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Die Akte Unister Nur durch einen Zufall: Wagner-Vertrauter entgeht Absturz in Slowenien
Thema Specials Die Akte Unister Nur durch einen Zufall: Wagner-Vertrauter entgeht Absturz in Slowenien
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16:48 22.03.2017
Die Absturzstelle in Slowenien. Quelle: dpa
Leipzig

Im Prozess gegen Wilfried S. (69) wegen des Millionenbetrugs gegen Unister-Gründer Thomas Wagner (38) sollen am kommenden Dienstag erst die Plädoyers gehalten und am Nachmittag das Urteil gesprochen werden. Damit endet das Verfahren vor der 16. Strafkammer am Leipziger Landgericht bereits einen Tag früher als zunächst vorgesehen. Prozessbeobachter erwarten eine Verurteilung von S. mit einer mehrjährigen Haftstrafe. Der Geschäftsmann aus Unna sitzt bereits seit 28. Juli vergangenen Jahres in Untersuchungshaft, die auf eine mögliche Strafe angerechnet wird.

Am Mittwoch hörte sich die Kammer letztmals Zeugen in diesem Prozess an. Polizisten berichteten von ihren Ermittlungen und der Durchsuchung der 200 Quadratmeter großen Eigentumswohnung des Angeklagten in Unna. Bei S. und dem später beim Absturz tödlich verunglückten Heinz B. (65) nahmen die Beamten Akten und Computer mit und werteten später mit spezieller Software rund fünf Millionen Dateien aus, berichtete ein Mitarbeiter des Landeskriminalamtes.

Kammervorsitzender Norbert Röger verlas in der Verhandlung zudem zahlreiche E-Mails zwischen Thomas Wagner, B. und dem ehemaligen Leipziger Bankdirektor Karsten K., der ebenfalls als Vermittler zwischengeschaltet war. Die Korrespondenz belegt noch einmal, wie sich Wagner Stück für Stück an das Geschäft heranarbeitete. Ein Streitpunkt war eine Bearbeitungsgebühr für eine Kontoeröffnung in Venedig. Sie sollte bei 1,5 Prozent der Darlehenssumme von 15 Millionen Euro liegen, also bei 225.000 Euro. „Dafür gibt es keinen Grund“, so Wagner. Am Ende einigten sich beide Seiten auf 125.000 Euro.

"Zum Abi-Ball eingeladen"

Auch der Tag für das Geschäft war einige Zeit offen. „Am 15. Juli kann ich nicht, da bin ich bei meinem Stiefsohn zum Abi-Ball eingeladen“, erklärte B. vorsorglich. Alle Beteiligten legten sich schließlich auf den 13. Juli fest. Aus Sicherheitsgründen wussten Wagner und sein Mitgesellschafter Oliver Schilling (39) bis zum Schluss nicht, in welchem Hotel sie den angeblichen Israeli Levy Vass treffen sollen. Dass sie ihren Geschäftspartner im flughafennahen Hotel Antony Palace sehen werden, erfuhren sie erst vor Ort.

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Und auch das wurde durch die E-Mails deutlich: Thomas Wagner wollte noch einen weiteren Vertrauten aus seinem Umfeld mit nach Venedig mitnehmen. Deshalb war zunächst eine sechssitzige Chartermaschine geplant. Der Anbieter aus Sankt Augustin konnte mit so einem Flugzeug aber wegen Wartungsarbeiten nicht kurzfristig dienen. Wagner reiste deshalb in einem kleineren Modell nur mit Schilling, B. und dem Piloten nach Italien. Das Quartett kam auf der Rückreise beim Absturz der Piper PA-32 ums Leben. In Unisterkreisen wird über den unbekannten Dritten gerätselt. „Davon wussten wir bisher nichts“, so ein Insider.

Klar ist jetzt auch: Wagner stellte am Abend des Betrugs eine Anzeige bei der Flughafenpolizei. Zwischen 19 und 21 Uhr sagte er aus. Das Falschgeld habe den Aufdruck „Faksimile“ getragen, heißt es im Protokoll. Die italienischen Ermittler zogen die Blüten ein, gaben dem Unistermanager nur das echte Geld in 20 Scheinen zu je 1000 Schweizer Franken zurück, wovon bis heute die Hälfte verschwunden ist. Insgesamt war die Anzeige sehr kompakt abgefasst, mit den inzwischen bekannten Eckdaten. Über weitere mögliche Hintermänner in Deutschland machte Wagner demnach keine Angaben.

Letztes Wagner-Bild am Flughafen

Die Kammer begutachtete auch eine Reihe von Aufnahmen durch Überwachungskameras. Sie zeigen die deutschen Geschäftsleute vor und im Hotel, wartend vor einer Bank in Venedig und am Flughafen. Das letzte Foto von Wagner wurde kurz vor seinem tragischen Rückflug am 14. Juli gemacht. Zu sehen ist auch die Piper PA-32 auf dem Vorfeld des Flughafens. Vass ist dagegen nicht zu erkennen. Richter Röger merkte die teils sehr schlechte Qualität der Bilder an.

Zum Abschluss der Beweisaufnahme interessierte sich die Kammer für die persönlichen Verhältnisse des Angeklagten. Der nicht vorbestrafte S. gab bereitwillig Auskunft. Sein Werdegang im Schnelldurchgang: Realschulabschluss, kaufmännische Lehre, später leitende Tätigkeiten in mehreren Branchen im Außendienst. 1999 übernahm er selbstständig einen Betrieb für „therapeutische Liegehilfen“. Rund zehn Jahre später war das Unternehmen zahlungsunfähig. Der zweifache Vater bleibt auf 460.000 Euro Schulden sitzen, befindet sich heute in Privatinsolvenz und lebt von 1085 Euro Rente. Die großzügige Wohnung in Unna läuft auf den Namen seiner zweiten Frau und wurde Anfang des Jahres verkauft.

Matthias Roth

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