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Lehre & Forschung Apothekergarten der Uni Leipzig: Ein lehrreiches Idyll
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14:49 18.07.2018
Unweit des Botanischen Gartens liegt der Apothekergarten. Im „hortus medicus“ lernen Studierende etwas über die heilende Kraft der Natur. Quelle: Madina Kurmangali
Leipzig

In den Monaten Mai und Juni zeigt sich der Leipziger Apothekergarten von seiner schönsten Seite. Entlang der schmalen Pfade gedeihen verschiedenste Pflanzen, in Reihen gesetzt, systematisch beschriftet. Üppiges Grün wird hier und da durch die bunten Blüten einiger Heilpflanzen durchbrochen, im Hintergrund rauscht das Wasser eines Springbrunnens. Es ist ein Idyll, in dem Martin Freiberg arbeitet.

Pflanzen für die Heilung von Menschen und Tieren

Freiberg ist Wissenschaftlicher Leiter des Botanischen Gartens der Universität Leipzig, der sich unweit des Apothekergartens befindet. Gerade jetzt im Sommer führt er häufig Studenten entlang der schmalen Pfade. Währenddessen erklärt er ihnen, was den Garten ausmacht: „Das Besondere ist, dass er nach Inhaltsstoffen systematisiert ist.“

Dabei sei es für viele Studierende interessant zu sehen, „in welcher Breite die Pflanzen für die Heilung von Menschen und Tieren zur Verfügung stehen“, sagt Freiberg.

Eine lange und wechselhafte Geschichte

Das Wissen darum ist Jahrhunderte alt und auch der Leipziger Apothekergarten blickt auf eine lange, wechselhafte Geschichte zurück. Ursprünglich befand er sich am Augustusplatz im Herzen der Stadt, gleich hinter der Paulinerkirche, wo heute das neu eingeweihte Paulinum steht.

In den Wirren des Dreißigjährigen Krieges, der im 17. Jahrhundert auch in Leipzig tobte, wurde der Apothekergarten an den Ort verlegt, an dem heute das Bundesverwaltungsgericht ansässig ist.

Seit mehr als 125 Jahren im Südosten der Stadt

Doch auch das neue Zuhause war nur von kurzer Dauer. Aufgrund widriger Bodenverhältnisse – für den Apothekergarten war es hier zu feucht – wurde der Garten erneut verlegt.

Seit etwa 1890 befindet er sich nun in der Nähe des Botanischen Gartens im Südosten der Stadt, zwischen Friedenspark und Johannisallee.

Die Digitalisierung ist im Apothekergarten angekommen

Dort steht das grüne Idyll allen Besuchern offen. Vor allem ist der Garten aber nach wie vor ein Ort der Lehre, wie Karin Fester, Professorin für Pharmazeutische Biologie an der Uni Leipzig, erläutert: „Während eines Praktikums sammeln die Studierenden verschiedenste Pflanzen und bestimmen anhand eines Schlüssels, um welche Art von Pflanzen es sich genau handelt.“

Zusätzlich lernen die Studierenden, wie arzneinutzbare Stoffe aus der Pflanze extrahiert werden. Die Pflanzenbestimmung funktioniert analog genauso wie digital.

Pflanzenbestimmung: analog und digital

Denn auch der traditionsreiche Apothekergarten wird von der Digitalisierung nicht ausgenommen. Peter Marquardt, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Pharmazie, erklärt: „Seit neuestem gibt es eine App zur Pflanzenbestimmung. Dabei wird die Pflanze mit dem Smartphone fotografiert. Im Anschluss lässt sich über eine Datenbank die Art bestimmen.“

Er betont allerdings, dass dies nur als Handreichung für Studierende diene.

Ein lehrreiches Idyll

Mit seiner die Jahrhunderte überdauernden Geschichte ist der Apothekergarten ein Zeuge des Wandels in der Stadt. Gleichzeitig ist er auch ein Ort der Lehre, an dem junge Menschen einen Bezug zur Heilkraft der Natur gewinnen können: Der Apothekergarten ist ein lehrreiches Idyll inmitten von Leipzig.

Von Madina Kurmangali

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