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Ein Licht im Advent Wenn Kinder sterben: Hospiz Bärenherz begleitet kleine Patienten
Thema Specials Ein Licht im Advent

Hospiz Bärenherz: Trauerbegleiterin bereitet Kindern würdevollen Abschied

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11:08 06.12.2020
Trauerbegleiterin Petra Klaß: „Diese Kinder tragen eine Lebensweisheit in sich, das ist manchmal unglaublich!“
Trauerbegleiterin Petra Klaß: „Diese Kinder tragen eine Lebensweisheit in sich, das ist manchmal unglaublich!“ Quelle: Andre Kempner
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Markkleeberg

Petra Klaß hat viele Kinder bis zum Tod begleitet. Als 2008 das Kinderhospiz Bärenherz in Markkleeberg öffnete, begann die Trauerbegleiterin dort im psychosozialen Team zu arbeiten. Schon zuvor war sie ehrenamtlich im Leipziger Erwachsenenhospiz engagiert, wo es vor der Bärenherz-Eröffnung auch zwei Zimmer für kleine Patienten gab.

„Die Kinder wissen sehr gut, was mit ihnen passieren wird“, sagt die 65-Jährige. „Aber sie sind deshalb nicht ständig betrübt. Kinderseelen sind so beschaffen, dass sie in dem Meer der Traurigkeit immer wieder eine Insel finden.“ Anders als die Erwachsenen würden sie dabei nicht mit dem Verstand arbeiten, „sie verstehen mit dem Herzen“.

Kinder erspüren Situation

Was sie nach all den Jahren immer wieder erstaunt: „Diese Kinder tragen eine Lebensweisheit in sich, das ist manchmal unglaublich!“ Einige von ihnen zeigen sogar bestimmte Reaktionen, nur um ihre Eltern zu schonen. Kinder würden häufig Situationen erspüren.

Der Erinnerungsgarten des Kinderhospiz' im Sommer. Quelle: Kinderhospiz Bärenherz

In der letzten Lebenszeit ist im Hospiz eine 1:1-Betreuung möglich. Das heißt: Obwohl es auch Gruppenarbeit gibt, beschäftigt sich Petra Klaß häufig mit den Patienten einzeln. Neunzig Prozent der Betroffenen können nicht reden, siebzig Prozent sind blind. Trotzdem sei Kommunikation gut möglich, sagt die pädagogische Mitarbeiterin.

Kommunikation durch Berührung und Musik

Dabei setze sie weniger auf Worte, viel mehr auf Berührung und Massage, auf gemeinsames Atmen und auf Musik. Sie singt viel in den Kinderzimmern.

Wenn das Wetter schön ist, kann das Bett auf die kleine Terrasse geschoben werden. Dort ist das Rauschen der Bäume zu hören und der Wind auf der Haut zu spüren. Leckeres Essen spielt ebenfalls eine große Rolle.

„Jedes Kind ist wichtig und einzigartig“

„Jedes Kind ist wichtig und einzigartig“, betont sie und ist immer wieder erstaunt, wie viel sie von den Mädchen und Jungen lernen kann: „Sie geben viel zurück. Oft sind sie ganz wach und passen auf.“

Petra Klaß ist im Bärenherz für die Verabschiedung der verstorbenen Kinder und Jugendlichen verantwortlich. Viele von ihnen waren über Jahre hinweg immer mal wieder in so genannten Entlastungszeiten mit ihren Familien im Hospiz. „Wir kennen sie gut, besonders die letzte Zeit ist sehr intensiv“, sagt sie.

Würdevolle Verabschiedung

Eine bewusste, würdevolle Verabschiedung sei auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wichtig, „damit das Herz wieder frei wird, wir sind ja keine Maschinen“. Dabei findet meist eine kleine Zeremonie in dem Zimmer statt, wo das Kind gestorben ist. Mit Kerzen, Symbolen, Musik und einer Rede. Es gehe um Würdigung und Wertschätzung.

Einmal im Jahr gibt es im Hospiz ein großes Erinnerungsritual für die Eltern, deren Kinder im Bärenherz gestorben sind, immer am ersten Sonnabend im November. Dabei werden die Namen verlesen, Kerzen entzündet und zum Erinnerungsgarten gebracht sowie Live-Musik gespielt. Danach gibt es Kaffee und Kuchen „und viele intensive Gespräche“.

Großes Erinnerungsritual im Kees’schen Park

Um die 70 Personen kommen dazu Jahr für Jahr in den Kees’schen Park. „Zu Hause sind die Eltern die einzigen, die betroffen sind. Hier merken sie: Wir sind so viele“, sagt Petra Klaß. Manche finden den Weg zu diesem Nachmittag der Erinnerung erst Jahre nach dem Tod ihres Kindes. „Am ersten Todestag wird im Umfeld noch daran gedacht, aber später immer weniger“, sagt die Trauerbegleiterin. Im Bärenherz jedoch jedes Jahr.

Wegen der Pandemie musste dieses Ritual dieses Jahr ausfallen, aber das Bärenherz-Team ließ sich eine Alternative einfallen. Die Familien bekamen vorab ein Päckchen. Darin waren Tee, Zimtsterne, Kerzen, eine Musik-CD, ein Speckstein-Set zum Kreativwerden, Kraftsterne aus Keramik, die von der Kunsttherapeutin individuell gestaltet wurden, sowie ein persönlicher Brief. Alle waren aufgefordert, sich am gleichen Tag bei einer Tasse Tee, dem süßem Gebäck und Musik im Kerzenschein „in Gedanken“ zu treffen.

So kommt Ihre Spende an

So spenden Sie: 

Füllen Sie einen Überweisungsschein aus. Zahlungsempfänger: LVZ-Spendenaktion. Verwendungszweck: „Bärenherz“. Sie tragen bitte Ihren Betrag ein, den Sie spenden möchten, und überweisen diesen an: IBAN: DE89 8605 5592 1090 2297 19, BIC: WELADE8LXXX

Spendenbescheinigung: 

Bis 200 Euro gilt die vollständig ausgefüllte Quittung im Original zusammen mit dem Bareinzahlungsbeleg oder Kontoauszug Ihrer Bank als Spendenbescheinigung für das Finanzamt. Bei Überweisungen mit Ihrer kompletten Adresse gehen wir davon aus, dass Sie eine Spendenbescheinigung vom Partnerverein möchten. Zur Erstellung der Spendenquittung übermitteln wir Ihre Adressdaten und Spendenhöhe an den Partnerverein.

Spendernamen: 

Die Namen der Spender werden in der Zeitung veröffentlicht. Sollten Sie das nicht wünschen, dann tragen Sie bitte auf dem Überweisungsschein „ANONYM“ ein. Im Nachhinein können Sie 24 Stunden nach der Überweisung der Namensveröffentlichung unter der E-Mail: lesermarkt@lvz.de widersprechen.

Spendenübergabe: 

Die LVZ-Aktion „Ein Licht im Advent“ geht vom 14. November bis 13. Dezember 2020 Anschließend wird der Gesamtbetrag unserem Partnerverein für das Hilfsprojekt übergeben. Wir berichten regelmäßig über die konkrete Hilfsaktion. Sollten mehr Spenden zusammenkommen, als für das konkrete Hilfsprojekt benötigt wird, so geht das übrige Geld ebenfalls an unseren Projekt-Partnerverein. Das Projekt „Ein Licht im Advent“ wird unterstützt von der Sparkasse Leipzig.

Bisher erschienen zu dieser LVZ-Spendenaktion:

Von Claudia Carell