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Thema Specials Hitze in Sachsen Startseite Hitze macht durstig – jetzt wird das Leergut knapp
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18:16 26.06.2019
Hitze macht durstig. Die Hersteller von Mineralwasser in Mitteldeutschland erleben daher gerade eine Kundenansturm – und fahren die Produktion hoch. Quelle: Oliver Berg/dpa
Eilenburg/Lichtenau

Die Hitzewelle in Deutschland macht durstig – und lässt den Getränke-Absatz kräftig ansteigen, vor allem beim Mineralwasser. Um die durstigen Kunden beliefern zu können, haben die Mineralbrunnen in Mitteldeutschland bereits die Produktion hochgefahren und fahren Sonderschichten. Doch inzwischen wird das Leergut knapp. Denn das Wasser wird schneller verkauft, als die Kunden das Leergut zurückschaffen können.

„Die Nachfrage nach unserem Mineralwasser ist sehr hoch“, sagte der Chef von Ileburger Sachsenquelle in Eilenburg, Markus Humpert. Man habe die Produktion in Eilenburg (Nordsachsen) daher bereits um 20 Prozent auf 500 000 Flaschen pro Tag hochgefahren. In dem Betrieb, der schon im vergangene Sommer von der Hitzewelle profitiert hatte, wird derzeit deshalb auch Sonnabends gearbeitet.

Bei Ilebuerger Sachsenquelle in Eilenburg läuft dir Produktion auf Hochtouren Quelle: Jan Woitas/dpa

Ganz ähnlich sieht es bei Lichtenauer Mineralquellen in Mittelsachsen aus. „Wir spüren seit Wochen parallel zu den steigenden Temperaturen die erhöhte Nachfrage“, sagte Geschäftsführer Paul Korn. Auch hier wurde daher die Produktion hochgefahren – und mehr gearbeitet. „Unsere Schallgrenze von täglich einer Millionen Liter haben wir bereits überschritten. An eine,m Tag konnten wir mit über 1,3 Millionen Litern den Spitzenwert der vergangenen zehn Jahre verzeichnen.“ Das sei doppelt so viel wie an einem durchschnittlichen Tag.

Thüringer Waldquell verteilt Eis an Mitarbeiter

Auch Thüringer Waldquell in Schmalkalden hat wegen der Hitze die Produktion hochgefahren, und das bereits seit Wochen. „Um auf die steigende Nachfrage nach Getränken vorbereitet zu sein, fahren wir seit vier Wochen zusätzliche Sonderschichten an den Wochenenden“, berichtete der Markenmanager Denny Löffler. Als Dankeschön gebe es dann Eis für alle. Denn der Absatz sei enorm. „Bei den derzeit herrschenden Temperaturen verkaufen wir an Spitzentagen doppelt so viel wie im Jahresdurchschnitt.“

Was vor allem gekauft wird? „Wasser, Wasser, Wasser“, bringt es Lichtenauer-Chef Korn auf den Punkt. Gefragt seien dabei vor allem die Sorten ohne oder mit wenig Kohlensäure, fügte Löffler von Thüringer Waldquell hinzu. Auch aromatisiertes Wasser verkaufe sich bestens, hieß es in Eileburg. „Und bei Limonaden sind besonders die etwas herberen Bittergetränke Tonic, Ginger Ale und Bitter Lemon gefragt“, berichtete Sachsenquelle-Chef Humpert.

Auch die Brauereien spüren eine höhere Nachfrage – vor allem nach alkoholfreiem Bier und Radler. Das werde bei hohen Temperaturen deutlich stärker nachgefragt als klassisches Bier, hieß es bei den Brauereien in Köstritz (Thüringen) und Wernesgrün (Vogtland). Und wenn es trotz Hitze doch mit Alkohol sein soll, dann eher Pils als Schwarzbier.

Leergut wird knapp

Zum immer größeren Problem wird dabei das Leergut. Anders als im vergangene Jahr, als bei einigen Brauereien die Bierflaschen knapp wurden, trifft es dieses Mal aber eher die Mineralbrunnen. Grund sei der an sich erfreuliche Trend zurück zur Mehrweg-Glasflasche, erklärte Lichtenauer-Chef Korn. Das führe nun dazu, dass die Einheits-Glasflaschen, die die Branche seit Jahrzehnten verwendet, überall Mangelware werden. Und auch bei den PET-Mehrwegflaschen sehe es nicht besser aus. Das könne nun zu Lieferengpässen führen

Das gleiche Problem gibt es auch in Eilenburg und in Schmalkalden „Leider ist das Leergut weiterhin knapp“, sagte Sachsenquelle-Chef Humpert. „Trotz zusätzlicher Schichten kommt es daher immer wieder zu Engpässen.“ Thüringer- Waldquell-Mann Löffler appellierte daher an alle Kunden, ihre ausgetrunkenen Flaschen zügig zurückzugeben. „Aufgrund der gestiegenen Absätze wird dringend Leergut benötigt.“ Das helfe den Abfüller, Engpässe zu vermeiden.

Den steigenden Durst bekommt auch der Lidl-Lieferant Mitteldeutsche Erfrischungsgetränke (MEG) an seinen Standorten in Weißenfels und Jessen in Sachsen-Anhalt zu spüren. Hier werden vor allem die Lidl-Hausmarken Saskia (Mineralwasser) und Freeway (Limonade und Cola) abgefüllt. Man verzeichne derzeit „Saisonspitzen“, sagte Sprecher Stefan Koczula. Zahlen wollte er nicht nennen. Die Lieferung an die Supermärkte sei dennoch sichergestellt. Und Probleme mit dem Leergut wird es hier anders als bei den anderen Abfüllern nicht geben: MEG setzt ausschließlich auf Einwegflaschen.

Rotkäppchen verkauft mehr Fruchtsecco

Selbst Sekt verkauft sich bei der Hitze bestens – auch hier aber eher die Mixvarianten mit weniger Alkohol. Bei der Rotkäppchen-Sektkellerei in Freyburg (Sachsen-Anhalt) treibt das vor allem die Verkaufszahlen des Frucht-Mixgetränks Fruchtsecco nach oben. „Unser Rotkäppchen Fruchtsecco liegt mit gut 18 Prozent im Plus“, sagte Rotkäppchen-Mumm-Chef Christof queisser. „Speziell die Schwarze Johannisbeere läuft so gut, dass es langsam knapp wird.“

Von Frank Johannsen