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Wir halten zusammen Lederwarenfachgeschäft „Atelier Jeannette“ trotzt der Krise
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12:40 18.05.2020
Kay Schmitt und Vater Erich Schmitt teilen eine Leidenschaft – die für feinste Lederwaren. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Mit einer Liebesgeschichte fing es an und eine große Liebe ist es bis heute geblieben – eine Liebe zur Familie, eine Liebe zu hochwertigen Lederwaren und eine Liebe zur Messestadt Leipzig.

Seit fast 20 Jahren führen Vater und Sohn Schmitt das Lederwarengeschäft „Atelier Jeannette“ in Barthels Hof. Ein kleiner, feiner Laden, der in Zeiten von Online-Shopping und Billigimporten auf zwei wichtige Standbeine setzt: Qualität der angebotenen Produkte und exzellente Beratung. Beides wissen die Stammkunden zu schätzen und beides sorgt auch in der aktuellen Corona-Krise für einen relativ beständigen Kundenstrom. Rund vier Wochen war das Geschäft geschlossen. „Aber wir sind ein kleiner Familienbetrieb, ohne Angestellte, da halten sich die Kosten in Grenzen“, erklärt Kay Schmitt, der gemeinsam mit Vater Erich „den Laden schmeißt“. Mit seinen 78 Jahren steht der Senior immer noch jeden Tag im Geschäft, „aus Passion und Leidenschaft“, wie er selbst sagt.

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Das Mädchen aus dem Osten und der Junge aus dem Westen

Erich ist auch derjenige, der das „Atelier Jeannette“ gründete, allerdings schon viel früher und auch nicht mit Jeannette, sondern mit Evelyne – einer jungen Leipzigerin, in die sich der damals 18-jährige Bub aus dem Spessart verliebte. Das war 1960. Zwar heirateten das Mädchen aus dem Osten und der Junge aus dem Westen schon ein Jahr später, doch es sollte noch zwei Jahre dauern bis Evelyne zu ihrem Erich nach Bad Soden-Salmünster ausreisen durfte. Sohn Kay war da bereits geboren.

Erich arbeitete zu der Zeit als Vertreter für Kosmetikartikel. Das magere Gehalt besserte die Familie mit der Fertigung von Lederhaarbändern auf. Bald suchte Erich ein drittes Standbein und kam auf die Idee Toiletten-, Schmink- und Badetaschen zu fertigen. Das Geschäft lief sehr erfolgreich und schon bald wurde das erste Fabrikgebäude im Wohnort gebaut. Jetzt musste noch ein Markenname her. Da traf es sich gut, dass in Leipzig gerade die kleine Nichte Jeannette geboren war – und so erblickte kurz nach ihr im 250 Kilometer entfernten Bad Soden-Salmünster auch das „Atelier Jeannette“ das Licht der Welt.

Lieferungen für KaDeWe und Harrods

Nach gerade mal zwei Jahren beschäftigten die Schmitts bereits 30 Mitarbeiter im Betrieb und etwa 50 weitere in Heimarbeit, waren auf allen großen Messen vertreten, besaßen Repräsentationen in Österreich der Schweiz, Holland und Norwegen. Das Leder wurde hauptsächlich in Italien Frankreich und Deutschland gekauft, Stoffe auf Messen in Frankfurt, Bologna oder Paris geordert.

Die Geschäfte liefen jedes Jahr besser, das Unternehmen belieferte Parfümerieketten, aber auch internationale Luxuskaufhäuser wie das KaDeWe in Berlin, Harrods in London oder Neiman Marcus in den USA mit seinen Toilettentäschchen.

Gesellenstück: Kay Schmitt fertigte diese Abendtasche aus Krokodilleder Ende der 1970er als Abschlussarbeit seiner Ausbildung zum Feintäschner. Quelle: André Kempner

Dann kam die Wende. Die Familie besuchte regelmäßig die Verwandten in Leipzig und mietete im Sommer 2000 eine Wohnung in Barthels Hof. Da hier zu diesem Zeitpunkt viele Läden leer standen, beschloss man im selben Jahr zur Adventszeit einen temporären Verkauf einzurichten. Der Erfolg war so groß, dass die Familie den Laden ab 1. März 2001 dauerhaft mietete.

Inzwischen läuft das „Atelier Jeannette“ im Barthels Hof bereits seit 20 Jahren erfolgreich. Die eigene Produktion beschränkt sich mittlerweile auf wenige ausgewählte Produkte die auf Bestellung in einer kleinen Manufaktur bei Padua gefertigt werden. Mutter Evelyne ist vor zwei Jahren verstorben und neben ihren Eltern auf dem Friedhof Wahren beerdigt. Das Geschäft führen Vater und Sohn seitdem zu zweit weiter – ein Geschäft, das auch Krisen, wie die aktuelle Corona-Pandemie mit Herz und Leidenschaft für Produkt und Kunden erfolgreich trotzt.

Mehr Geschichten über Leipziger Unternehmen in der Corona-Krise finden Interessierte unter www.lvz.de/zusammen!

Von Annett Riedel

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