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19:51 26.09.2016
Bis Mitte Dezember ist im Neuen Augusteum eine Ausstelung zum Thema „Psychologie in Leipzig – Geburt einer Wissenschaft" zu sehen. Quelle: Markus Lücker
Leipzig

Ich habe vier Minuten Zeit - in denen muss ich eine Seite Text Korrektur lesen und die Fehler rot anstreichen. Der Text ist seltam – SäTze sehhen dort meIst sso auS. Ich brauche letztendlich drei Minuten und 14 Sekunden – übersehen habe ich von etwa 100 Fehlern vier. Das sollte natürlich besser nicht passieren; aber es ist ja auch nur ein Experiment, das ich als Besucherin gerade in der Ausstellung „Psychologie in Leipzig – Geburt einer Wissenschaft" im Neuen Augusteum durchführe.

Durch Versuche wie diesen werden in der experimentellen Psychologie alltägliche Stresssituationen simuliert. Das Korrektur-Experiment ist eine Form der Leistungsdiagnostik. Hätte ich eine Aufmerksamkeitsdefizits-/Hyperaktivitätsstörung, also ADHS, wäre es kaum möglich, die vier Minuten einzuhalten. Denn so wird besonders die Fähigkeit zur selektiven Aufmerksamkeit erfasst und die ist bei einer solchen Störung nicht in dem Maße gegeben. Die Galerie im Neuen Augusteum der Universität ist klein, die Ausstellung ist überschaubar. Durch die Experimente und die dazugehörigen Tafeln ist es aber keineswegs langweilig. Die Ausstellung möchte die Geschichte und Gegenwart der Psychologie darstellen – passend dazu fand vergangene Woche der 50. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychologie an der Universität statt.

Psychologie-Experimente zum Mitmachen

Auch ein zweites Experiment befasst sich mit der Aufmerksamkeit des Menschen: Auf einem Bildschirm werden mir abwechselnd Bilder gezeigt: erst eine Pistole, daneben stehen die Worte „Hund“ und „Pistole“ und ich höre eine Trommel im Hintergrund. Jetzt muss ich so schnell wie möglich das Wort anklicken, das den abgebildeten Gegenstand bezeichnet – gar nicht so einfach, denn hier wird gezeigt, wie Wissen abgerufen wird. Geräusche, geschriebene Wörter und Bilder arbeiten alle in Wechselwirkung, wenn Bedeutung im Gehirn begriffen wird.

Der Name Wilhelm Wundt zieht sich durch den Raum. Kein Wunder – war er schließlich derjenige, der 1879 in Leipzig das weltweit erste empirisch-methodisch orientierte Psychologie-Institut gründete. Einer von Wundts Schwerpunkten war die Völkerpsychologie – ein Forschungsbereich, den heute die Ethnologie und Kultursoziologie abdecken – und eine seiner Erkenntnisse fast schon feministisch: Das Verhältnis der Geschlechter ist laut Wundt nicht biologisch vorgegeben, sondern durch kulturelle Begebenheiten und psychologische Mechanismen bestimmt. Die Ausstellung bietet einen aktuellen Bezug zu seiner These: In einer Studie haben Forscher 2009 herausgefunden, dass der eigene soziale Status bestimmt, wie Männer über Gleichberechtigung denken. Männer, denen vorher gesagt wurde, dass es immer mehr Frauen in beruflichen Männerdomänen gebe und ihr eigener sozialer Status bedroht sei, haben später eher geglaubt, dass Geschlechterunterschiede vor allem biologisch zu erklären seien. Männer, die sich nicht bedroht fühlten, glaubten das weniger.

Wilhelm Wundt im Fokus der Ausstellung "Psychologie in Leipzig"

Nicht nur Texttafeln und Experimente füllen den Raum – ein Nachbau des Schreibtisches von Wilhelm Wundt und originale historische Gegenstände schmücken den Raum. Messgeräte, die aus heutiger Sicht eher nach Folterinstrumenten aussehen, wie eine „Lippenschüssel“, die die Reaktion der Lippen aufzeichnete. Briefe und andere persönliche Gegenstände von Wilhelm Wundt wechseln sich ab mit neuen Erkenntnissen der Psychologie. Zum Beispiel geht es um experimentelle Ästhetik: An einer Station zeichnet ein Gerät, ein sogenannter Eyetracker, meine Augenbewegungen auf und zeigt, welche Stellen eines Bildes ich wie lange betrachtet habe. Anschließend wird wissenschaftlich erklärt, was auch Laien schon mal gehört haben: dass Symmetrie und klare Formen meist als schön und angenehm empfunden werden. Das Thema hat Wundt schon 1875 untersucht – nur ohne Eyetracker.

Zwischen den historischen Gegenständen und den Experimenten liegen außerdem ein paar Bücher herum: „Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken“, „Warum Männer immer Sex wollen und Frauen von der Liebe träumen“ – da schien Wilhelm Wendt im 19. Jahrhundert schon weiter gewesen zu sein. Er bezeichnete das als naturgegeben wahrgenommene Patriarchat als Geschlechtsegoismus.

Die Ausstellung ist vom 14.9. bis zum 16.12. im Neuen Augusteum zu sehen. Sie wurde von der Kustodie der Universität Leipzig gemeinsam mit dem Institut für Psychologie organisiert.

Sarah Emminghaus

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