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Ein Licht im Advent Von Streitereien bis Stress im Elternhaus: Janine hilft Kindern an der Bonhoeffer-Schule
Thema Specials Ein Licht im Advent Von Streitereien bis Stress im Elternhaus: Janine hilft Kindern an der Bonhoeffer-Schule
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09:47 23.11.2019
Schulsozialarbeiterin Janine Franke kümmert sich an der Bonhoeffer-Schule um die Lösung kleinerer und größerer Konflikte. Quelle: Foto: Mario Jahn
Altenburg

„Ich muss mal wieder auffüllen“, sagt Janine und zeigt auf die Schale auf dem Tisch. Die kleinen Schokoladenherzen, dekorativ platziert in Griffweite des Sofas, haben abgenommen. Beträchtlich. Sie sind begehrt – als Tröster in schweren Momenten. Denn wer auf dem Sofa Platz nimmt und in die Schale greift, hat meistens was auf dem Herzen.

Janine ist seit 2013 vor Ort

Das Sofa steht im Erdgeschosszimmer von Janine Franke, der Schulsozialarbeiterin an der Dietrich-Bonhoeffer-Schule, die hier alle nur Janine nennen. Seit 2013 ist die studierte Erziehungswissenschaftlerin die Ansprechpartnerin vor Ort für alle Arten von Kummer. Sie hat viel gehört über die Jahre: von besten Freundinnen, die nicht mehr Freundin sein wollten, von Schubsereien und verbaler Gewalt, von Problemen im Elternhaus, die auch in der Schule nicht loslassen. „Die Erwartungen an mich sind entsprechend unterschiedlich. Manche wollen einfach nur, dass ich zuhöre, andere brauchen einen Rat oder Begleitung bei irgendwas“, schildert Janine. Nicht immer kann sie helfen. „Aber doch in den meisten Fällen.“

Und natürlich war die 37-Jährige eingebunden, als die Schule in diesem Jahr offensiv gegen Mobbing unter Schülern vorging – und das nach wie vor tut. Der Besuch des Berliner Anti-Mobbing-Coaches Carsten Stahl samt Fernsehteam sei ein großer Erfolg gewesen, sagt sie. Keine Lösung für alle Probleme, aber ein Meilenstein.

Viele Angebote, um Konflikte beizulegen

Für die anderen, täglichen Schritte ist die Sozialarbeiterin zuständig, unterstützt von den Lehrern. Streitschlichter-Angebote, Klassenklima-Projekte und immer wieder persönliche Gespräche auf der Couch vor der Schokoherzchen-Schale – all das trägt dazu bei, Konflikte beizulegen. „Unsere Schulgemeinschaft ist besser, als es nach außen den Anschein haben mag. Ich erlebe viel Empathie“, sagt Janine. „Beispielsweise kommen Schüler oft nicht wegen eigener Probleme zu mir, sondern weil sie sich Sorgen um einen Freund oder eine Freundin machen und helfen wollen.“

Kinder finden schneller zusammen

An Arbeit wird es ihr nie mangeln, ist sich Janine Franke bewusst. Die Herausforderungen des Stadtteils tragen dazu bei. Die vergleichsweise hohe Zahl an Menschen aus anderen Ländern in Altenburg-Nord und die zum Teil schwierigen sozialen Bedingungen in Familien spiegeln sich im Schulalltag wider. „Aber die Erfahrung zeigt: Kinder und Jugendliche finden meist viel schneller zusammen, als es Erwachsenen gelingt. Unterschiede in Religion und Lebenswelten bestehen zwar fort, aber sie spielen im Alltag dann keine so große Rolle mehr.“

Und wenn es doch mal richtig knirscht in einer Klasse, organisiert Janine Franke eine Projektfahrt. Dann geht es für wenige Tage in eine Jugendherberge – mit vollem Programm aus der Feder eines Erlebnispädagogen. „Die Schüler gehen in die Natur, bekommen Aufgaben, machen Teamspiele, bauen zum Beispiel eine Hütte mitten im Wald. Das stärkt das Wir-Gefühl, die Klasse wächst zusammen.“ Und für so manchen sei es wie ein kurzer Urlaub, den die eigene Familie sich selten leisten kann.

Spendensammlung fürs Gesicht der Schule

Wir – dieses Wort hört Janine öfter, wenn die Kinder und Jugendlichen auf den Fluren über ihre Schule reden. „Es ist für die Schüler wichtig, zu einer Gemeinschaft zu gehören, die sie verbindet.“ Im vergangenen Schuljahr gestalteten Jugendliche in einem Kunstprojekt große Wandtafeln mit dem Gesicht Dietrich Bonhoeffers, aufgesprüht in verschiedenen Farben. Die Tafeln hängen nun im Schulhaus – gleich neben den Leitsätzen der Schule, die sich an den Werten des Theologen und Widerstandskämpfers orientieren. Mit Hilfe der OVZ-Spendenaktion „Ein Licht im Advent“ will die Schule ihren Namensgeber nun endlich auch nach außen zeigen, mit Konterfei und Namenszug. „Es geht darum, für alle ersichtlich zu zeigen, wer wir sind, wofür wir stehen“, sagt Janine Franke. „Das gibt der Schulgemeinschaft ein Gesicht.“

So können Sie spenden: Hier wird’s erklärt

Auf der noch schmucklosen Fassade über dem Haupteingang ist ausreichend Platz für ein solch Kunstwerk. Und das nächste Schulfest böte eine gute Gelegenheit, es einzuweihen.

Von Kay Würker

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