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Hitze in Sachsen Hitzewelle bringt Leipzigs Freibäder auf Rekordbahn
Thema Specials Hitze in Sachsen Hitzewelle bringt Leipzigs Freibäder auf Rekordbahn
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14:24 12.08.2019
Am heißesten Juni-Tag, den Leipzig jemals erlebt hat, kühlten sich zahlreiche Leipziger im Schreberbad ab. Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

Die fünf Freibäder in der Messestadt und auch das Kinderbecken „Robbe“ erlebten bei der jüngsten Hitzewelle einen Ansturm. „Seit dem Saisonstart Mitte Mai kamen über 70 000 Besucher zu uns“, berichtet Joachim Helwing, Chef der Sportbäder Leipzig GmbH. „Damit liegen wir aktuell sogar über dem Niveau des Rekordjahres 2018“, freut er sich. Insgesamt wurden es damals 264.394 Gäste.

25 Grad Wassertemperatur im Freibad

Bei 25 Grad Wassertemperatur seien in den letzten Tagen jeweils mehr als 5000 Besucher begrüßt worden. „Das ist natürlich nur eine Momentaufnahme. Aus Erfahrung wissen wir, dass einem Sommer auch schnell die Luft ausgehen kann.“ Aktuell hätten die 30 Rettungsschwimmer und fast 30 sonstigen Mitarbeiter in den Freibädern aber alle Hände voll zu tun. Zu ihren Aufgaben gehöre nicht nur die Wasseraufsicht, sondern auch die Pflege der Spiel- und Grünanlagen, Entnahme von Proben, Bedienung technischer Anlagen, der Einlass und nicht zuletzt auch mal Ersthelfer oder Seelsorger zu sein – etwa bei kleinen Wunden oder Insektenstichen.

Wasser marsch! An heißen Tagen hilft nur noch Abkühlung. Hier gibt’s die Übersicht über 40 Badeseen und Freibäder der Region Leipzig.

Bis zum Ferienstart in gut einer Woche bleiben auch alle Schwimmhallen in Leipzig geöffnet. Wer den Trubel im Freibad nicht so mag, kann sich also auch dort abkühlen – bei 28 Grad Wassertemperatur. In den Ferien erhalten die Hallen wieder eine Inventur, werden Schäden repariert oder Umbauten erledigt. „In den Ferien bleibt immer mindestens eine Schwimmhalle in Leipzig auf“, versichert Helwing. Viele Einwohner gingen freilich auch bei kühlerem Wetter ins Freibad, um die Sportplätze zu nutzen oder sich auf einer (ausleihbaren) Liege auszuruhen.

Zwei weitere Trinkbrunnen für die Bürger

Passend zur aktuellen Tropenhitze nehmen die Wasserwerke an diesem Freitag die nächsten öffentliche Trinkbrunnen in Betrieb. Bei einer Internetabstimmung mit 4700 Teilnehmern wurden als Standorte dafür der Lindenauer Markt und die Katharinenstraße in der City (vor der Tourist-Information) bestimmt. Weitere Trinkbrunnen gibt es in Leipzig bereits in der Petersstraße, der Windorfer Straße und auf dem Kurt-Masur-Platz, zudem in Markranstädt am Strandbad und in Markkleeberg in der Rathausstraße. „Da sich viele Städte im Sommer immer stärker aufheizen, leisten wir als kommunales Unternehmen einen Beitrag, um die Gesundheit der Bürger zu schützen“, erklärt Wasserwerke-Sprecherin Katja Gläß. Ziel sei, pro Jahr zwei neue Trinkbrunnen in der Metropole und einen im Umland aufzustellen.

Der Trinkwasserbrunnen in der Petersstraße wird nicht nur durch Pauline Haupt gern genutzt. Quelle: Andre Kempner

Anders als im Dürrejahr 2018 habe die Stadt Leipzig bisher noch keine Hilfe beim Wässern von Straßenbäumen angefordert, erläutert Gläß. Dies könne aber noch eintreten. „Das Niederschlagsdefizit des vergangenen Jahres für Nordwestsachsen setzt sich bisher auch in diesem Jahr fort.“ Sichtbar werde das aktuell am niedrigen Wasserstand von Flüssen und Seen.

Trinkwasserverbrauch steigt um etwa ein Viertel

Es müsse aber niemand befürchten, dass die Dusche oder der Hahn im heimischen Badezimmer trocken bleiben könnte. Das Leipziger Trinkwasser stamme aus drei voneinander unabhängigen Bezugsquellen, so der Technische Geschäftsführer Ulrich Meyer. „Das schafft hohe Versorgungssicherheit.“ Die jährlich verbrauchten 37,5 Millionen Kubikmeter würden von eigenen Wasserwerken an der Mulde bei Wurzen sowie in Naunhof geliefert, weniger als ein Viertel komme über Fernleitungen von der Elbaue-Ostharz GmbH.

Stadtwerke-Kraftwerk verbraucht bei Hitze mehr Gas

Ein kompletter Blackout wie unlängst in Argentinien sei für Deutschland extrem unwahrscheinlich, sagen die Leipziger Stadtwerke. Auch Berichte über Energieengpässe in Frankreich – wegen niedriger Flusspegel und zu wenig Kühlwasser müssen dort Atomkraftwerke gedrosselt werden – hätten nichts mit der Realität in der hiesigen Region zu tun.

Im Gegenteil solle das Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerk an der Eutritzscher Straße weiter modernisiert und gegebenenfalls durch andere Anlagen, die auch Fernwärme abgeben, ergänzt werden. „Im Falle eines landesweiten Blackouts wären diese Anlagen auch schwarzstartfähig, sie könnten Leipzig also selbst dann als eine Art Insel weiter versorgen“, erläuterte ein Unternehmenssprecher.

Auch wenn zurzeit viele Klimaanlagen auf vollen Touren laufen, sei der Energieverbrauch in Leipzig insgesamt nicht höher als in kühleren Jahreszeiten. Bei steigenden Lufttemperaturen sinke jedoch der Wirkungsgrad des Kraftwerks an der Eutritzscher Straße ein wenig – zum Ausgleich müsse mehr Gas verbrannt werden.

In den Büros werde jetzt über Nacht gelüftet. „Außerdem wurde die Gleitzeit verbreitert, das heißt, Mitarbeiter können nun bereits ab fünf Uhr früh anfangen, um kühlere Tageszeiten zu nutzen“, so der Sprecher.

Der Wasserverbrauch der Leipziger stieg 2018 auf 94,6 Liter pro Kopf und Tag, lag damit aber nach wie vor deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 122 Litern. An heißen Tagen wächst die Abnahmemenge in der Messestadt auf bis zu 135.000 Kubikmeter, das Jahresmittel liegt bei 110.000 Kubikmetern, weiß Meyer.

Trockenheit macht Ökolandbau zu schaffen

Angespannt ist die Situation allerdings auf den Feldern der Wassergut Canitz GmbH. Diese Tochterfirma betreibt zum Grundwasserschutz auf 746 Hektar Ökolandbau. Zwar verfügen alle Traktoren über Klimaanlagen, so der dortige Leiter Bernhard Wagner. Das Unkraut bei den Biozwiebeln müsse aber von Hand gejätet werden – selbst bei großer Hitze. Dabei liegen Erntehelferinnen aus Osteuropa bäuchlings auf Wagen, die seit 2018 alle über einen Solarantrieb verfügen.

Von Hand entfernt werden muss das Unkraut auf den Zwiebelfeldern der Wassergut Canitz GmbH. So sahen die „Jäteflieger“ vor der Umstellung auf Solarantrieb im Jahr 2018 aus. Quelle: Ralf Zweynert

Für das Getreide bräuchte Wagner dringend deutlich mehr Regen. Weil das ausgedehnte Grünland „zusehends vertrocknet“, müssen die 180 Weiderinder diesen Sommer mit Luzerne zugefüttert werden.

Mörtel in den Kanälen härtet schneller aus

Besonders zu schwitzen haben die Mitarbeiter der Tochterfirma Bau und Service Leipzig GmbH (BSL). Sie betreuen etliche Baustellen der Wasserwerke, dürfen ihre Arbeitszeit nun „sofern möglich nach vorn verlegen“, sagt BSL-Chef Nikolaus Meier. Im Straßenbau seien Arbeitsschuhe und die orangefarbene Schutzbekleidung Vorschrift. „Arbeitsschutz geht natürlich vor.“ Doch man versuche, mit atmungsaktiveren Shirts, Sonnenschirmen am Mischer, genug Wasserflaschen und Sonnencreme etwas bessere Bedingungen zu schaffen.

Bei der Fugensanierung in den Leipziger Abwasserkanälen ist es jetzt zwar etwas kühler als über der Erde – doch weil der Mörtel im Sommer schneller aushärtet, haben die Arbeiter dort auch mehr Stress. Quelle: Bertram Bölkow

In den Abwasserkanälen unter der Erde sei es zwar kühler. Doch dort sorge im Sommer eine hohe Luftfeuchtigkeit dafür, dass der Mörtel extrem schnell aushärtet. „Beim Ausbessern der Fugen muss deshalb alles viel schneller gehen“, sagt er.

Von Jens Rometsch

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