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"Ein Licht im Advent" 2017 „Frau Bohne ist einfach da, hilft Kindern bedingungslos und fragt nicht nach Gründen“
Thema Specials Ein Licht im Advent "Ein Licht im Advent" 2017 „Frau Bohne ist einfach da, hilft Kindern bedingungslos und fragt nicht nach Gründen“
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16:08 29.11.2017
Simone Bohne Hohnbach
Simone Bohne Hohnbach Quelle: Haig Latchinian
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Grimma/Colditz

Zur LVZ-Aktion „Ein Licht im Advent“ sind bereits die ersten Spenden eingegangen. Die Leser unterstützen dabei Pflegemutter Simone Bohne, die seit vielen Jahren in Hohnbach bei Colditz in Not geratene Kinder aufnimmt. Seit langem wünscht sie sich ein richtiges Badezimmer für ihre „Rasselbande“ – das Geld der Leser soll dabei helfen.

Ria Albrecht vom Pflegekinderdienst im Landratsamt begrüßt die LVZ-Aktion und hofft auf viele Spender. Die Sozialarbeiterin war es schließlich auch, die die Hohnbacherin mit Erfolg für den Sächsischen Bürgerpreis vorgeschlagen hatte. „Frau Bohne hat im Laufe der Zeit 45 Kinder betreut. Ganz selbstlos und mit viel Herzblut. Da kann ich nur den Hut ziehen. Auch vor ihrem Mann.“

Natürlich habe die Rand-Colditzerin den Preis stellvertretend für viele andere Pflegeeltern erhalten, betont die Mitarbeiterin des Jugendamtes: „Aktuell betreuen wir im Landkreis 316 Kinder in 273 Pflegefamilien. Darunter sind sechs Bereitschaftspflegeeltern, die rund um die Uhr angerufen werden können, die im Notfall sogar ihren geplanten Urlaub verschieben.“ Eine solche Bereitschaftspflegemutti ist Simone Bohne. Sie kümmert sich von jetzt auf gleich um die oft verstörten Kleinen – bedingungslos, ohne nach Gründen zu fragen. Sie ist einfach da, egal, ob die Eltern ein Drogenproblem haben, gewalttätig oder einfach nur überfordert sind.

Die Zahl der Pflegeeltern sei steigend, derzeit gebe es 13 weitere Interessierte, sagt die Frau vom Amt: „Die Motivation der Familien ist unterschiedlich. Meist sind die eigenen Kinder aus dem Haus und man will nun für andere da sein.“ Es meldeten sich aber auch Eheleute, deren Kinder noch daheim sind: „Eine vierköpfige Familie hat zum Beispiel einen schwer misshandelten Säugling aufgenommen und ist im Laufe der Zeit noch um einen weiteren Erdenbürger angewachsen. Motto: Wo drei Kinder sind, können auch vier sein.“ Ein anderes Paar kümmere sich um fünf behinderte Kinder.

Einmal im Jahr lädt das Jugendamt zum Pflegekinderfest ein – etwa ins Naturfreundehaus nach Grethen oder in die Evangelische Schule nach Großbardau. Zudem würden thematische Elternabende organisiert. Dozenten referierten dabei etwa über die sogenannten Umgangskontakte. „Erklärtes Ziel ist ja, die Kinder wieder mit den leiblichen Eltern zusammen zu bringen. Daher gibt es regelmäßige Treffen.“ Mitunter eine große Herausforderung für alle Beteiligten, sagt Ria Albrecht – nicht zuletzt auch für die Pflegeeltern, die zwar an den ihnen anvertrauten Kindern hingen, aber auch bereit sein müssten, sie wieder loszulassen. „Ich weiß, dass das auch für Frau Bohne anfangs nicht leicht war. Vor allem, wenn einen die Kinder schon Mama rufen. Weil eine Pflegemutti aber das Beste fürs Kind will, kann sie damit inzwischen umgehen.“

Nicht selten geraten solche – anfangs vom Jugendamt moderierten – Umgangskontakte zur Farce. Etwa, wenn leibliche Mütter den Pflegeeltern vorwerfen, sie wollten ihnen das Kind wegnehmen. Sozialarbeiterin Albrecht kennt Fälle, die trotzdem gut ausgingen: Eine psychisch labile Mutter, die die Pflegeeltern anfangs als Bedrohung angesehen hatte, begab sich in Behandlung, wurde stabiler und kam ihrem Kind immer näher. Am Tag der Übergabe lud sie die nicht mehr ganz jungen Pflegeeltern zum Frühstück ein, bedankte sich mit Blumen und hält noch immer Kontakt zu ihnen – als wären es ihre Eltern. „Wenn ich das erzähle, bekomme ich gleich Gänsehaut.“

Von Haig Latchinian