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Coronavirus Kosmetikerin: Froh, dass sie nur kleinen Salon am Leipziger Stadtrand hat
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18:11 26.03.2020
Kosmetikerin Kerstin Schrey aus Böhlitz-Ehrenberg. Die Soloselbstständige hat ihren Salon geschlossen. Quelle: Kerstin Decker
Leipzig

Kosmetikerin Kerstin Schrey aus Böhlitz-Ehrenberg ist seit 25 Jahren selbstständig. Jetzt hat sie ihren Salon für unbestimmte Zeit geschlossen, sogar schon ein paar Tage, bevor die amtliche Verfügung kam. Als sie die ersten erkälteten Kunden auf der Liege hatte, begann es bei ihr im Kopf zu rattern. „Die Verantwortung war mir zu groß, schließlich komme ich der Kundschaft bei der Behandlung auf 30 bis 40 Zentimeter nahe. Ich habe viele ältere, chronisch kranke Kunden und gehöre auch selbst zu einer Risikogruppe.“

Kerstin Schrey hat ihr Kosmetikstudio geschlossen und informiert die Kunden mit einem Aushang. Quelle: Kerstin Decker

„So gut wie uns wird niemandem geholfen“

Die Leipzigerin gehört zu den Soloselbstständigen, deren berufliche und private Existenz ohne Einnahmen ganz schnell bedroht ist. Dennoch fühlte sie sich erleichtert, als sie sich zum Schließen durchgerungen hatte. Viele treue Stammkunden boten Hilfe an, wünschten alles Gute und versicherten, dass sie nach der Corona-Krise wiederkommen: „Das beruhigt unheimlich. Ich bin positiv eingestellt, mache mir keine großen Sorgen. So gut wie uns hier in Deutschland wird doch niemandem geholfen. Und Geld ist nicht alles.“

Ware muss noch bezahlt werden

Die 60-Jährige ist alleinstehend, verdient ihren Lebensunterhalt alleine. Die beiden Söhne sind erwachsen und aus dem Haus. Gerade hatte sie noch Ware für 1700 Euro eingekauft, die sie noch bezahlen muss: „Da hoffe ich auf das Entgegenkommen meiner Partnerfirma.“ Mit finanzieller Unterstützung von Freunden kann sie etwa zwei Monate durchhalten. Der angekündigte Soforthilfefonds für Kleinstunternehmer würde ihr helfen: „Sobald es bei der Handwerkskammer die Informationen gibt, werde ich das Geld beantragen. Ich hoffe, dass es dann relativ unbürokratisch geht.“

Jetzt ist Kerstin Schrey übrigens froh, dass sie keinen Edelsalon in der Innenstadt hat, der ihr schlaflose Nächte bereiten würde. Sondern einen kleinen Salon mit zwei Behandlungsplätzen am Stadtrand von Leipzig, wo die Miete erschwinglich ist. Es gab Zeiten, da hätte sie sich einen anderen Standort gewünscht.

Ihre eigene Mutter darf sie nicht besuchen

Alle hochwertigen Pflegeprodukte hat sie vorerst weggeräumt. Denn oft wird sie nicht in Böhlitz-Ehrenberg sein. Langweilig geworden ist ihr zu Hause noch nicht. „Ich habe so viel gearbeitet in meinem Leben, dass ich jetzt viele Dinge nachhole.“ Auf dem Balkon in der Sonne sitzen, mit dem Kater kuscheln, lesen. Oder ausführlich mit Kunden telefonieren, die alt und krank sind und niemanden zum Reden haben. Kerstin Schreys eigene 88-jährige Mutter lebt im Altenheim. Dass sie sie nicht besuchen darf, setzt ihr sehr zu, „aber wir telefonieren täglich“. In drei Monaten, so hofft sie, ist das Schlimmste vorbei und sie kommt über die Runden ohne einen Bankkredit, der ihr später zur Last fällt. „Denn doppelt arbeiten kann ich dann auch nicht.“

Von Kerstin Decker

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