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Ein Licht im Advent Schülerin Habiba Fayad: „Die Wunderfinder haben mir gut getan“
Thema Specials Ein Licht im Advent

Schülerin Habiba Fayad: „Die Wunderfinder haben mir gut getan“

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07:33 12.12.2020
Hat durch die Wunderfinder neue Leipziger Orte entdeckt und tolle Menschen kennengelernt: Habiba Fayad vor dem Grassimuseum. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Eiskalt war es. Der Schnee hatte einen weißen Teppich in der Stadt ausgelegt, und der Wind pfiff um alle Ecken des Art-déco-Baus. Habiba Fayad erinnert sich gut und gerne an den 18. Dezember 2016, als sie mit den „Wunderfindern“ das Grassimuseum besuchte. Eine von vielen Touren, die das Mädchen bereicherten und begeisterten. Fast genau vier Jahre später blickt die nun 14-Jährige dankbar auf die Erlebnisse zurück.

Als Habiba halb so alt war wie jetzt, wurde Leipzig für sie, ihre Eltern und die beiden jüngeren Geschwister zur neuen Heimat. Die Familie war aus dem syrischen Aleppo gekommen. Habiba lernte so schnell Deutsch, dass sie nach kurzer Zeit die erste Klasse übersprang. Im Hort der Wilhelm-Wander-Grundschule erfuhr sie von dem Projekt „Wunderfinder“, das Kinder einmal im Monat für ein Schuljahr die Stadt entdecken lässt, und meldete sich dafür an.

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Vor vier Jahren auf dem Panorama-Tower: Habiba Fayad mit Patin Petra Freiesleben, zu der sie weiterhin Kontakt hat. Quelle: privat

Kurze Zeit später stand sie zum ersten Mal Petra Freiesleben gegenüber, ihrer Patin. „Bammel vor dem ersten Treffen hatte ich nicht“, sagt die Gymnasiastin rückblickend, „ich bin offen und kontaktfreudig, und von Anfang an haben wir uns sehr gut verstanden.“ Von November 2016 bis Juni 2017 erkundete sie mit ihrer Patin und den anderen Wunderfinder-Gruppen die Stadt.

Ein Besuch auf der Plattform des Panorama-Restaurants, im Tierheim, im Museum der bildenden Künste oder im Instrumentenmuseum erweiterten ihren Horizont in mehrfacher Hinsicht. „Ich habe viele Orte und neue Menschen kennengelernt“, erzählt sie, „das hat mir sehr gut getan, und ich habe mich sehr wohl gefühlt“. Zu den eindrucksvollsten Erlebnissen gehörten die Führungen durchs Grassimuseum. Die damalige Ausstellung „Grassi invites #3: Masken!“ im Museum für Völkerkunde präsentierte kunstvolle Gesichtsbedeckungen aus verschiedenen Epochen und Kulturen. „Das war faszinierend“, schwärmt sie.

Für Migranten eine große Unterstützung

Vier Jahre sind seitdem vergangen. Kontakt zu Petra Freiesleben hat Habiba Fayad noch immer. Die beiden sind schon mal zusammen Schlittschuh gefahren, und das Mädchen war zu Besuch bei der Ex-Patin, die ihr zum Ende des Schuljahres damals zwei Fotoalben als Erinnerung schenkte. „Ich kann nur jedem empfehlen, bei den Wunderfindern mitzumachen“, betont Habiba. „Gerade für Migranten ist das eine große Unterstützung“.

In diesem Schuljahr wollte ihre neunjährige Schwester an dem Projekt der Stiftung „Bürger für Leipzig“ teilnehmen, doch Corona hat das normale Leben suspendiert. Ab Montag müssen die drei Geschwister wegen des verschärften Lockdowns wieder zu Hause lernen. „Das fällt mir schwer, denn der Kontakt mit Anderen und das direkte Nachfragen bei den Lehrern ist durch nichts zu ersetzen“, bemerkt Habiba, Achtklässlerin am Gustav-Hertz-Gymnasium. „Aber es ist klar, dass die Gesundheit vorgeht.“

Neue Masken-Ausstellung

Habiba Fayad, ein aufgeschlossenes, fröhliches und aufmerksames Mädchen, wird nach Corona das Leben und Leipzig weiter erkunden. Für den Fototermin steht sie vor dem verschlossenen Areal des Grassimuseums. Der Wind pfeift ähnlich kalt wie vier Jahre zuvor, bloß der Schnee fehlt und die Öffnungszeiten. Von der Seltsamkeit der Zeit wurde die Masken-Ausstellung ins Stadtbild verlagert. Mal sehen, wann die Finissage gefeiert wird.

Von Mark Daniel