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Ein Licht im Advent In Meuselwitzer Wohngruppe helfen Erzieherinnen Kindern beim Neustart ins Leben
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LVZ-Spendenaktion "Ein Licht im Advent": In Meuselwitzer Wohngruppe helfen Erzieherinnen Kindern beim Neustart ins Leben

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07:05 28.11.2020
Alltag in der Wohngruppe: Erzieherin Jenny Weber hilft Kindern wie dem elfjährigen Colin bei den Hausaufgaben. Sie ist aber auch Zuhörerin, Trösterin, Ratgeberin.
Alltag in der Wohngruppe: Erzieherin Jenny Weber hilft Kindern wie dem elfjährigen Colin bei den Hausaufgaben. Sie ist aber auch Zuhörerin, Trösterin, Ratgeberin. Quelle: Mario Jahn
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Meuselwitz

Es sind diese besonderen Momente, die Jenny Weber Bestätigung geben. „Wenn ein Kind, das oft geschwänzt hat, freudestrahlend aus der Schule kommt und mir die Eins hinhält, dann ist das was ganz Großes.“ Dann hat auch Jenny Weber dieses warme Gefühl des Erfolges. Die Gewissheit, dass sich ihre Arbeit einmal mehr gelohnt hat.

Die Überzeugung, das Richtige zu tun, hat sie schon lange. „Eine Freundin hatte mich drauf gebracht, an der Berufsschule für Wirtschaft und Soziales Kinderpflegerin zu lernen. Ich hatte das vorher gar nicht auf dem Schirm, aber ich merkte schnell, das ist meine Berufung.“ Die Altenburgerin fügte noch eine Ausbildung zur Erzieherin an, fand über ein Praktikum zum Innova Sozialwerk – und blieb. Seit 2009 arbeitet Jenny Weber bei dem gemeinnützigen Verein, erst in Altenburg, nun schon das dritte Jahr in Meuselwitz.

Immer wieder Neubeginn und Abschied

Die Arbeit in der Mühlgasse ist ein fortwährender Wechsel von Neubeginn und Abschied. Die Kinder- und Jugendwohngruppe ist in kontinuierlicher Bewegung. Mal gehen Jugendliche zurück zu ihrer Familie oder volljährig in die Selbstständigkeit, mal zieht ein neues Kind ein, mit ganz eigenen Wünschen, eigenem Lebenslauf. Seine Vorgeschichte steht in der Akte des Jugendamtes, für den Weg nach vorn brauchen die Erzieher Erfahrung und Intuition. „Jedes Kind hat andere Bedürfnisse und reagiert anders“, sagt Jenny Weber. „Manche brauchen sehr deutliche Ansagen, bei anderen reicht ein Blick.

Herausfordernder Umgang mit Erlebnissen

Herausfordernd ist der Umgang mit den kritischen Phasen der jungen Lebensläufe. Tod oder Krankheit im Elternhaus, Vernachlässigung, Missbrauch – das ist das Gepäck, das Neuankömmlinge mitunter auf der Seele tragen, wenn sie in die WG einziehen. „Dann sensibilisieren wir, wenn nötig, die anderen Kinder, bestimmte Themen nicht anzuschneiden.“ So lange, bis die Wunden schützende Narben haben.

In den Arm nehmen, zuhören, auch in intimen Fragen eine Ratgeberin sein – das gehört genauso zu Jenny Webers Alltag wie Hausaufgabenbetreuung und Bürokram. „Erzieherin in einer Wohngruppe zu sein, ist etwas anderes, als im Hort zu arbeiten. Ich bin zwar kein Ersatz für die Familie, trotzdem bin ich manchmal Mutter, Vater, Oma und Onkel gleichzeitig. Die Kinder können mit mir über alles sprechen.“

Schlafraum für Erzieher

Das gilt auch für die vier anderen Kolleginnen und Kollegen im Team der 37-Jährigen. Im Schichtsystem wechseln sie sich ab, so dass de facto rund um die Uhr jemand für die WG da ist. In den Nachtstunden nutzen die Erzieher einen Schlafraum auf der Etage der Kinder- und Jugendzimmer, sind in Bereitschaft. Wer Dienst hat, trägt Verantwortung für die gesamte Gruppe – dennoch hat jedes Kind einen festen Bezugserzieher, damit Elternabende oder Arztbesuche in einer Hand bleiben.

Und natürlich bleibt in der WG nicht aus, was auch Eltern widerfährt: „Die Kinder loten aus, bei welchem Erzieher sie bei bestimmten Anliegen die besten Karten haben“, erzählt Jenny Weber und lächelt. „Das ist ganz normal. Wir müssen uns im Team absprechen, wie in einer Familie.“ Überhaupt seien die regelmäßigen Besprechungen sehr wichtig. Weil auch gelernte Erzieher mal ratlos sind, eine Kollegenmeinung brauchen. „Erziehung ist so individuell verschieden, da gibt es keine vorgestanzten Muster.“

Hilfe annehmen ist stark

Entsprechenden Respekt habe sie vor Eltern, die in konfliktbelasteten Situationen ihre Grenzen eingestehen und – falls nötig – um Hilfe beim Jugendamt bitten. „Diesen Schritt zu gehen, rechne ich den Familien als Zeichen von Stärke an.“ Sie stärken damit ihre Kinder. „Unsere Bewohner“, sagt Jenny Weber, „machen hier neue Erfahrungen.“ Und sei es die erste Eins in der Schule.

Hier ist erklärt, wie Sie spenden können.

Überwältigende Resonanz: 6815 Euro Spenden und internationale Unterstützung

Die Resonanz auf die LVZ-Spendenaktion „Ein Licht im Advent“ in Meuselwitz ist überwältigend: Zur Halbzeit der Aktion sind bereits 6815 Euro auf dem Spendenkonto eingegangen – Dutzende Unterstützer beteiligten sich mit kleinen und größeren Beträgen, wollen den Kindern und Jugendlichen in der Wohngruppe Mühlgasse helfen, die sich eine Tischtennisplatte und einen Fahrradschuppen wünschen.

Außerdem klingelte dort das Telefon heiß, boten gleich mehrere Unterstützer an, ihre eigene Platte an die Gruppe zu verschenken. „Wir hatten ja mit Hilfsbereitschaft gerechnet, aber diese Größenordnung und Spontaneität ist enorm“, sagt voller Begeisterung Andrea Teuber, die Leiterin der Kinder- und Jugendhilfe beim Innova Sozialwerk, in deren Verantwortungsbereich auch die Wohngruppe in der Mühlgasse zählt. Sie stehe aufgrund der vielen Angebote bereits im Kontakt mit weiteren Jugendhilfeeinrichtungen, wo Tischtennisplatten ebenfalls begehrt sind.

Zumal sich neben all den Spendern auch ein weltweit agierender Verband gemeldet hat: die Internationale Tischtennis-Föderation (ITTF) mit angeschlossener Stiftung. Die ITTF hat ihren Sitz in Leipzig. „Wir haben über einen Bericht der LVZ von der Wohngruppe in Meuselwitz erfahren“, berichtet Stiftungs-Geschäftsführer Leandro Olvech. Das Motto der ITTF-Stiftung sei Solidarität durch Tischtennis. „Wir nutzen Tischtennis weltweit in humanitären Projekten für positive soziale Veränderungen und freuen uns über die Gelegenheit, unser Leitmotiv jetzt auch lokal in Mitteldeutschland umzusetzen.“

Konkret bietet die Stiftung an, den Kindern und Jugendlichen der Wohngruppe eine nagelneue Tischtennisplatte zur Verfügung zu stellen, samt dazugehöriger Ausstattung wie Schläger, Bälle und Trainingskleidung. Auch den gewünschten Fahrradschuppen, in dem dann auch Platz für die Platte wäre, möchte die ITTF liefern lassen.

„Wir hoffen, gemeinsam mit Sponeta – unserem Premium-Partner für Tischtennis-Equipment –, einen kleinen Beitrag leisten zu können, die Zukunft der Kinder in der Wohngruppe Meuselwitz positiv zu beeinflussen. Daher passt die Tischtennisleidenschaft in der Wohngruppe einfach ideal zu uns und wir unterstützen sie mit ganzem Herzen“, begründet Geschäftsführer Olvech.

Den Kindern und Jugendlichen in der Mühlgasse eröffnet dieses Angebot ganz neue Möglichkeiten. Denn ihre Liste an bislang unerfüllten Wünschen ist noch um einiges länger. „Ein neues Fahrrad zum Beispiel wäre schön, das Kinder nutzen können, die kein eigenes Rad haben. Außerdem wünschen sie sich seit Längerem eine richtige Dusche, weil es im Moment nur eine Wanne mit einem unpraktikablen Rollo gibt.“ Auch schöne Ausflüge, zum Beispiel in einen Erlebnispark, wären toll, wenn das im nächsten Jahr hoffentlich wieder geht.

Das Spendenkonto der Aktion „Ein Licht im Advent“ kann solche Wünsche nun erfüllen helfen. Deshalb, lieber Leserinnen und Leser: Bitte spenden Sie weiter!

Von Kay Würker