schafft, den erwartet dort ein besonders buntes Veranstaltungsprogramm:

Gewandhaus: Der zentrale Festakt von 11 bis 12.50 Uhr ist nur für Gäste mit einer persönlichen Einladung gedacht. Dort hält Bundespräsident Frank-Walter-Steinmeier (SPD) die Rede zur Demokratie, die ehemalige DDR-Bürgerrechtlerin Freya Klier wird als Festrednerin erwartet. Der Festakt wird live im ZDF übertragen.

Nikolaikirche: Das traditionelle Friedensgebet findet von 17 bis 18 Uhr statt und trägt die Überschrift „Den Klang der Hoffnung spüren“. Erstmals wird das neue Geläut der Kirche zu hören sein. Die Predigt hält der Leipziger Superintendent Martin Henker. Das MDR-Fernsehen überträgt live.

Augustusplatz: Dort beginnt um 19 Uhr der Höhepunkt des Tages – das Lichtfest. Bis 24 Uhr wird die historische Demonstrationsstrecke in Szene gesetzt und der gesamte Innenstadtring zu einem Lichtring. In den ausgewählten „Lichträumen“ sind zwischen 20 und 22 Uhr kurze Licht-Sequenzen zu sehen – also in der Nikolaikirche, am Nikolaikirchhof, im Park am Schwanenteich hinter der Oper, an der „Runden Ecke“, am Goerdeler-Denkmal neben dem Neuen Rathaus und im Schillerpark (die LVZ berichtete).

Am Montag ist in Leipzig im Park und Innenhof der ehemaligen Stasizentrale der vierte Lichtraum zum Lichtfest eröffnet worden.

Markt: Dort können interessierte Leipzigerinnen und Leipziger als Zeitzeugen aktiv werden und ihre ganz persönlichen Geschichten zum Herbst 1989 und zur Friedlichen Revolution erzählen. Das Zeitzeugen-Mobil des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig bietet die Möglichkeit, zwischen 13 und 20 Uhr vor der Kamera zu berichten. Mit dabei ist ein Team des Zeitzeugenportals der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, das seine Arbeit vorstellt sowie für Fragen zur Verfügung steht und auf Anregungen eingeht.

„Runde Ecke“:Ab 8.30 Uhr ist an diesem Mittwoch in der Gedenkstätte die Schülerveranstaltung „Der 9. Oktober 1989 – Tag der Entscheidung“ zu erleben. Schüler ab der 8. Klasse können im Rahmen der zweistündigen Veranstaltung mit Film, Zeitzeugengespräch und Ausstellungsführung an einem Originalschauplatz der Friedlichen Revolution mehr über diesen Tag und seine Hintergründe erfahren. Im Anschluss an das Lichtfest auf dem Augustusplatz sind von 19 bis 23 Uhr die original erhaltenen Räumlichkeiten der ehemaligen Bezirksverwaltung der Staatssicherheit geöffnet, sodass sich Besucher die Ausstellungen „Stasi – Macht und Banalität“ und „Leipzig auf dem Weg zur Friedlichen Revolution“ ansehen oder an einer der ständigen Führungen teilnehmen können. Direkt am „Lichtring“ gelegen, ist die Gedenkstätte als authentischer Ort zu erleben.

Stasi-Unterlagen-Archiv: Das ebenfalls in der „Runden Ecke“ untergebrachte Archiv lädt von 20 bis 23 Uhr zu einer Nacht der offenen Tür ein. In ihm ist dokumentiert, wie der Machtapparat der DDR-Diktatur gegen die Menschen vorging, die für Freiheit und Bürgerrechte auf die Straße gingen. Rundgänge durch das Archiv, Musterakten, Ausstellungen und Filme führen die Zeit vor Augen.

Ehemalige Stasi-Zentrale hinter der „Runden Ecke“: Im Innenhof zwischen Dittrichring und Großer Fleischergasse werden von 18 bis 24 Uhr historische Original-Aufnahmen der entscheidenden Demonstrationen vom 7. und 9. Oktober 1989 projiziert.

Schulmuseum: Im Neubau im Goerdelerring 20 gleich neben der „Runden Ecke“ wird von 20 bis 23 Uhr eine „Werkstatt für Schulgeschichte“ angeboten. Besuchern wird erläutert, wie Schule und Erziehung unter den Bedingungen eines Obrigkeitsstaats und der demokratischen Öffnung sein können. Gezeigt werden auch Ausstellungen zur Schule in der SED-Diktatur und zum Widerstand von Schülern und Lehrern. Eine Führung durch diese Dauerausstellung wird um 22.30 Uhr angeboten. Zeitgleich findet eine Führung zum Thema „Führerkult und Klassenkampf: Schule und Politik im 20. Jahrhundert“ statt.

Hauptbahnhof-Osthalle: Der Künstler Philippe Morvan (Lyon) zeigt von 10 bis 22 Uhr seine Licht- und Toninstallation „LeipzigBerlin“, in deren Zentrum 1000 Retro-Taschenlampen spannende Lichteffekte erzeugen. „LeipzigBerlin“ soll im Anschluss in Berlin zu sehen sein und so den Weg von der Freiheit zur Einheit nachzeichnen.

Buchhandlung Lehmann: Von 15.30 bis 19 Uhr wird in der Grimmaischen Straße 10 mit dem 89er-Demo-Transparent „Für ein offenes Land mit freien Menschen“ ein Reprint des Original-Flugblattes der Leipziger Basisgruppen vom 9. Oktober 1989 verteilt. Dort wird auch das Buch „Die unheimliche Leichtigkeit der Revolution – Wie eine Gruppe junger Leipziger die Rebellion wagten“ vorgestellt. Es schildert die Ereignisse von damals und wird von beteiligten Protagonisten wie Gesine Oltmanns und Uwe Schwabe sowie vom Autor Peter Wensierski gelesen und signiert.

SPD-Bürgerbüro „Jedermanns“: In der Georg-Schumann-Straße 133 ist die Ausstellung „Von der Friedlichen Revolution zur Deutschen Einheit“ zu sehen. Sie erinnert an den Protest gegen die Fälschung der DDR-Kommunalwahlen, an die Fluchtbewegung im Sommer und die Massenproteste im Herbst, die die SED-Diktatur in die Knie zwangen. Sie berichtet von der Selbstdemokratisierung der DDR, der deutsch-deutschen Solidarität und den außenpolitischen Weichenstellungen bis zur Wiedererlangung der Deutschen Einheit. Die Schau ist bis zum 17. Januar immer montags, dienstags, mittwochs und freitags, jeweils von 10 bis 15.30 Uhr, zu besichtigen.

Von Andreas Tappert

Zum Lichtfest am 9. Oktober ist seit dem Nachmittag der Innenstadtring für den Individualverkehr gesperrt. Die Stadt empfiehlt auf Bus und Bahn umzusteigen. Es gilt ein Sonderlinienplan.

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