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Lehre & Forschung Präventionsprojekt „Mit Sicherheit verliebt“ an Leipzigs Schulen
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16:44 30.06.2017
Die Studierenden geben Sexualaufklärungsunterricht an Schulen. Quelle: Josi Oelze
Leipzig

Einmal im Monat treffen sich in Leipzig etwa 20 Studierende aus verschiedenen Fachrichtungen und diskutieren über Themen rund um Sexualität. Mit ihrem Wissen gehen sie dann an Schulen in und um Leipzig und leisten dort Aufklärungsarbeit. „Mit Sicherheit verliebt“, ein Projekt der Bundesvertretung der Medizinstudierenden e.V., gibt es in mehr als 30 Städten, seit vier Jahren nun auch in Leipzig. Helene Nenoff (26) studiert im zehnten Semester Medizin an der Universität Leipzig und ist seit Projektbeginn dabei.

LVZ Campus: Warum engagierst du dich in dem Projekt „Mit Sicherheit verliebt“?

Helene Nenoff: Meine Sexualaufklärung früher in der Schule war sehr schlecht. Der Unterricht ist ausgefallen, weil meine Biologielehrerin schwanger war. Die Vertretung hat dann ein Sportlehrer übernommen, dem wir ein paar Fragen stellen konnten. So entstehen bei den Schülern natürlich Wissenslücken. Ich merke immer wieder, wie groß die Unsicherheiten selbst unter Medizinstudentinnen sind – zum Beispiel, wann exakt die fruchtbaren Tage sind oder wie genau die Pille funktioniert. Das ist auch der Grund, weshalb ich bei „MSV“ mitmache – um das Wissen präventiv an Jugendliche weiterzugeben.

Helene Nenoff, 26, Medizinstudentin Quelle: Kolja Eckert

Welche Themen stehen bei „MSV“ im Mittelpunkt?

Wir sprechen vor allem über die körperliche Entwicklung, verschiedene Verhütungsmethoden und sexuell übertragbare Krankheiten. Eine Chlamydien-Infektion zum Beispiel ist die häufigste sexuell übertragbare Krankheit in Deutschland – deshalb finde ich es super wichtig, darüber zu reden. Wird sie nicht behandelt, kann sie bei Frauen sogar zu Unfruchtbarkeit führen. Aber auch andere Krankheiten sind ein Thema wie Syphilis, da steigt die Infektionsrate in Leipzig. Außerdem wollen wir falsche Behauptungen aus der Welt schaffen – zum Beispiel, dass man sich angeblich durchs Küssen mit HIV anstecken könnte.

Welchen Umgang mit Sexualität wollt ihr vermitteln?

Mir ist es wichtig, dass man keine Vorschriften macht. Letzten Endes können wir nur Wissen vermitteln, aber jeder kann mit dem Wissen selbstbestimmt umgehen. Wenn das sein oder ihr Wunsch ist, ohne Kondom miteinander zu schlafen, dann ist das auch okay, solange man die Risiken kennt und diese einschätzen kann. Das Wichtige ist, sein Recht auf Selbstbestimmung wahrzunehmen – natürlich ohne das Recht des Partners zu beschneiden. Eigentlich ein ganz grundsätzliches menschliches Thema, aber das gilt für Sexualität nochmal ganz besonders. Bei der Sexualaufklärung wird auch ganz viel Angst gemacht, aber um Angst finde ich, sollte es nicht gehen.

Marlen Schernbeck

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