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Highfield News Der Herr der Busse beim Highfield
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10:51 19.08.2019
Ferdinand Zierof ist der „Herr der Busse“ beim Highfield. Quelle: Lisa Schliep
Großpösna

Viele Wege führen zum Highfield. Einige reisen mit dem Auto an, parken Reihe an Reihe auf den Feldern am Störmthaler See. Andere schwingen sich aufs Fahrrad und parken an den Zäunen des Geländes – ein Unterfangen, das nur mit leichtem Gepäck oder entsprechender Apparatur empfehlenswert scheint. Doch ein nicht unerheblicher Teil der Festivalbesucher fährt mit dem Shuttle-Bus vor: Bequem vom Hauptbahnhof geht es bis direkt vor die Tore des Highfields.

Der Mann, der die Fäden in Sachen Buslogistik zusammenhält, ist Ferdinand Zierof. „Herr der Busse“ nennen ihn seine Mitarbeiter augenzwinkernd. Der 65-Jährige sorgt bereits seit sechs Jahren für die sichere Heimfahrt müder und nicht selten betrunkener Festivalgäste.

Stellung halten bis 3 Uhr nachts

Freitag, 19 Uhr. Leipziger Hauptbahnhof. Eine Flotte aus drei komfortablen Reisebussen fährt an der Westseite vor. Es dauert nur wenige Minuten, dann sind sie allesamt voll. Für die Passagiere beginnt an dieser Stelle ein Wochenende voller Musik und verstaubter Lungen. Für Zierof und sein sechs- bis achtköpfiges Team läuft der Tag schon seit mehr als neun Stunden. Er wird sich noch bis zum frühen Morgen hinziehen.

Bereits seit sechs Jahren organisiert der 65-jährige Ferdinand Zierof (links) mit seinem Team die sichere Heimfahrt der Festivalgäste. Quelle: Lisa Schliep

Bis zur letzten Fahrt um 3 Uhr halten sie die Stellung. Jeden Tag. Ob das schlaucht, ist eigentlich nur eine rhetorische Frage. Nicht verwunderlich also, dass einer seiner Mitarbeiter einen horrenden Vorrat an Energydrinks im Kofferraum seines Wagens hütet, an dem er sich im Laufe des Tages noch oft bedienen wird.

Zierof ist auch auf dem Melt und dem Splash unterwegs

Bereits am Donnerstag kutschierten Zierofs Fahrer 2000 Gäste. „Dann ist schon einmal ein großer Teil geschafft. Am Wochenende bringen wir dann hauptsächlich noch die Tagesgäste von A nach B“, erzählt Zierof. Auch wenn er am Freitag schon seit einer Ewigkeit auf den Beinen ist, wirkt er ausgeschlafen und ruhig. „Das macht die Routine.“

Und damit meint er nicht nur das Highfield. Der 65-Jährige koordiniert seit Jahren den Transport der Besucher verschiedenster Festivals. „Wir sind zum Beispiel auf dem Melt und auf dem Splash unterwegs, betreuen noch ein paar private Festivals in kleineren Größenordnungen.“ Inzwischen sitzen die Abläufe. Das Team ist auf alles vorbereitet – fast alles.

30 Seconds to Mars, Annenmaykantereit und Lokalmatador Trettmann: Der zweite Tag Highfield-Festival 2019 bei Leipzig in Bildern.

„Die jungen Leute sind einfach entspannter“

Zierof erinnert sich an das Highfield 2016. Damals bespielte Rammstein eine der Bühnen in Großpösna. „Wir wussten einfach nicht genau, womit wir rechnen sollten. Und dann kamen sie zu Hunderten.“ Gerade bei der Abreise führte das mitunter zu langen Wartezeiten. Eine der Lehren, die der 65-Jährige in diesem Moment wieder einmal bestätigt sah: Älteres Publikum zetert nicht selten schneller und lauter als der Rest.

„Die jungen Leute sind einfach entspannter. Wenn ein Bus kommt, steigen sie eben ein. Wenn nicht, wird gewartet. Auch mal eine Stunde und das ohne sich zu beklagen.“ Aber, fügt er noch schnell hinzu, die Besucher vom Highfield seien im Gegensatz zu anderen Festivalgänger ein eher harmloses Kaliber. Oft ein bisschen angetrunken, aber weitestgehend friedfertig.

Spontane Mitnahme bis Eilenburg

Um 2.30 Uhr ist Zierof noch immer vor Ort. Diesmal steht er in der Dunkelheit am Rande des Festivalgeländes. Er zeigt einigen Verirrten den Weg, kümmert sich um seine Fahrer und beantwortet Fragen. Wenn er jedes Mal einen Euro dafür bekäme, auf die Frage nach der Abfahrt des nächstes Busses zu antworten, hätte Zierof volle Taschen. Genervt ist er davon aber nicht. Dafür sei er ja da. Und reden könne man mit ihm auch über alles.

Prompt ausgesprochen, kommen zwei junge Männer vorbei, die offensichtlich schon vorher Kontakt zu ihm gesucht hatten. Sie wohnen in Eilenburg. Da das Leipziger Busunternehmen seinen Betriebshof dort hat, nimmt der Fahrer die beiden mit in ihre Heimat. „Wir kommen nach Hause“, brüllen die beiden, während sie zum Shuttle laufen.

Etwa 20 Stunden Arbeit neigen sich langsam dem Ende. Fünf Stunden Schlaf folgen. Dann geht es weiter, bis zur Abfahrt am Montag. „Und dann wieder bis zum nächsten Jahr.“ Ganz bestimmt.

Mehr zum Festival:
Fotos und Berichte zum Highfield im Special

Von Lisa Schliep

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