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Ein Licht im Advent Alltag in Meuselwitzer Kinder- und Jugend-Wohngruppe: Hier packen alle mit an
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Alltag in Meuselwitzer Kinder- und Jugend-Wohngruppe: Hier packen alle mit an

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18:30 21.11.2020
Die Kinder und Jugendlichen in der Wohngruppe haben sich die Arbeit aufgeteilt. Die Namensschilder an der Wand helfen dabei. Quelle: Foto: Mario Jahn
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Meuselwitz

Malern, gestalten, tapezieren: Bei den Kindern und Jugendlichen in der Meuselwitzer Mühlgasse ist seit dieser Woche Farbe im Spiel. Es wird renoviert in der Wohngruppe – eine frische Optik für den Flur im zweiten Obergeschoss. Geplant hatten die Bewohner und ihre Erzieher das schon länger. Seit in der obersten Etage, wo die Jugendlichen unter anderem Wohnzimmer und Küche haben, zwei ehemalige Wohnungen durch einen durchgängigen Flur verbunden wurden, stehen die Malerarbeiten auf der Liste. Und jetzt, da das Wetter draußen immer trüber und nasser wird, ist die beste Zeit dafür.

Mick bringt den Kleister auf die Tapete, Erzieherin Franziska Fischer hilft. Quelle: Mario Jahn

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Aufgabenverteilung per Wandhaken

Es packen alle mit an – drinnen die Jungs an der Tapetenbahn, draußen im Treppenhaus die Mädels beim Gestalten des Eingangsbereiches. Die Erzieher helfen mit. Nichts Ungewöhnliches in dieser Wohngruppe: Wenn es etwas zu tun gibt, sind alle gefordert. Erst recht im täglichen Miteinander. „Ich muss da so gut wie nichts sagen“, berichtet Erzieher Uwe Weiser und zeigt auf acht Haken an der Wand, aufgereiht an einer Holzleiste. An jedem Haken eine Bezeichnung: „Küche wischen“, „Treppe kehren“, „Aufwasch“ – und an jedem hängt ein Namensschild. „Die Kinder sehen, wer mit was gerade dran ist. Das wird dann erledigt“, erzählt Uwe Weiser.

Katharina (links) und Selina gestalten den Eingangsbereich mit Blütenkelchen und Kolibris in kräftigem Rot. Quelle: Mario Jahn

Die Zeit für solche Hausarbeiten ist meistens abends. Täglich wird gekehrt und der Müll rausgebracht, der Ein- und Ausräumdienst am Geschirrspüler ist noch öfter dran. Nervt das manchmal? „Nö, gar nicht“, sagt Selina, die hier meist nur Selly gerufen wird, weil es noch eine zweite Selina und auch eine Celina gibt. „Ich habe auch zu Hause gekehrt und gewischt. Das ist jetzt nichts Neues.“

Zu Hause, bei der Familie, ist Selly seit einiger Zeit nur noch in größeren Abständen. Die Wohngruppe, getragen vom Innova Sozialwerk im Auftrag des Jugendamtes, ist jetzt der Lebensmittelpunkt der 14-Jährigen. Wie auch der von sieben weiteren Mädels und Jungs zwischen 11 und 17. Sie bleiben hier in diesem Zuhause auf Zeit, bis die eigene Familie wieder gekittet ist, die Eltern der Erziehung wieder gewachsen sind. In der WG sollen die Kinder und Jugendlichen nicht nur stabile Alltagsstrukturen finden, sondern auch in ihrer Selbstständigkeit gestärkt werden. Wer nicht zur Familie zurück kann, bleibt hier bis zur Volljährigkeit.

Gemeinsame Essenszeiten

Dieses Miteinander unter einem Dach funktioniert nicht ohne Gemeinschaftssinn. Nachmittags gegen drei, wenn alle aus der Schule zurück und die Hausaufgaben erledigt sind, wird zusammen gevespert. Auch zum Abendbrot sitzen alle an einem Tisch, ebenso an Wochenenden zum Mittagessen. Kein Handy, stattdessen Gespräche. „Wir erzählen uns meistens irgendwas Witziges, was am Tag so passiert ist“, sagt Katharina.

Manchmal ist auch ein neues Gesicht in der Runde. Denn immer mal wieder verlässt ein Kind die WG, zieht wieder bei den Eltern ein – und dann wird der Platz in der Mühlgasse neu belegt. „Wir erzählen dann alle was von uns, jeder stellt sich vor, auch der Neuankömmling“, schildert die 15-jährige Katharina. Vor gut vier Monaten war Selly die Neue am Tisch. Nun sind Katharina und sie dicke Freundinnen.

Zeit für Privates

Aber es ist auch Raum für Privatsphäre und individuelle Freizeit. René verbringt die am liebsten nebenan im Seckendorff-Park. „Ich bin gern draußen“, sagt der 14-Jährige. Bei der Freundin und den Freunden, von denen sich René nur in seiner Wohnadresse unterscheidet. Handydaddeln, verliebt sein, mal über die Stränge schlagen – das ist auch in der Mühlgassen-WG jugendliche Normalität.

Celina macht allerdings am liebsten ihr Ding für sich. Dass ihr größtes Hobby gerade brachliegt – das Tischtennisspiel in der Nachmittags-AG an der Schule – findet sie traurig. Gestrichen wegen Corona. Dabei ist die Neuntklässlerin seit rund fünf Jahren im Wortsinn am Ball geblieben. „Ich hoffe, dass wir bald unsere Tischtennisplatte bekommen, damit ich wenigstens hier spielen kann“, sagt sie.

Hoffnung auf Schuppen und Tischtennisplatte

Die neue Platte – zusammenklappbar und wetterfest für den Hinterhof – ist einer der großen Wünsche bei der diesjährigen LVZ-Spendenaktion „Ein Licht im Advent“ im Altenburger Land. Ein zweiter ist der dringend benötigte Fahrradschuppen. Die LVZ-Leser können mit kleinen und größeren Spenden diese Anschaffung unterstützen. Je nach dem, wie hoch die Spendensumme ausfällt, gibt es zudem noch weitere Herzenswünsche.

Den Schuppen hinterm Haus aufzubauen, wäre dann das nächste gemeinsame Projekt der Innova-Wohngruppe. Doch vorher wird erst mal die Renovierung beendet.

Hier ist erklärt, wie Sie spenden können

Von Kay Würker