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Köpfe Der HMT-Rektor und sein Stück Paris in Leipzig
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22:08 15.12.2015
Seinen Lieblingsplatz hat Professor Martin Kürschner im Leipziger Musikviertel gefunden. Regelmäßig stattet er der Épicerie "Petite Marieke" einen Besuch ab. Besonders schätzt er hier das französische Flair – und das gute Essen. Quelle: Stefan Wittmann
Leipzig

Wenn Professor Martin Kürschner die „Petite Marieke“ betritt, wirkt es fast so, als käme der 62-Jährige zu guten Freunden in ein Wohnzimmer, das er fast so gut kennt wie das eigene. Alles scheint vertraut. Mit dieser Vertrautheit sitzt Kürschner in der Épicerie – halb Feinkostladen, halb französisches Restaurant – vor dem hellen Weinregal und trinkt seinen Kaffee.

Seit er die Épicerie entdeckt hat, schaut er regelmäßig vorbei, mittlerweile fast jede Woche. Er schätzt die Nähe zur HMT und die Abwechslung beim Essen: „Das habe ich noch nirgendwo erlebt, dass ich in ein Restaurant komme und kann essen, was ich will und es schmeckt immer gut und ist immer anders. Dieser Fantasiereichtum gefällt mir sehr.“

Sogar Familienfeste feiert Kürschner in der „Petite Marieke“, wie zum Beispiel die Konfirmation seiner Kinder: „Dann wird hier für die Öffentlichkeit geschlossen, eine tolle Tafel aufgebaut und Familie Weiskirchen macht ein Essen.“

Der Inhaber der Épicerie, Thomas Weiskirchen, hat sich mit seiner Frau vor sechs Jahren den Traum vom eigenen Gastronomiebetrieb erfüllt. Bis heute schmeißen sie den Laden an der Ecke Mozartstraße/Ferdinand-Rhode-Straße allein. Mehrmals im Jahr fahren die beiden nach Frankreich und bringen von dort neue Rezeptideen, Weine und damit ein Stück der französischen Atmosphäre nach Leipzig, die Martin Kürschner so mag.

Von ungefähr kommt dessen Frankophilie nicht: In der zwölften Klasse war der gebürtige Hanauer das erste Mal mit einem Chor in Paris. Frankreich wurde für ihn auch zu einem beliebten Urlaubsland. Mit Freunden und seiner Familie reiste Kürschner mehrmals quer durchs Land in die Bretagne, die Pyrenäen, das Bordelais und das französische Zentralmassiv. Als Stipendiat kam er 1990 für ein Jahr nach Paris in die „Cité international des Arts“, einen Gebäudekomplex, in dem Künstler während ihres Studienaufenthalts wohnen können und gefördert werden. Zudem arbeitete er am „Institut de Recherche et Coordination Acoustique/Musique“ (IRCAM). Spätestens in dieser Zeit seien ihm französisches Essen und französischer Wein ans Herz gewachsen. 2012 war Kürschner das bis dato letzte Mal für einen Kongress zu Gast in der Grande Nation.

Dank der Épicerie gibt es für ihn aber auch in Leipzig ein Stück Frankreich. Wer Paris kennt, könne sogar ein paar Parallelen zur französischen Hauptstadt entdecken: „Paris ist natürlich viel hektischer und viel internationaler. Aber da es hier viele französische Speisen und Weine gibt und es auch sehr ungezwungen zugeht, weckt das schon Erinnerungen.“ Und wenn in der Mittagszeit die Juristen aus dem nahegelegenen Bundesverwaltungsgericht und Dozenten und Studierende aus den beiden künstlerisch geprägten Hochschulen HMT und HGB in der „Petite Marieke“ essen, spürt man sogar einen Hauch Pariser Hektik.

Von Anton Zirk

Dozenten, Mitarbeiter und Studenten der Leipziger Hochschulen stellen in dieser Serie ihren Lieblingsort vor. Und erzählen, warum sie gerade diesen Platz mögen. Professor Martin Kürschner ist seit Juli 2015 Rektor der „Hochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn Bartholdy“ (HMT). Von 2001 bis 2006 war er in Leipzig Professor für Musik und Komposition, später Dekan. Mit der Épicerie „Petite Marieke“ hat er ganz in der Nähe der HMT einen persönlichen Rückzugsort gefunden.

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