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Highfield News Das Festival-Dorf: So erlebt Dreiskau-Muckern das Highfield
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07:59 17.08.2019
Claudia Hausdorf vom Landschulheim in Dreiskau-Muckern hat sich auf Highfield-Gäste vorbereitet. Quelle: André Kempner
Leipzig

Normalerweise kann der kleine schwarz-weiße Hund Tom bei seinem täglichen Spaziergang mit Anja und Thomas Kosche über die Felder tollen. Doch an diesem Freitag ist alles anders in dem Dorf Dreiskau-Muckern: Ein Meer an Autos erstreckt sich über den Acker, Pkw reiht sich an Pkw und minütlich biegen neue Fahrzeuge den Gesten eines Mädchens mit gelber Weste folgend auf den Ackerweg ab. Es ist Tag Eins des Highfield-Festivals, bis zum Abend werden hier am Störmthaler See rund 30 000 Musikfans aus ganz Deutschland eingetrudelt sein. Der Acker, auf dem die Autos jetzt stehen, muss danach erst einmal umgepflügt werden.

„Uns stört das nicht“

Toms Herrchen sieht diesen mächtigen Auflauf gelassen: „Vielleicht geht das nicht allen so, aber uns stört das nicht“, sagt Thomas Kosche und seine Frau Anja stimmt zu: „Für die Jugend ist das doch schön.“ Nach ihrer kleinen Runde werden die beiden zurück ins Dorf gehen. Dreiskau-Muckern hat 430 Einwohner, hübsch sanierte Fachwerkbauten, eine lebhafte Dorfgemeinschaft – und eine Luftlinie von einem knappen Kilometer hin zum Megaevent am Störmthaler See.

Einsatzzentrale Schullandheim

Im idyllischen Ortskern der zusammengewachsenen Dörfer Dreiskau und Muckern ist es trotzdem ruhig – wäre da nicht gerade ein Polizeihubschrauber am Waldesrand gelandet, direkt neben dem ökologischen Landschulheim: „Die Polizei hat hier jetzt ihre Einsatzzentrale“, sagt Claudia Hausdorf, die Leiterin der Herberge, „nebenan hält ein Kollege gerade Mittagsschlaf.“ Und nicht nur Polizeibeamten haben sich ihre Basis für das kommende Wochenende eingerichtet. „Wir haben aktuell 40 Highfield-Gäste bei uns, meist sind es Pärchen – oder Frauen, die alleine unterwegs sind“, erzählt Hausdorf. Sie hat sich mit ihrem Angebot auf die besonderen Besucher des Wochenendes eingestellt: Das Frühstück wurde nach hinten verschoben.

„Was? Es gibt hier ein Dorf?“

Das Dorf liegt direkt neben dem Festivalgelände.

Das durchschnittliche Highfield-Klientel wird sich in den kommenden Tagen dennoch nicht die mit Bäumen gesäumte Dorfstraße entlang in die dörfliche Idylle bewegen. Peter, Jakob, Ben und Hanna aus der Nähe von Berlin jedenfalls haben zwar ihren Bollerwagen parat, aber trotzdem nicht die Absicht in den nächsten Tagen das Gelände zu verlassen: „Was? Es gibt hier ein Dorf?“, fragt Peter mit einer rosafarbenen Schweinchenmütze auf dem Kopf ungläubig und nimmt erst einmal einen großen Schluck aus seiner Bierdose. „Wir wollen nur zum Auto,“ winkt sein Kumpane Jakob ab. „Es sind schon eher ältere und ruhigere Gäste, die auch mal rauskommen, um sich etwas anzusehen“, sagt auch Ulrike Schöer, Inhaberin des kleinen „Gasthofes“ an der Dorfstraße. Immer wieder kommen Festivalbesucher für ein deftiges Frühstück oder auf ein Stück Kuchen zu ihr ins Café.

Freikarten für die Engagierten im Dorf

„Das ist eine nette Abwechslung für uns. Ich werde sicher in den nächsten Tagen sicher auch mal auf ein Konzert gehen“, berichtet sie. Für die Einwohner in Dreiskau-Muckern gibt es nämlich Freikarten: „Die verteilen wir dann an Jugendliche, die zum Beispiel nächstes Wochenende bei den offenen Hoftagen mithelfen“, erzählt Herbergsmutter Claudia Hausdorf, die außerdem Vorsitzende des hiesigen Dorfvereines ist. Ab dem nächsten Jahr solle es diese Aufmerksamkeit von den Veranstaltern allerdings nicht mehr geben, so hört man im Dorf. Verständnis und Sympathie für die Veranstaltung, die im 9. Jahr am Störmthaler See stattfindet, scheinen erfolgreich etabliert. An dem massiven Ausnahmezustand im August stören sich die Dreiskauer und Muckerner offensichtlich kaum mehr als der Hund Tom, der bei seinem täglichen Gassigang die vier Jugendlichen mit ihren seltsamen Hüten und dem Bollerwagen voller Dosenbier keines Blickes würdigt.

Von Anna Flora Schade

Mit der Düsseldorfer Punkrock-Band Rogers hat am Freitag das 22. Highfield-Festival begonnen – am Abend folgten Feine Sahne Fischfilet, Cro und Jan Delay. Bereits zum zehnten Mal geht das Festival nun schon auf der Magdeborner Halbinsel am Störmthaler See über die Bühne. 30.000 Fans werden erwartet.

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